Fräsroboter

Fräsroboter sind „Präzisionswerkzeuge“ der modernen, grabenlosen Kanalsanierung. In Leitungen und Kanälen beseitigen sie Hindernisse.

Fräsroboter für die Sanierung von Leitungen und Kanälen

Was genau macht ein Fräsroboter?

Ein Fräsroboter ist ein ferngesteuertes, meist rad- oder kettenbetriebenes Fahrzeug, das mit einem kraftvollen, rotierenden Fräskopf ausgestattet ist. Er wird über bestehende Schächte in das Rohrsystem eingebracht. Seine Hauptaufgaben lassen sich in drei Bereiche unterteilen:

1. Vorbereitung der Sanierung

Bevor ein Rohr saniert werden kann (z.B. durch das Einziehen eines Schlauchliners), muss es sauber und hindernisfrei sein. Der Roboter fräst weg, was im Weg steht: Inkrustationen und Ablagerungen, Kalk-, Urinstein- oder Betonreste, eingewachsene Baumwurzeln, hineinragende Hindernisse wie zum Beispiel fehlerhaft eingebaute Zulaufrohre, die in den Hauptkanal ragen.

2. Nacharbeit nach der Sanierung (z.B. Öffnen von Zuläufen)

3. Schadensbehebung

Riss- und Muffenvorbereitung: Er fräst schadhafte Stellen aus, damit diese im Anschluss mit Spachtel- oder Verpressverfahren (z. B. Partliner) punktuell repariert werden können.

Wie ist so ein System aufgebaut?

Ein typisches Fräsroboter-System besteht aus mehreren perfekt abgestimmten Komponenten:

  • Der Roboter (Fahrwagen): Er muss extrem robust, wasserdicht und wendig sein. Viele Modelle besitzen einen Allradantrieb, um über Hindernisse zu klettern, und können ihren Körper verspannen (ausspreizen), um beim Fräsen stabil im Rohr zu stehen.
  • Der Fräskopf (Antrieb): Meistens pneumatisch (mit Druckluft) oder hydraulisch (mit Flüssigkeitsdruck) betrieben. Elektrische Antriebe holen zwar auf, aber Druckluft und Hydraulik bieten oft noch das beste Verhältnis aus kompakter Baugröße und brachialer Kraft.
  • Die Kamera: Eine hochauflösende, oft schwenkbare Kamera mit LED-Beleuchtung sitzt direkt hinter oder neben dem Fräskopf. Damit der Operator trotz Schlamm und Frässtaub etwas sieht, haben die Kameras oft eine integrierte Scheibenwisch- oder Freiblasfunktion.
  • Die Steuereinheit: Befindet sich meistens in einem speziell ausgebauten Sanierungsfahrzeug (einem Kastenwagen). Der Operator steuert den Roboter von dort aus per Joystick und überwacht alles am Monitor.

Die verschiedenen Dimensionen: Vom Hausanschluss bis zum Hauptkanal

Kanalroboter gibt es in völlig unterschiedlichen Größenklassen, da sie sich an die Rohrdurchmesser anpassen müssen:

Hausanschluss-Roboter (ca. DN 70 bis DN 250)

Diese kleineren Systeme sind extrem flexibel und wendig. Sie wurden speziell dafür entwickelt, sich durch die oft verwinkelten Rohre innerhalb von Gebäuden oder auf privaten Grundstücken zu bewegen. Ihre größte Herausforderung ist die Bogengängigkeit: Sie müssen problemlos durch enge 90°-Bögen und Verzweigungen navigieren können. Da für schwere Radantriebe oft der Platz fehlt, werden sie häufig über flexible Schläuche oder Schiebestangen in das Rohr eingebracht.

Hauptkanal-Roboter (ca. DN 200 bis über DN 800)

Diese schweren, rad- oder kettengetriebenen Fahrzeuge kommen im öffentlichen Kanalnetz unter den Straßen zum Einsatz. Da sie in deutlich größeren Rohren arbeiten, bringen sie auch viel mehr Eigengewicht und eine enorme Fräskraft mit. Sie sind für lange Strecken ausgelegt: Über robuste Kabeltrommeln werden sie oft 100 bis 150 Meter (oder noch weiter) weit in den Kanal hineingesteuert, um dort hartnäckige Hindernisse zu beseitigen.

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