Vom Lehrling zum Doktor: Walter Kolb im Interview
Er stammt aus einfachen Verhältnissen, hat nach der Volksschule und einer Gärtnerlehre ein Landespflege-Studium absolviert und später noch promoviert: Dr. Walter Kolb war an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim 35 Jahre in Forschung und Lehre tätig. Im B_I galabau-Interview spricht der Landschaftsarchitekt über Wege in die grüne Branche, den Klimawandel und seinen Garten.

Sie waren gerade Ehrengast bei den Veitshöchheimer Landespflegetagen, also der Fachtagung, die Sie selbst einst aus der Taufe gehoben haben: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie mit den aktuellen Herausforderungen für den Garten- und Landschaftsbau und die Kommunen konfrontiert werden?
Dr. Kolb: Ich freue mich, dass so viele Landschaftsgärtner sich den Herausforderungen in den Kommunen stellen. In Erweiterung sind aber auch Aufgaben im Bereich des Handwerks, der Industrie, der Wasserwirtschaft, in der freien Landschaft und im privaten Bereich zu sehen. Offensichtlich besteht ein großes Bedürfnis an Fortbildung.
Welche Chancen bieten sich Landschaftsgärtnern heute oder: Was sollten GaLaBau-Betriebe heutzutage beherzigen, um für die Zukunft gewappnet zu sein?
Dr. Kolb: Die besten Chancen bestehen in der Förderung qualifizierter Fachleute. Es besteht ein akuter Mangel an Fachpersonal in den GaLaBau-Betrieben. Es dürften zukünftig verstärkt Aufträge im Bereich ökologisch geprägter Arbeiten zu bewältigen sein. Kenntnisse der Leistungen und Ansprüche von Pflanzen dazu sind elementare Voraussetzungen.
Ihr Weg ins Berufsleben war steinig: Sie haben früh den Vater verloren, ihre Mutter musste als Bauernmagd zwei Kinder großziehen. Nach dem Abschluss der Volksschule haben Sie es später sogar bis zur Promotion geschafft – gab es im Laufe der Jahrzehnte mal einen Moment oder Mentor, der Ihnen das Vertrauen gab, dass „da noch mehr geht“?
Dr. Kolb: Ja, den gab es! Ich lernte einen Studenten der damaligen Technikerschule kennen, der in meinem Lehrbetrieb in den Semesterferien arbeitete. Er machte mir Mut. Auch danach blieben wir in Kontakt!
Zur Person
Dr. Walter Johann Kolb, Jahrgang 1939, geboren in Würzburg, war Gründer und Leiter der Landespflege-Abteilung an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Er wirkte dort 35 Jahre lang in Forschung und Lehre. Ins Berufsleben war Kolb mit einer Gärtnerlehre gestartet. Er arbeitete dann drei Jahre als Gehilfe, besuchte die Fachschule in Veitshöchheim sowie die Ingenieurschule in Weihenstephan. Als Betriebsleiter in einem GaLaBau-Betrieb war er für die Auftragsbeschaffung, Organisation, Bauleitung, Detailplanung und Personalführung zuständig. Als Externer studierte Kolb Landespflege an der Technischen Universität Hannover und promovierte als Mittfünfziger an der Technischen Universität München/Weihenstephan. Titel seiner Dissertation: „Pflegeaufwand bei bodendeckenden Stauden und Gehölzen“. Er lebt mit Ehefrau Rita in der unterfränkischen Gemeinde Güntersleben bei Würzburg, wo das Paar einen prächtigen Garten besitzt. Zudem zählt Dr. Kolb die Jagd, das Angeln und die Kommunalpolitik zu seinen Hobbys.
Welchen Rat würden Sie einem jungen Menschen geben, der sich in einer ähnlichen Startposition befindet wie Sie damals?
Dr. Kolb: Infomieren Sie sich über den Beruf und die Möglichkeiten im GaLaBau. Besuchen sie eine Baustelle und mehrere fertige Projekte. Wenn Sie den Abschluss als Meister anstreben, stehen ihnen beste Möglichkeiten und Vergütungen zur Verfügung. Leistungsbereitschaft und vielseitiges Interesse sind erforderlich. Naturromantiker eignen sich nicht.
Warum haben Sie sich seinerzeit für die grüne Branche entschieden?
Dr. Kolb: Pflanzen haben mich von klein auf interessiert. Mit diesen Stoffen zu planen und zu arbeiten, war deshalb naheliegend. Die Berufsberatung hat mir als mögliches Ziel Meister beziehungsweise Landschaftsarchitekt über den zweiten Bildungsweg vorgeschlagen.
Was war Ihre Vision, als Sie in Veitshöchheim die Abteilung Landespflege, heute Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau, an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau gründeten?
Dr. Kolb: Als ich an der LWG meinen Dienst antrat, war die damalige „Landschaftsgärtnerei“ ein Stiefkind. Die Organisation entsprach weder bezüglich der Unterrichtsinhalte noch der anwendungsorientierten Forschung der Bedeutung in der Wirtschaft. Es gelang mir, beim zuständigen Landwirtschaftsministerium durch Informationen die Bedeutung der Sparte für die Gesellschaft zu verdeutlichen und die zu erwartenden Aufgaben darzulegen und so eine eigene Abteilung Landespflege zu gründen. Damit verbunden war eine erhebliche Erhöhung der Forschungsmittel und Personalstellen. Die Verwaltung zu überzeugen, war nicht leicht.

Worauf sind Sie rückblickend besonders stolz, wenn Sie durch die Anlagen oder das Institut gehen?
Dr. Kolb: Stolz bin ich auf die Vielzahl der Veröffentlichungen aus unserer praxisorientierten Forschung unserer Abteilung, auf die qualifizierten Mitarbeiter und den zum Ende meiner Tätigkeit an der LWG gelungenen Neubau für das Institut.
Angesichts des Klimawandels: Wie sehen Sie die Zukunft des Gartenbaus?
Dr. Kolb: Der Klimawandel hat die Bedeutung unserer Sparte in der Gesellschaft deutlich erhöht. Dieser Sachverhalt fordert zukünftig Aufgaben, die infolge ihrer Vegetation ein angenehmes Kleinklima (Kühlfunktion) sichern. Ökologische Wirkungen – zum Beispiel Wasserrückhalt, Regenwassernutzung und Versickerung – und die Aufwertung befestigter Flächen – zum Beispiel mit mobilem Grün, auch Bäume bis zu mittlerer Größe – erscheinen mir wichtig. Die Nutzung elektronischer Hilfsmittel für Planung, Ausführung und Dokumentation dürften noch nötiger als heute werden. Aber noch wichtiger erscheint mir die Aus- und Fortbildung.
Wie sieht der Garten eines Mannes aus, der ein ganzes Institut geleitet hat? Ist er streng geordnet oder darf die Natur dort machen, was sie will?
Dr. Kolb: Mein Garten ist weder streng geordnet noch wilde Natur. Das geht schon aus der Planung und Pflanzenverwendung hervor. Eine große Vielzahl heimischer und nicht heimischer Stauden und Gehölze bilden den Schutzrahmen ohne Zaun. Es wurden erlebnisreiche Gartenräume, Sitzplatz und eine Wasserfläche mit Biotopcharakter geschaffen. Auf dem Dach der Garage entstand ein Gemüse- und Kräutergarten. Oberflächenwasser wird in einer Zisterne gespeichert und steht seit 40 Jahren zur Bewässerung und WC-Spülung zur Verfügung.
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Dr. Kolb, vielen Dank für das Gespräch.
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