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B_Iumweltbau

Gut gebettet im Fernwärmenetz mit Flüssigboden

Als im Allgäu das bislang größte regenerative Fernwärmeprojekt an den Start ging, stand die e-con AG vor einer kniffligen Frage: Wie bettet man Leitungen so, dass sie Jahrzehnte halten, sich aber bei Bedarf schnell wieder freilegen lassen? Die Antwort lag nur zehn Kilometer entfernt – bei der Max Wild GmbH in Berkheim, die mit Flüssigboden eine Alternative zur klassischen Sandbettung liefert.

Flüssigboden im Fernwärmenetz: Recycling-Bettung für Memmingen Süd/Benningen
Fernwärmenetz Memmingen: Die Leitungen liegen bereit. | Foto: Max Wild

Die Max Wild GmbH hat sich auf die Herstellung von Flüssigboden spezialisiert, den sie aus mineralischen Bauabfällen aufbereitet. Der Verfüllbaustoff kommt im Fernwärmenetz als Bettung zum Einsatz und punktet beim Verlegen der Leitungen für Fernwärme und -kälte sowie Lichtwellenleiter (LWL).

Flüssigboden: Flexibler Recyclingbaustoff

Flüssigboden ist ein zeitweise fließfähiger und selbstverdichtender Verfüllbaustoff (ZFSV) für eine hohlraum- und erschütterungsfreie Verfüllung. Er ist dauerhaft wiederaushubfähig. Weil Flüssigboden vorwiegend aus Bodenaushub besteht, der wiederverwertet wird, ist der Recyclingbaustoff zudem eine ressourcenschonende Alternative und ein wichtiger Schritt hin zu CO2-reduziertem Bauen. Flüssigboden hat ein breites Anwendungsspektrum und kommt unter anderem in Baugruben, beim Bauen unter Wasser, beim Denkmalschutz oder wie hier – im Rohrleitungsbau – zum Einsatz. Im Fernwärmenetz der e-con AG dient der Flüssigboden als Leitungsbettung für Fernwärme und -kälte sowie Lichtwellenleiter (LWL).

Die Leitungen für das Fernwärmeprojekt „Regenerative Wärmeversorgung Memmingen Süd und Benningen“ werden in rund 1,50 Meter Tiefe verlegt. | Foto: Max Wild
Die Leitungen für das Fernwärmeprojekt „Regenerative Wärmeversorgung Memmingen Süd und Benningen“ werden in rund 1,50 Meter Tiefe verlegt. | Foto: Max Wild

Fernwärmenetz als Leuchtturmprojekt

Mit dem Fernwärmenetz in Memmingen können künftig 30.000 MWh Wärme komplett regenerativ erzeugt und genutzt werden. Das reicht für die gesamte Wärmeversorgung der Gemeinde Benningen, aber auch Teile der Stadt Memmingen sowie Industriekunden, beispielsweise die Niederlassung des Elektronikunternehmens Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG. Für das innovative Fernwärmeprojekt investiert die e-con AG gemeinsam mit der Gemeinde Benningen und der Rohde & Schwarz Messgeräte GmbH für die erste Ausbaustufe 8 Millionen Euro.

Regenerativer Wärmemix

Die Wärme für das Fernwärmenetz kommt vom Heizwerk Memmingen Süd/Benningen, einer Energiezentrale aus Hackschnitzelkessel und Großwärmepumpen, die über regenerativen Strom aus den Photovoltaikanlagen an der Start- und Landebahn des Allgäu Airports versorgt werden. Die Abwärme aus dem Netz wiederum läuft zur Energiezentrale. „Wir setzen auf einen Wärmemix, der zu 100 Prozent regenerativ ist“, erklärt Peter Waizenegger. Jährlich werden so bis zu 2,5 Millionen Kubikmeter Erdgas und bis zu 6.000 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 1.500 Einfamilienhäusern.

Flüssigboden für die Hauptader des Fernwärmenetzes

Der Flüssigboden von Max Wild dient als Verfüllung und Bettung der Hauptleitung des Fernwärmenetzes, die unter anderem in die Stadt Memmingen fließt. Weil hier besonders viel regenerativ erzeugte Wärme transportiert wird, sind auch die Leitungen entsprechend groß. Die Rohre für die Fernwärme haben einen Außendurchmesser von 45 Zentimetern bzw. eine Nennweite von DN 450. Der Durchmesser der Abwärmeleitungen liegt bei 20 Zentimetern (DN 200). Und große Leitungen erfordern auch einen großen Grabenquerschnitt.

Nachhaltige Verfüllung: Die Leitungen des Fernwärmenetzes Memmingen werden mit dem Flüssigboden von Max Wild verfüllt. | Foto: Max Wild
Nachhaltige Verfüllung: Die Leitungen des Fernwärmenetzes Memmingen werden mit dem Flüssigboden von Max Wild verfüllt. | Foto: Max Wild

Insgesamt ca. 1.000 Meter Leitungen für Fernwärme, Fernkälte und Lichtwellenleiter (LWL) wurden bereits mit dem Flüssigboden von Max Wild verfüllt. Insgesamt ist eine Verfüllmenge von 3.000 m3 eingebaut worden. „Gerade in Nah- und Fernwärmenetzen und je nach Anforderung ist Flüssigboden oft die beste technische Möglichkeit, die Leitungen zu betten und zu umhüllen“, betont Jan Bielefeld, Leiter Geoplan bei der Max Wild GmbH.

Individuelle Rezeptur für Flüssigboden von Max Wild

„Wir haben unseren Flüssigboden speziell auf das Fernwärmeprojekt der e-con AG abgestimmt. Je nach Anwendung und Einsatz stellen wir unseren Flüssigboden individuell durch entsprechende Rezepturen ein“, erklärt Krishan Katzer, Laborleiter Geotechnik bei der Max Wild GmbH. Das Familienunternehmen produziert seinen Flüssigboden gemäß eigener Eignungsprüfung und Rezepturen aus dem hauseigenen geotechnischen Labor und garantiert die Qualitätssicherung durch die werkseigene Produktionskontrolle. Der Sekundärbaustoff ist nachweislich umweltunbedenklich, güteüberwacht nach BAYBÜV e.V. und gemäß FGSV zertifiziert.

Flüssigboden für einen langfristigen Netzbetrieb

Gegenüber der klassischen Verfüllung mit Sand punktet der Flüssigboden bei der e-con AG mit einem entscheidenden Vorteil: Er ist dauerhaft wiederaushubfähig. Auch bei späteren, fremden Tiefbauarbeiten im Bereich des Wärmenetzes würde der Aushubgraben stabil stehen bleiben und verhindert somit, dass die Rohrumhüllung der bestehenden Sparten „wegbricht“. Der ausgehärtete Flüssigboden lässt sich leicht mit einem Spaten lösen, ganz ohne Spezialgeräte und ganz ohne den Rest des Fernwärmenetzes zu beeinträchtigen. „Wenn Reparaturen oder Erweiterungen anstehen, können wir punktuell vorgehen und haben einen unkomplizierten und schnellen Zugriff auf die Leitungen. Gerade bei der Hauptleitung ist das extrem wichtig, denn wir können diese nicht einfach mehrere Tage stilllegen“, verdeutlicht Peter Waizenegger. Deshalb hat sich die e-con AG bei der Rohrbettung im Hauptachsenbereich des Fernwärmenetzes für den wiederaushubfähigen Verfüllbaustoff entschieden.

CO2-reduziertes Bauen: Für die Herstellung von Flüssigboden wird Bodenaushub wiederverwertet. | Foto: Max Wild
CO2-reduziertes Bauen: Für die Herstellung von Flüssigboden wird Bodenaushub wiederverwertet. | Foto: Max Wild

Weiterer Punkt für einen langfristigen Netzbetrieb: Der Flüssigboden bietet eine vollflächige und anliegende Umhüllung der Rohre und leitet Reibungskräfte in den Boden ab. Gegenüber der klassischen Verfüllung mit Sand reduziert Flüssigboden so den Rohrverschleiß, denn: „Je besser die Ableitung, desto weniger verschleißen die Rohre. Das ist zentral für einen langfristigen und sicheren Netzbetrieb“, betont Jan Bielefeld von Max Wild.

Effizienz auf der e-con-Baustelle

Auf der e-con-Baustelle sorgte der Flüssigboden für einen effizienten Workflow: Max Wild hat den Rohrgraben ausgehoben, während die Spezialisten von e-con nebenan parallel die Rohre vorgeschweißt haben. Zum Teil 36 Meter lange Rohre wurden so am Stück in den Rohrgraben gehoben, mit Niederhaltern fixiert und anschließend mit dem Flüssigboden verfüllt. Während der Verfüllung eines Abschnitts wurde bereits der nächste Abschnitt ausgehoben, das gleiche Prozedere folgte.

Weiteres Plus: Der Flüssigboden von Max Wild ist bereits nach ca. 24 Stunden begeh- und überbaubar. Im Falle des Fernwärmenetzes Memmingen Süd/Benningen kamen Kies, Asphalt sowie eine Deckschicht für einen frostsicheren Aufbau über den ausgehärteten Flüssigboden. Denn die meisten Leitungen, die mit dem Flüssigboden von Max Wild verfüllt wurden, verlaufen in Hauptverkehrsbereichen, wie Straßen, Rad- und Gehwegen.

Verfüllung mit Flüssigboden im Grundwasserbereich

Die e-con AG meisterte dank des Flüssigbodens zudem eine ganz besondere Herausforderung, mit der sie während der Bauarbeiten zum Anschluss der Riedbachstraße (Memmingen) konfrontiert war. Aufgrund des Hochwassers in Süddeutschland im Mai 2024 war der Grundwasserspiegel auf der Baustelle stark angestiegen. „Mit der klassischen Wasserhaltung konnten wir nicht weiterarbeiten. Zudem hatten wir es an dieser Stelle des Fernwärmenetzes mit vielen bereits bestehenden Sparten und Leitungen zu tun. Hier war der Flüssigboden von enormem Vorteil“, erklärt Peter Waizenegger, Vorstand der e-con AG.

Insgesamt 2.500 m3 Flüssigboden von Max Wild sind für das Verfüllen der Fernwärme-, Fernkälte- und LWL-Leitung im Fernwärmenetz Memmingen eingeplant. | Foto: Max Wild
Insgesamt 2.500 m3 Flüssigboden von Max Wild sind für das Verfüllen der Fernwärme-, Fernkälte- und LWL-Leitung im Fernwärmenetz Memmingen eingeplant. | Foto: Max Wild

Wenn mit Flüssigboden gearbeitet wird, braucht es keinen wasserdichten Verbau, in den meisten Fällen keine bzw. eine geringe Wasserhaltung und keine Grundwassersenkung. Das macht den Flüssigboden gerade auch für Baugrubenverfüllungen im Grundwasserbereich interessant und sehr wirtschaftlich. Als zeitweise fließfähiger, selbstverdichtender Verfüllbaustoff kommt Flüssigboden zudem ohne eine Verdichtung mithilfe von Rüttelplatten aus. So werden bereits bestehende Leitungen und die angrenzende Bebauung, wie beim Anschluss der Riedbachstraße, geschützt.

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Nachhaltigkeit auf der Baustelle

Passend zum regenerativen Fernwärmeprojekt ist Flüssigboden von Max Wild auch ein besonders nachhaltiger, ressourcenschonender Verfüllbaustoff. Er besteht größtenteils aus aufbereitetem Bodenaushub, dem Zusatzstoffe wie Kalk und Zement sowie Wasser beigemischt werden. Das Recycling schont wertvolle Ressourcen und CO2 sowie Deponie- und Transportkosten. Als Hauptbestandteil des hochwertigen Sekundärbaustoffs Flüssigboden kommen Bodenaushub und mineralische Bauabfälle so wieder zurück in den Kreislauf und vor Ort auf die Baustellen.

Ausbau Fernwärmenetz Memmingen/Benningen

Die e-con AG hat mit dem Fernwärmeprojekt große Pläne für die Zukunft. Der Netzausbau wird in den nächsten 20 Jahren weitergehen, mit Hauptleitung, Verteilleitung und Hausleitungen bis in den Gebäudebestand hinein. Daher ist auch die Netzinstallation vorausschauend geplant: In Benningen sollen perspektivisch sogar bis zu 50.000 MWh an Wärmeleistung möglich sein, die Zahl der Großwärmepumpen lässt sich bei Bedarf entsprechend erweitern. Außerdem ist das Fernwärmenetz Memmingen Süd/Benningen auf eine neue Technologie ausgelegt, bei der unter anderem die Niedrig-Temperatur-Abwärme aus den Kühlprozessen von Industriekunden als Wärmequelle für die Wärmepumpen genutzt wird. „Beim Ausbau der Hauptleitung des Fernwärmenetzes werden wir sicherlich wieder auf Flüssigboden setzen“, gibt Peter Waizenegger einen Ausblick.

„Es hat sich ausgezahlt, dass wir bei unserem Fernwärmenetz auf Flüssigboden statt auf die standardmäßige Sandbettung gesetzt haben – nicht nur im Hinblick auf einen langfristigen Netzbetrieb. Auch in der Praxis auf der Baustelle hat uns der Flüssigboden überzeugt. Während des Baus hatten wir aufgrund von Hochwasser mit schwankenden Grundwasser-Situationen zu kämpfen, hierbei hat uns der Flüssigboden so einiges erleichtert“, erklärt Waizenegger.

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Quelle: Max Wild


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