Karriere im GaLaBau
Wenn der Mut zum Quereinstieg belohnt wird

Vom Hörsaal ins Grüne: Hannes Weser gab sein Wirtschaftsstudium auf, um mit einer Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau neu durchzustarten. Heute weiß der 23-Jährige, dass es der richtige Schritt war. Frisch ausgelernt, sicherte er sich zusammen mit einem Berufskollegen auf Anhieb den dritten Platz bei der Deutschen GaLaBau-Meisterschaft – obwohl er den Wettbewerb beinahe abgesagt hätte. Den Mut zum Neuanfang teilt er mit seinem Chef.

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Ursprünglich stand die grüne Branche zwar nicht ganz oben auf der Liste seiner Berufswünsche. Doch der Natur und dem Garten konnte Hannes Weser schon immer einiges abgewinnen. Selbst wenn Rasenmähen anstand, was ja für viele Teenager eher ein lästiges Übel ist. Nach dem Abitur studierte er zunächst Betriebswirtschaftslehre in Kiel, brach jedoch nach zwei Semestern ab. Was nun? Beim Jobben im Betrieb Oar Gartenservice in Dänischenhagen nahe der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt kam der junge Mann auf den Geschmack – und begann dort eine zweijährige Lehre.
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Leidenschaft fĂĽr Stein und Natur
Nicht nur, weil Minibaggerfahren Spaß bringt, sondern „weil man schnell sieht, wofür man seine Arbeit macht – nämlich, wenn die Insekten dorthin kommen, wo man Stauden gepflanzt hat“, erläutert Weser den Reiz. Er bezeichnet sich allerdings eher als „Bau-Typ“, der im Alltag viel pflastert, Terrassen gestaltet, Mauern hochzieht oder Bewässerungsanlagen und Rigolen einbaut.
Weser, der nach bestandener Prüfung nun frischgebackener Landschaftsgärtner ist, legt zwar auch Staudenbeete an. Seine Augen funkeln aber voller Leidenschaft, sobald er etwa über Natursteine spricht: „Die sind hochwertig und sehen gut aus.“ Zudem sei bei der Be- und Verarbeitung jedes einzelnen Steins noch „echtes Handwerk gefragt“. Das Material halte sehr lange und sei zeitlos.
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Vom Ein-Mann-Betrieb zum GaLaBau-Unternehmen

Sein Chef nickt zustimmend: Jan Bruns ist der Inhaber von Oar – und selbst Quereinsteiger. Der gelernte Kfz-Mechaniker und staatlich geprüfte Umweltschutztechniker hat den GaLaBau-Betrieb im Jahr 1995 gegründet, schmiss den Laden anfangs ganz allein. Er übernahm Gartenpflegeaufträge bei Privatleuten, sammelte Grünabfall ein und brachte den zur Biokompostierung. Schon bald stellte Bruns den ersten Mitarbeiter ein, Jens Grabowski, der jetzt seit 30 Jahren im Betrieb arbeitet. Das Geschäft lief gut, Oar wuchs immer weiter.
Zu den Arbeiten in Privatgärten kamen Hausverwaltungsjobs und öffentliche Aufträge. Bruns stellte einen gelernten Gärtner als Kompagnon ein. Mittlerweile gibt es rund 100 Beschäftigte im Unternehmen. Die Auftragslage stuft er trotz Wirtschaftsflaute in Deutschland als stabil ein. Auch wenn mancher Privatkunde bei der Gartenpflege momentan lieber ein wenig spare und die Hecke selbst schneide. Oar kommen nach seinen Worten die Spezialisierung in verschiedenen GaLaBau-Bereichen sowie feste Pflegeverträge zugute.
Breit aufgestellt in der Kieler Region
Muskelkater und Marathon-Kondition
Ein Paradebeispiel ist wohl Hannes Weser, der sich bei besagter Deutschen Meisterschaft mächtig ins Zeug gelegt hat. Bronze beim Landschaftsgärtner-Cup 2026 auf der Fachmesse GaLaBau in Nürnberg – Bruns ist hellauf begeistert: „Der dritte Platz ist mega“, freut sich der Chef und spricht von geistigen und körperlichen Höchstleistungen. Tatsächlich war Weser am Morgen des zweiten Wettbewerbstages ganz schön erledigt: „Ich bin mit einem heftigen Muskelkater aufgewacht“, denkt er zurück. Beton anmischen, Steine tragen – das schlaucht. Dabei ist der junge Mann sehr sportlich, läuft sogar Marathon. Seinen Mitstreiter, Leon Luca Schade vom GaLaBau-Betrieb Hartmut Schmidt in Hüsby bei Schleswig (Schleswig-Holstein), beschreibt er ebenfalls als fit.
Allerdings ist der Landschaftsgärtner-Cup ein echter Knochenjob. Das Nord-Duo musste an zwei Tagen innerhalb von insgesamt 15 Stunden eine vier mal vier Meter große Gartenanlage gestalten. Sie traten gegen zehn Zweierteams aus anderen Landesverbänden an, die die gleiche Aufgabe bewältigen mussten. Für die Deutsche Meisterschaft hatten sich alle zuvor in Regionalwettbewerben qualifiziert. Weser und Schade gewannen den Nord-Vorentscheid auf dem Vorplatz des Tierparks Hagenbeck in Hamburg.
Landschaftsgärtner-Cup hätte fast ohne ihn stattgefunden

Zuerst wollte er daran gar nicht teilnehmen: Als der Fachverband deswegen bei Oar anfragte, lehnte Weser ab. „Zwei Tage nach dem Regionalcup hatte ich nämlich meine praktische Prüfung.“ Doch nach kurzem Grübeln kam der Sinneswandel: „Solch eine Chance kommt nie wieder!“ Und jetzt ist Weser froh, dass er doch beim Landschaftsgärtner-Cup mitgemacht und Bronze gewonnen hat. „Bestens, das war der Burner“, lobt sein Chef.
Um die Zukunft ist Bruns ohnehin nicht bange. Fachkräftemangel? Mit acht bis zehn Azubis und einem starken Team blickt er zuversichtlich nach vorn. Das Image der Branche habe sich in den vergangenen Jahren verbessert. Zudem erleichtere die neue Technik die Arbeitsbedingungen im GaLaBau erheblich. Mitarbeiter müssten längst nicht mehr so schwer heben wie früher.
Garten als erweitertes Wohnzimmer
„Aus Zucker darf man aber trotzdem nicht sein“, sagt Weser mit Blick auf die Arbeit draußen bei norddeutschem Schmuddelwetter – und seinem Muskelkater beim Landschaftsgärtner-Cup. Zugleich habe sich das Bewusstsein der Kunden gewandelt, nicht zuletzt durch Garten-Sendungen im Fernsehen, sagt Bruns. „Viele betrachten den Garten jetzt als erweitertes Wohnzimmer.“ Es steige auch die Bereitschaft, entsprechend Geld für gärtnerische Dienstleistungen auszugeben. Nicht zuletzt, wenn die Beratung stimmt. Das Oar-Team erarbeitet auf Wunsch gemeinsam mit dem Kunden ein Gartenkonzept.
Schottergärten nein danke, nachhaltiges Grün ja

Was Bruns allerdings aus Überzeugung rigoros ablehnt, sind Schottergärten. Stattdessen empfehlen Weser und seine Kollegen den Kunden lieber Pflanzen und Bäume, die mit Blick auf Hitzestress und Trockenheit im Sommer nicht allzu viel Wasser brauchen. Was die Wertschätzung des Grüns betrifft, sieht sein Chef ein Umdenken bei vielen Kunden, aber auch bei der öffentlichen Hand. Beispielsweise würden die Wurzelräume von Bäumen längst nicht mehr so stiefmütterlich behandelt wie früher.
Zudem gewinnt das emissionsfreie Arbeiten an Bedeutung. „So viel wie technisch möglich“, sagt Bruns. So seien die Bauleiter bereits in E-Fahrzeugen unterwegs. Der Oar-Maschinenpark soll in den kommenden Jahren auf elektrischen Antrieb umgestellt werden. Bei Geräten wie Kettensägen, Heckenscheren & Co. ist der Umstieg laut Bruns schon fast komplett gelungen.
Für Hannes Weser ist es ein gelungener Arbeitstag, wenn auf der Baustelle alles glatt läuft: „Wenn die Maße stimme, sich der Baufortschritt nicht verzögert – und wir vielleicht vom Kunden sogar einen Kaffee angeboten bekommen“, sagt er augenzwinkernd.
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