Stromtrasse A-Nord
Flüssigboden für Energiewende-Hauptschlagader

Eine Hauptschlagader der Energiewende ist der Korridor A – eine neue Gleichstromverbindung, die Windstrom aus dem Norden Niedersachsens nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg transportieren soll. Der nördliche Teil (A-Nord) mit der etwa 300 Kilometer langen Trasse soll zukünftig rund 2.000 Megawatt elektrische Leistung übertragen. Bei der Verfüllung der Kabelgräben in der Leitungszone bietet der Einsatz von Flüssigboden gleich mehrere Vorteile.

Vom Kalibrierschlauch zum Werkzeug in der grabenlosen Sanierung
Der AIRBAGLINER® von Bodenbender hat sich vom klassischen Kalibrierschlauch zu einem festen Bestandteil moderner Sanierungssysteme entwickelt.
Wenn nicht gerade ein Fluss oder eine größere Straße zu queren ist, erfolgt der Bau der Trasse vorzugsweise in offener Bauweise. Dies ermöglicht den Planern den größten Gestaltungsspielraum und ist äußerst effizient in Bezug auf Zeit und Kosten. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion installiert zwei Systeme, die jeweils aus zwei Hochspannungskabeln (Plus- und Minuspol) sowie einem metallischen Rückleiter (ermöglicht im Falle eines Konverter- oder Kabelfehlers, dass zumindest in einem Teil des Systems die Übertragungskapazität aufrechterhalten bleibt) bestehen. Um im Falle einer Störung im späteren Betrieb nicht die gesamte Leitung abschalten zu müssen, werden die Kabel in zwei separaten Gräben verlegt. Der Kabelgraben beansprucht in der Regel eine Breite von etwa 35 Metern. Bagger heben den Boden in kurzen Abschnitten Schicht für Schicht ab und lagern ihn sortiert neben dem Graben. In einer Tiefe von in der Regel etwa zwei Metern werden dann die Leerrohre für die Kabel verlegt, die erst zu einem späteren Zeitpunkt etappenweise eingezogen werden. Gebettet werden die Leerrohre in der Leitungszone in Flüssigboden bzw. in die zeitweise fließfähigen, selbstverdichtenden Verfüllbaustoffe (ZFSV) gemäß Merkblatt M ZFSV der FGSV.

Verhinderung von Wärmestau im Kabelbetrieb
Außerdem sei der Flüssigboden volumenstabil und sorge für eine gleichmäßige und spannungsfreie Einbettung der Leerrohre. Damit könne sich die Lebensdauer für das ganze System verlängern, sagt die Expertin. „Zudem handelt es sich bei Flüssigboden um einen qualitätsgesicherten Baustoff, der regelmäßig überwacht wird. Neben der bauherrenseitigen Fremdüberwachung (Kontrollprüfung), für die wir bei diesem Projekt zuständig sind, wird auch eine auftragnehmerseitige Eigenüberwachung durchgeführt. Für den Flüssigbodenhersteller Flüssigboden OWL GmbH & Co, die in Teilen NRWs den Flüssigboden herstellen, erfolgt dies durch die Borchert Ingenieure GmbH aus Essen“, so Jana Simon weiter.

Optimale Verdichtung
Alle 10-15 Minuten werden 7,5 m3 Flüssigboden eingebaut
Wie aber muss man sich den Ablauf der Verfüllung mit Flüssigboden aus Aushubboden vorstellen? Der Aushub der Leitungszone wird (soweit geeignet) zu einem zentralen Mischplatz gefahren, dort zu Flüssigboden aufbereitet und dann in räumlicher Nähe wieder eingebaut. Ist der Aushubboden nicht geeignet (das wären z.B. Lehmböden, Torfböden oder bei Böden mit Huminsäuren), so wird Sand oder Kies aus nahegelegenen Kiesgruben als Gesteinskörnung für den ZFSV verwendet.

Hergestellt wird der Flüssigboden in Teilen NRWs von Flüssigboden OWL aus Paderborn. Geschäftsführer Dominik Sönning: „Wir produzieren den Flüssigboden mit derzeit vier mobilen Anlagen auf den zentralen BE-Flächen. Bei guter Taktung der Mischfahrzeuge wird alle 10 bis 15 Minuten der Inhalt eines Mischfahrzeuges à 7,5 m3 eingebaut und das an vielen Tagen an bis zu sieben Stellen gleichzeitig. Jede Anlage kann, mit einer maximalen Leistung von 100 m3 pro Stunde, dabei durchschnittlich 150 - 350 m3 am Tag produzieren. In anderen Bereichen von A-Nord stehen noch größere Anlagen anderer Betreiber, die bis zu 800 m3 pro Tag herstellen können.
„Qualitätsstandard besonders wichtig“
Mit dieser Maßnahme erfüllt auch das Unternehmen Flüssigboden OWL die Anforderungen der Bundesqualitätsgemeinschaft Flüssigböden (BQF). Dieser Verein definiert Richtlinien für Ausschreibung und Qualitätssicherung und stellt deren Umsetzung in der Praxis sicher. Die BQF vergibt hierfür ein Qualitätszeichen, wenn alle Anforderungen an die fachgerechte Herstellung, durchzuführende Fremdüberwachungen und nachzuweisende Fachkunde erfüllt werden. „Bei einem Projekt in dieser Größenordnung ist uns die Einhaltung dieses Qualitätsstandards besonders wichtig“, so Sönning. „Immerhin werden bis zur Fertigstellung der Trasse Mitte 2027 rund 230.000 m³ von uns produzierter Flüssigboden in Teilen von NRW verbaut sein.“
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Quelle: BQF e.V.
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