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Stadtgrün/

Schwimmende Vegetationssysteme: Gewässerbau & Regenrückhaltebecken begrünen

Wasserbau

Schwimmende Vegetationssysteme: Regenrückhaltebecken ökologisch aufwerten

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Thomas Roess
07.08.2026, 00:00
TWISTRINGEN
Schwimmende Vegetationssysteme: Gewässerbau & Regenrückhaltebecken begrünen
Schwimmende Flora Float-Vegetationsflächen im Park der Gärten in Bad Zwischenahn. | Foto: Roess Nature Group

Schwimmende Pflanzinseln eröffnen dem GaLaBau ein vielversprechendes Geschäftsfeld zwischen Gewässerbau und Regenwassermanagement. Mit Systemen wie Flora Float lassen sich technische Gewässer, Regenrückhaltebecken und städtische Kanäle nachträglich ökologisch aufwerten.

Teiche, Regenrückhaltebecken und andere künstlich angelegte Wasserflächen gehören inzwischen zu vielen Wohnquartieren, Gewerbegebieten, Parkanlagen und öffentlichen Freiräumen. Häufig erfüllen sie zunächst eine technische Aufgabe: Sie speichern Niederschlagswasser, entlasten die Kanalisation oder dienen als Löschwasser- und Speicherbecken. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Gestaltung, Biodiversität, Klimaanpassung und die ökologische Qualität solcher Anlagen.

Eine Möglichkeit, bestehende Wasserflächen nachträglich zu begrünen und strukturell aufzuwerten, bieten schwimmende Vegetationssysteme. Mit Flora Float wurde dafür ein modular aufgebautes System entwickelt, das bepflanzte Elemente dauerhaft auf der Wasseroberfläche trägt. Die Pflanzen wachsen nicht in einem klassischen Gewässerboden. Ihre Wurzeln reichen durch den Vegetationsträger direkt in das Wasser.

Für den Garten- und Landschaftsbau entsteht damit ein neues Arbeitsfeld zwischen Gewässerbau, Bepflanzung, Regenwassermanagement und ingenieurbiologischer Gestaltung.

Schwimmende Pflanzinseln im Einsatz: Vom Zierteich bis zum Industriegewässer

Flora Float als vollständig bepflanztes Schwimmmodul. 
Quelle: ROESS Nature Group | Foto: Roess Nature
Flora Float als vollständig bepflanztes Schwimmmodul. Quelle: ROESS Nature Group | Foto: Roess Nature

Eine klassische Ufer- oder Wasserbepflanzung setzt geeignete Bodenverhältnisse, passende Wassertiefen und möglichst konstante Wasserstände voraus. Bei steilen Böschungen, abgedichteten Becken, schwankenden Wasserständen oder tiefen technischen Gewässern sind diese Voraussetzungen oftmals nicht gegeben.

Schwimmende Pflanzinseln werden dagegen auf der freien Wasserfläche installiert. Mögliche Einsatzorte sind unter anderem:

  • Regenrückhalte- und Regenklärbecken
  • Park- und Zierteiche
  • Gewässer in Wohn- und Gewerbequartieren
  • Löschwasser- und Speicherteiche
  • Golfplatz- und Bewässerungsgewässer
  • Betriebs- und Industriegewässer
  • künstlich angelegte Wasserflächen in Grünanlagen

Das Flora Float-System besteht aus einzelnen schwimmfähigen Elemente, die zu unterschiedlichen Formen und Flächengrößen verbunden werden können. Die Module tragen den Vegetationsaufbau und werden entsprechend den örtlichen Bedingungen im Gewässer positioniert und verankert. Für Planung und Ausführung sind insbesondere Schwimm- und Tragekonstruktion, Vegetationsträger, Modulverbindungen, standortgerechte Pflanzenauswahl, Verankerung und Lagesicherung sowie die Zugänglichkeit für Kontrolle und Pflege zu berücksichtigen.

Ökologische Aufwertung von Gewässern: Wurzelräume für mehr Biodiversität

Montage einer modularen Flora Float-Vegetationsfläche. | Foto: Roess Nature Group
Montage einer modularen Flora Float-Vegetationsfläche. | Foto: Roess Nature Group

Oberhalb der Wasserlinie bildet die Bepflanzung eine sichtbare grüne Insel. Unterhalb der Oberfläche entwickelt sich mit zunehmendem Pflanzenwachstum ein dichter Wurzelraum. An den Wurzeln und weiteren benetzten Oberflächen können sich Mikroorganismen und Biofilme ansiedeln. Gleichzeitig nehmen die Pflanzen während ihres Wachstums Nährstoffe auf. Der Wurzelraum schafft zudem zusätzliche Strukturen, die von Kleinstlebewesen und anderen aquatischen Organismen genutzt werden können.

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Welche Wirkungen an einem konkreten Standort erreicht werden, hängt unter anderem von der Größe der bepflanzten Fläche, den Pflanzenarten, der Nährstoffbelastung, den Temperatur- und Lichtverhältnissen, dem Wasseraustausch sowie der Tiefe und Beschaffenheit des Gewässers ab. Schwimmende Vegetationssysteme sollten daher nicht pauschal als technische Wasserreinigungsanlage betrachtet werden. Eine belastbare Bewertung erfordert immer eine standortbezogene Betrachtung und bei anspruchsvollen Projekten ein begleitendes Monitoring.

Gewässerbau im GaLaBau: Planung, Montage und sichere Verankerung

Die Umsetzung solcher Anlagen verbindet mehrere klassische Kompetenzen des GaLaBaus. Neben der Bepflanzung sind Kenntnisse im Gewässerbau, bei Verankerungen, in der Baustellenlogistik und in der Entwicklungspflege erforderlich.

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Ein typischer Projektablauf umfasst die Aufnahme des Gewässers, die Klärung der gestalterischen und funktionalen Zielsetzung, die Auswahl von Größe und Anordnung der Module, die Festlegung der Vegetation, die Planung der Verankerung, Montage und Bepflanzung sowie die spätere Sicht- und Funktionskontrolle.

Besondere Aufmerksamkeit verlangt die Verankerung. Wind, Wellen, Strömungen und wechselnde Wasserstände können erhebliche Kräfte auf eine bepflanzte Schwimmstruktur ausüben. Die Befestigung muss deshalb projektspezifisch ausgelegt werden. Auch die Erreichbarkeit für spätere Pflegearbeiten sollte bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.

Unser Autor

Thomas Roess ist geschäftsführender Gesellschafter der Roess Nature Group in Twistringen. Die Unternehmensgruppe entwickelt und vertreibt Lösungen für Erosionsschutz, Wasserbau und naturbasierte Infrastruktur. Mit Flora Float arbeitet sie an einem modularen schwimmenden Vegetationssystem für unterschiedliche Gewässertypen.

Pflanzenauswahl für Schwimminseln: Heimische Arten für öffentliche Freiräume

Flora Float in einem urbanen Gewässer in Rotterdam. | Foto: Roess Nature Group
Flora Float in einem urbanen Gewässer in Rotterdam. | Foto: Roess Nature Group

Nicht jede Sumpf- oder Uferpflanze eignet sich automatisch für eine schwimmende Vegetationsinsel. Entscheidend sind unter anderem die Wasserqualität, die Lichtverhältnisse, das Klima, die gewünschte Wuchshöhe und die gestalterische Wirkung. Für Anlagen in öffentlichen Bereichen können robuste, standfeste und pflegearme Arten im Vordergrund stehen. In ökologisch ausgerichteten Projekten sollte die Pflanzenauswahl zusätzlich auf heimische und standortgerechte Arten sowie auf ein möglichst langes Blütenangebot abgestimmt werden.

Eine Mischung unterschiedlicher Arten erhöht die strukturelle und gestalterische Vielfalt. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass besonders konkurrenzstarke Arten die gesamte Pflanzung dominieren. Je nach Zielsetzung kann ein Rückschnitt beziehungsweise die Entnahme abgestorbener oder überschüssiger Biomasse erforderlich sein.

Demonstrationsanlagen in der Praxis: Urbane Gewässer klimagerecht anpassen

Um Aufbau, Vegetationsentwicklung und praktische Handhabung unter verschiedenen Standortbedingungen zu beobachten, wurden erste Flora Float-Demonstrationsanlagen eingerichtet. Sie dienen insbesondere dazu, Erfahrungen für die Weiterentwicklung und die zukünftige projektbezogene Planung zu sammeln.

Eine Installation in einem privaten Gartenteich zeigt den Einsatz in einem kleinen, gestalterisch geprägten Gewässer. Im Vordergrund stehen die optische Integration, die Pflanzenentwicklung und die Frage, wie sich ein schwimmendes Vegetationselement in eine bestehende Gartenanlage einfügt. Das Projekt verdeutlicht, dass die Technik nicht nur für große Rückhalte- oder Betriebsgewässer infrage kommt.

Im Park der Gärten in Bad Zwischenahn wird Flora Float in einem öffentlich zugänglichen Umfeld präsentiert. Der Standort ermöglicht es, die Entwicklung der Vegetation unter realen Freilandbedingungen zu beobachten und das Prinzip einem breiten Fach- und Publikumsinteresse vorzustellen. Erscheinungsbild, dauerhafte Positionierung, Verkehrssicherheit und Pflegeaufwand spielen hier eine besondere Rolle.

Das Demonstrationsprojekt in Rotterdam überträgt das System in einen urbanen Kontext. Gerade dicht bebaute Städte suchen nach Möglichkeiten, technische Wasserflächen mit Grünstrukturen und ökologischen Funktionen zu verbinden. Der Standort zeigt das Potenzial schwimmender Vegetation für städtische Gewässer, Kanäle oder wasserbezogene Freiräume.

Die drei Anlagen sind bewusst als Demonstrations- und Beobachtungsprojekte einzuordnen. Sie ersetzen noch keine langfristige wissenschaftliche Wirkungsbewertung, bilden aber eine wichtige Grundlage für die praktische Weiterentwicklung des Systems.

Neues Geschäftsfeld für Landschaftsgärtner: Teichbau und Regenwassermanagement erweitern

Flora Float in einem privaten Schwimm- und Rückhalteteich in Twistringen. | Foto: Roess Nature Group
Flora Float in einem privaten Schwimm- und Rückhalteteich in Twistringen. | Foto: Roess Nature Group

Die Anlage sollte nicht mit pauschalen Versprechen zur Gewässerreinigung angeboten werden. Seriös ist eine klare Definition der Projektziele: Soll vor allem gestaltet, zusätzliche Vegetation geschaffen, Biodiversität unterstützt oder eine messbare Veränderung bestimmter Wasserparameter untersucht werden? Erst aus dieser Zielsetzung ergeben sich Flächengröße, Bepflanzung, Verankerung, Pflegekonzept und gegebenenfalls das notwendige Monitoring.

Schwimmende Vegetationssysteme können das Leistungsspektrum qualifizierter GaLaBau-Betriebe erweitern. Besonders interessant ist die Verbindung mit bestehenden Tätigkeiten im Teichbau, Regenwassermanagement, Gewässerunterhalt und in der Pflege öffentlicher Grünanlagen. Der ausführende Betrieb übernimmt dabei nicht nur die Montage. Er kann bereits bei der Beurteilung des Standortes, der Pflanzenauswahl, der logistischen Planung und der späteren Pflege eine zentrale Rolle spielen.

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