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Regenwassermanagement/

Schwammstadt rechtssicher bauen: Funke-Experte im Interview

Schwammstadt rechtssicher bauen: Funke-Experte im Interview
Frank Horstmann erklärt im Interview, wie GaLaBauer und Tiefbauer dezentrale Regenwassersysteme rechtssicher umsetzen. | Foto: Funke Kunststoffe

Klimaresiliente Städte erfordern Umdenken. Frank Horstmann Fachberater Regenwasserbewirtschaftung bei Funke Kunststoffe, erklärt im Interview, wie GaLaBauer und Tiefbauer dezentrale Regenwassersysteme nach dem Stand der Technik umsetzen und warum Vorzeigeprojekte wie die Bahnstadt Heidelberg mit Produkten aus Rezyklaten recycelten Systemen Schule machen müssen.

Herr Horstmann, das Thema Schwammstadt boomt, und der Garten- und Landschaftsbau sieht sich plötzlich in der Rolle des Klimaretters. Hand aufs Herz: Sind die Betriebe überhaupt schon fachlich bereit, komplexe Versickerungs- und Speichersysteme zu planen, oder bauen viele immer noch nach dem Prinzip „Hauptsache, das Wasser ist irgendwie weg“?


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Frank Horstmann: „Hauptsache, das Wasser ist irgendwie weg“ gilt schon lange nicht mehr – auch im GaLaBau. Aber es gibt ganz klar erheblichen Schulungsbedarf. Viele GaLaBauer sind hochmotiviert und treiben nachhaltige Ansätze aktiv voran, aber es reicht eben nicht mehr, nur Oberflächen neu zu gestalten oder eine Terrasse zu bauen. Wenn es an dezentrale Systeme geht, stoßen wir schnell an rechtliche und technische Grenzen. Ein Kunde darf nicht einfach laienhaft beraten werden nach dem Motto: „Wir koppeln jetzt die Fallrohre ab und lassen das Wasser versickern.“ Das ist grundsätzlich genehmigungspflichtig! Wer da ohne fundierte Kenntnisse der Bodenbeschaffenheit und der lokalen Satzungen agiert, steht ganz schnell in der Beratungshaftung.

Das klingt nach einer Drohkulisse für die Betriebe. Schreckrechtliche Vorgaben und Haftungsrisiken – blockiert das nicht den schnellen Umbau unserer Kommunen?

Frank Horstmann: Es ist kein Blockieren, sondern eine Frage der Professionalität. Wer als Unternehmer am Markt bestehen will, braucht passende Mitarbeiter, die sich kontinuierlich weiterbilden. Wir als Industrie unterstützen da massiv – sei es mit Regelwerk-Seminaren oder unserer kostenlosen Software wie dem Aquaflow Manager für die exakte Dimensionierung. Aber auch der klassische „Loch-auf-Wasser-rein“-Test mit der Stoppuhr zur Bodenprüfung hat ausgedient. Wir müssen zwingend auf professionelle Bodengutachten und die enge Abstimmung mit den Tiefbauämtern setzen.

Vorzeigeprojekt Bahnstadt Heidelberg: Nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung mit Rezyklat-Rohren

Ein gutes Stichwort. Beim nachhaltigen urbanen Bauen wird oft die Bahnstadt Heidelberg als weltweites Vorzeigeprojekt genannt. Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht so besonders – und welche Rolle spielen Funke-Produkte dort?

Frank Horstmann: Die Bahnstadt Heidelberg will als eine der größten Passivhaussiedlungen der Welt Maßstäbe setzen. Dort wurde ein innovatier Produktmix realisiert. Für das nachhaltige Regenwasserkonzept kamen unter anderem 510 Meter unserer Pipe2Pipe-Kanalrohre sowie die KS-Bluebox zum Einsatz. Das Besondere an Pipe2Pipe: Die Rohre bestehen zu etwa 50 Prozent aus PVC-U-Rezyklat und werden zu 100 Prozent mit Ökostrom produziert. Das spart gegenüber herkömmlichen Rohren etwa die Hälfte CO₂ ein. Genau das fordert die Kreislaufwirtschaft. Gepaart mit den leichten, schnell installierbaren Rigolenboxen zeigt Heidelberg, wie moderner Tief- und Erdbau im urbanen Raum ressourcenschonend Hand in Hand gehen können.

Fachkräftemangel im Tief- und GaLaBau: Einfache Montage als Schlüssel zur Fehlervermeidung

Beim System Funke VPS-Turbo wurden Gewinderadschlüssel durch eine Abreißschraube für den Akku-Bohrschrauber ersetzt. | Foto: Funke Kunststoffe
Beim System Funke VPS-Turbo wurden Gewinderadschlüssel durch eine Abreißschraube für den Akku-Bohrschrauber ersetzt. | Foto: Funke Kunststoffe

Dennoch gibt es an den Schnittstellen zwischen Erdbau, klassischem Tiefbau und dem GaLaBau immer wieder Reibungsverluste. Der Tiefbau belächelt den GaLaBau bisweilen, wenn es um Rohrleitungssysteme geht. Ist diese strikte Trennung überhaupt noch zeitgemäß?

Frank Horstmann: Diese alten Gräben lösen sich glücklicherweise zunehmend auf. Leistungsstarke GaLaBau-Unternehmen stellen heute ganz gezielt Meister aus dem Straßen- und Tiefbaubereich ein, um Kanalanschlüsse fachgerecht und eigenständig herzustellen. Wenn die Qualifikationen und Schulungsnachweise stimmen, gibt es da keine Probleme mehr.

Zusätzlich müssen wir als Hersteller auf den extremen Fachkräftemangel reagieren. Unsere Systeme müssen fehlerfrei und einfach zu montieren sein. Ein Beispiel: Bei unserem System Funke VPS-Turbo haben wir den alten Gewinderadschlüssel durch eine Abreißschraube für den Akku-Bohrschrauber ersetzt. Bei einem definierten Drehmoment reißt die Schraube ab und die Verbindung sitzt perfekt. Keine Einstellfehler, kein langes Suchen nach Spezialwerkzeug. Dazu setzen wir auf video- und mehrsprachbasierte Anleitungen via QR-Code, damit auch angelernte Kräfte oder Mitarbeiter mit Migrationshintergrund die Systeme ohne Hürden fehlerfrei einbauen können.

Urbanes Grün retten: Warum herkömmliche Drainrohre für Stadtbäume das Todesurteil sind

Schauen wir auf die grünen Hauptakteure der Schwammstadt: die Stadtbäume. Ein riesiger Vermögenswert, der im Sommer jämmerlich vertrocknet oder durch versiegelte Flächen erstickt. Reicht es da nicht, wenn der GaLaBauer beim Pflanzen einfach ein paar Meter flexibles Drainrohr um den Ballen legt, wie man es schon immer getan hat?

Frank Horstmann: Definitiv nicht, der Einbau von Drainrohren rund um den Ballen hat sich nicht bewährt, sie können zum Kamineffekt führen, den Ballen austrocknen und die Wasserabfuhr aus dem Pflanzloch beschleunigen. Wenn ein alter Baum gefällt und durch einen neuen ersetzt werden muss, reißt das eine riesige Lücke in die CO₂-Bilanz und das Mikroklima der Stadt. Wir brauchen technische, sorgfältig geplante Lösungen für Pflanzgruben.

Funke bietet hierfür beispielsweise Tiefenbelüfter für überbaubare Pflanzgruben (Typ 2) an. Diese sorgen dafür, dass die Wurzeln gezielt nach unten wachsen und nicht nach oben drängen, wo sie später die teuren Pflasterbeläge anheben. Die einschlägigen Regelwerke, wie die FLL Empfehlungen für Baumplanzungen, Teil 2, werden aktuell intensiv überarbeitet, um diesen neuen Produktlösungen Rechnung zu tragen.

Bürokratie-Stau in den Kommunen: FLL, DWA und FGSV arbeiten an neuem Regelwerk

KS-Bluebox im Einsatz in Telgte. | Foto: Funke Kunststoffe
KS-Bluebox im Einsatz in Telgte. | Foto: Funke Kunststoffe

Das größte Problem scheint aber oft gar nicht die Technik zu sein, sondern die lähmende Bürokratie in den Kommunen. Wenn der Bürgermeister die „blau-grüne Schwammstadt“ ausruft, schlagen die Ämter im Hintergrund die Hände über dem Kopf zusammen. Woran hakt es?

Frank Horstmann: Die Kommunen und ihre Ämter sind sich untereinander oft schlichtweg nicht einig. Da haben Sie das Tiefbauamt, das im Bereich der Kanäle auf keinen Fall Bäume und Wurzeln haben will. Dann kommt der Straßenbauer und fordert, dass Regenwasser von der Fahrbahn sofort und ohne Umwege abgeleitet werden muss. Das Grünflächenamt wiederum kämpft um jeden Quadratmeter durchwurzelbaren Raum. Während in manchen Städten noch über die Mindestgröße von zwölf Kubikmetern Wurzelraum pro Baum gestritten wird (FLL Empfehlungen für Baumpflanzungen Teil 2, Ausgabe 2010), geht z.B. die Landeshauptstadt München über die ZTV-Vegtra-Mü (zusätzliche Technische Vorschriften für die Herstellung und Anwendung verbesserter Vegetationstragschichten) auf Pflanzguben mit 36 Kubikmetern (ZTV-Vegtra-Mü). Und zu guter Letzt redet die Wasserbehörde mit, wenn es um Schadstoffe, Reifenabrieb, Schwermetalle, Mineralölkohlenwasserstoffe oder den winterlichen Streusalzeintrag geht. Jede dieser Gruppen hat ihre Berechtigung und ihre Vorbehalte. Diese gilt es abzubauen, um alle an einen Tisch zu bekommen.

Gibt es denn Hoffnung auf Besserung oder diskutieren wir in 20 Jahren noch über dieselben Zuständigkeitsprobleme?

Frank Horstmann: Das Wissen in den Köpfen ist da, es mangelt oft an der Umsetzung. In kleineren Kommunen, in denen Grünflächen- und Tiefbauamt in einer Abteilung zusammengelegt wurden, wird bereits deutlich schneller und pragmatischer entschieden. Ein riesiger Meilenstein wird das neue Merkblatt DWA-M 163 „Baumstandorte und Regenwasserbewirtschaftung“, das aktuell erarbeitet wird. Hier setzen sich zum ersten Mal die „Gärtner“ der FLL gemeinsam mit den Entwässerungsingenieuren der DWA und den Straßenbauern der FGSV an einen Tisch, um ein gewerkeübergreifendes Regelwerk für den Baumstandort mit Bewässerung zu schaffen. Das Bewusstsein für die Bedeutung blau-grüner Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und findet zunehmend Eingang in die Praxis – genau hier kommen unsere innovativen Produkte zum Einsatz.

Gedeiht die grüne Branche?

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Herr Horstmann, vielen Dank für dieses offene und deutliche Gespräch!

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