Ausbau des Leitungsnetzes

Der Netzausbau ist das unsichtbare Rückgrat unserer modernen Zivilisation.

Verlegung unterirdischer Leitungen

Ob Glasfaser für Highspeed-Internet, Stromkabel für die Energiewende oder Fernwärme: Der Netzausbau ist das unsichtbare Rückgrat unserer modernen Zivilisation.

Diskutiert wird immer wieder das Thema Erdkabel vs. Freileitungen. Die Entscheidung für Erdkabel statt Freileitungen hat meist strategische Gründe:

  • Wetterfestigkeit: Unterirdische Leitungen sind geschützt vor Sturm, Eislasten und umstürzenden Bäumen.
  • Landschaftsbild: Keine störenden Masten in Naturschutzgebieten oder Wohnsiedlungen.
  • Akzeptanz: In der Bevölkerung ist der Widerstand gegen Erdkabel meist geringer als gegen riesige Überlandleitungen (Stichwort: SuedLink).
  • Platzersparnis: Besonders im urbanen Raum ist oberirdischer Ausbau oft gar nicht mehr möglich.

Die gängigsten Bauverfahren

Man unterscheidet heute zwischen der klassischen offenen Bauweise und modernen, grabenlosen Techniken, die den Verkehr und die Umwelt weniger belasten.

Offene Bauweise

Hierbei wird ein tiefer Graben ausgehoben, das Kabel (meist in Schutzrohren) verlegt und der Graben wieder geschlossen.

  • Vorteil: einfach und bewährt
  • Nachteil: massive Verkehrsbehinderungen und Zerstörung von Oberflächen (Asphalt/Pflaster)

Grabenlose Techniken

Diese Verfahren sind die „Keyhole-Chirurgie“ des Netzausbaus:

  • Horizontalspülbohrverfahren (HDD): Eine gesteuerte Bohrung, die unter Flüssen, Autobahnen oder Gebäuden hindurchtaucht.
  • Bodenverdrängungshämmer (Erdraketen): Eine pneumatische Rakete schlägt sich durch den Boden und zieht das Rohr direkt hinterher. Ideal für Hausanschlüsse.
  • Pflugverfahren: Ein Spezialpflug schlitzt den Boden auf, legt das Kabel direkt hinein und schließt den Schlitz sofort wieder. Extrem schnell auf dem „platten Land“.

Die großen Herausforderungen

Thermische Belastung

Stromkabel erzeugen Wärme. In der Luft kühlen sie von selbst, aber unter der Erde wirkt der Boden wie eine Isolierschicht. Wenn der Boden austrocknet, leitet er die Wärme schlechter ab, was die Kapazität der Leitung begrenzen kann.

Kostenfaktor

Ein Daumenwert in der Branche besagt: Unterirdischer Ausbau ist teurer als Freileitungen. Die Tiefbaukosten machen dabei oft bis zu 80 % der Gesamtkosten aus.

Dokumentation und „Fremdschäden“

Das größte Risiko für ein Erdkabel ist der Bagger einer anderen Baustelle. Da viele alte Netze unzureichend dokumentiert sind, kommt es häufig zu ungewollten Beschädigungen („Baggerbiss“).

Aktuelle Trends: Energiewende & Glasfaser

Zwei Bereiche treiben den Sektor derzeit massiv voran:

  1. Gleichstrom-Autobahnen (HGÜ): Projekte wie SuedLink oder SuedOstLink nutzen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, um Windstrom von Nord- nach Süddeutschland zu bringen – fast ausschließlich unterirdisch.
  2. Fiber to the Home (FTTH): Der flächendeckende Glasfaserausbau nutzt verstärkt das Microtrenching. Dabei werden nur schmale Schlitze in den Asphalt gefräst, Kabel rein, versiegelt – fertig. Das spart Zeit und Geld.

Während früher jedes Versorgungsunternehmen (Strom, Gas, Wasser, Telko) separat buddelte, geht der Trend heute zum koordinierten Netzausbau, um die Belastung für Anwohner zu minimieren.

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