Urbane Hitzeinseln
Sachsen braucht dringend mehr Grün

Über 1,5 Millionen Menschen in Sachsen leiden unter extremer Hitze, teilt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit. Deren aktueller Hitze-Check für das ostdeutsche Bundesland belegt einen massiven Baumverlust und fortschreitende Flächenversiegelung. Für Bauunternehmen und Planende ergeben sich daraus drängende Aufgaben in der kommunalen Klimaanpassung und der urbanen Freiraumgestaltung.

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Um der Aufheizung der Innenstädte entgegenzuwirken, fordert die DUH von jeder Stadt einen verbindlichen Masterplan für den Hitzeschutz. „Der Umbau unserer Städte braucht Zeit, Bäume wachsen nicht über Nacht“, mahnt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.
Ein zentraler Ansatzpunkt für die Stadt- und Freiraumplanung ist dabei die sogenannte 3-30-300-Regel. Demnach sollen Menschen in städtischen Quartieren mindestens drei Bäume vom Fenster aus sehen, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und maximal 300 Meter zur nächsten Grünfläche zurücklegen müssen. Kommunen müssten jetzt klären, wo systematisch entsiegelt werden kann und wo neue Grünflächen entstehen sollen.
DUH Hitze-Check Sachsen | |
|---|---|
Datenbasis | Untersuchung von 68 sächsischen Kommunen (über 10.000 Einwohner) anhand der Indikatoren Baumüberschirmung, Versiegelungstrend und Hitzebetroffenheitsindex. |
Betroffenheit | Über 1,5 Millionen Menschen in Sachsen leben in stark hitzebelasteten Quartieren. |
Baumverlust | Zwischen 2018 und 2025 verschwanden sachsenweit fast 130.000 Bäume. |
Bewertung | 5 rote Karten (Schlusslichter u. a. Leipzig, Schkeuditz), 57 gelbe Karten, 6 grüne Karten. Annaberg-Buchholz erreicht als einzige Stadt einen Beschirmungsgrad von mindestens 30 Prozent. |
Wir fordern die Kommunen auf, die Sache jetzt selbst in die Hand zu nehmen.
Barbara Metz, DUH-Bundesgeschäftsführerin
Flächenentsiegelung und Baumerhalt: Investitionen in grüne Infrastruktur
In den vergangenen Jahren fielen in Sachsen zehntausende Bestandsbäume neuen Bauprojekten oder Parkflächen zum Opfer. Große Stadtbäume seien jedoch die wirksamsten natürlichen Klimaanlagen und dürften nicht länger für kurzfristige Bauinteressen weichen, kritisiert die DUH.
Da Neupflanzungen Jahrzehnte benötigen, um ihre volle Kühl- und Schattenleistung zu entfalten, rückt der dauerhafte Schutz von Großbäumen bei Baumaßnahmen zwingend stärker in den Fokus. Gleichzeitig sind konkrete Rückbaumaßnahmen gefragt: Städte wie Dippoldiswalde und Bischofswerda zeigen laut Umwelthilfe bereits messbare Fortschritte bei der gezielten Flächenentsiegelung.
Hitzeschutzmaßnahmen: Pilotprojekte fördern resiliente Stadtentwicklung
Um vulnerable Gruppen besser abzusichern, startet ein Pilotprojekt der gesetzlichen Krankenkassen und der DUH in Modellkommunen wie Chemnitz und Torgau. Ziel ist es, den Hitzeschutz als festen Bestandteil in kommunale Entscheidungsprozesse zu integrieren. Für ausschreibende Stellen und ausführende Betriebe im GaLaBau bedeutet dies künftig eine stärkere Gewichtung von Beschattungskonzepten, hitzeresilienten Aufenthaltsorten und wassersensibler Stadtentwicklung.
„Wir fordern die Kommunen auf, die Sache jetzt selbst in die Hand zu nehmen“, appelliert Metz, um eine weitere Verschärfung der urbanen Hitzesituation zu verhindern.
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Quelle: Deutsche Umwelthilfe
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