Newsletter abonnieren

Wir graben für Sie nach Neuigkeiten. Die Ergebnisse gibt es bei uns im Newsletter.

Wir graben für Sie nach Neuigkeiten. Die Ergebnisse gibt es bei uns im Newsletter.

Newsletter Anmeldung
B_Iumweltbau

Rasches Wachstum erfordert raschen Anschluss

Im etwa 75 Millionen teuren Mega-Projekt „Industriesammler Nord“ entsteht in Dresden ein 10 Kilometer langer Abwasserkanal, der die Dresdner Chiphersteller mit der Kläranlage Kaditz verbindet und so den Produktionsstandort im Norden der Stadt weiter sichert. Der Sammlerbau erfordert(e) eine enorme Leistung der Beteiligten unter Zeitdruck.

Industriesammler Nord: Rasches Wachstum erfordert raschen Anschluss
Doppelstartgrube für die Querung der Dresdner Heide. Von dort aus wurde in eine Richtung ca. 1,2 und in die andere Richtung ca. 1 km vorgetrieben. Im Hintergrund ist das Werksgelände von Infineon zu sehen. | Foto: SEDD
Im Dresdner Norden haben sich eine Reihe von namhaften Firmen der Halbleiterindustrie angesiedelt. Diese bauen ihre Produktionskapazitäten weiter kräftig aus. „Herausfordernd in diesem Zusammenhang ist, dass die Branche sehr abwasserintensiv ist. Wir rechnen perspektivisch mit einer Verdopplung des Industriewassers, das entspricht etwa 40 Prozent des gesamten Dresdner Abwassers – etwa 400.000 Einwohnerwerten“, beschreibt Bauleiter Torsten Seiler von der Stadtentwässerung Dresden. Für diese großen Abwassermengen soll daher eine hydraulische Entlastung mit einem Maximalabfluss von 2 m3/s geschaffen werden – in Form eines dritten großen Hauptkanals. Die 10,1 Kilometer lange Trasse erstreckt sich von der Firma Infineon an der Königsbrücker Landstraße bis zur Kläranlage Kaditz. Auch letztere soll demnächst ausgebaut werden.

Da sich die Industrie in rasantem Tempo entwickelt, standen und stehen die Baubeteiligten unter großem Zeitdruck. „Die Planungen begannen Anfang 2021 und wir haben – nach einer relativ kurzen Vorlaufphase – im Juli 2023 mit dem Bau des Sammlers begonnen“, so Seiler. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis November dieses Jahres; die Inbetriebnahme ist aber bereits für Mai 2026 geplant.

Baugrubenherstellung und Sammlerverlauf

Vorgetrieben wurden Stahlbetonrohre DN 1600 | Foto: SEDD
Vorgetrieben wurden Stahlbetonrohre DN 1600 | Foto: SEDD
Die Herstellung der Baugruben erforderte die gesamte Palette des Spezialtiefbaus. Für die Erstellung der Doppelstartbaugrube im Bauabschnitt 1.1 etwa wurden Spundwände verbaut und Taucher zum Einbau der Unterwasserbetonsohle eingesetzt. „Im Bauabschnittsbereich der Kläranlage sind wir bei der Erstellung der Start- und Zielgruben auf steinigen Boden bzw. groben Kies gestoßen. Im Bauabschnitt 2.2 – mitten im Wald – war der Boden so feinkörnig, dass wir Bohrpfähle einbauen mussten“, erinnert sich Andreas Reck von der Firma Heinz Lange Bauunternehmen. Bei der Bohrpfahlherstellung sei das Außenrohr durch die Reibung des feinen Sandes ins Glühen geraten. „Das hatten wir in der Form bisher noch nie“, so Reck.
Zwischenpressstation | Foto: SEDD
Zwischenpressstation | Foto: SEDD

Der neue Sammler wird in fünf Bauabschnitten, zu 70% in geschlossener und zu 30% in offener Bauweise, gebaut. Beim offenen Kanalbau werden PE-Rohre DN 1200 verbaut, im Rohrvortrieb werden Stahlbetonrohre DN 1600 verlegt, in die wiederum Kunststoffrohre eingezogen werden. Etwa 6 km des Kanals werden bei einem Höhenunterschied der Gesamttrasse von 115 m später als Druckleitung betrieben. Im südlichen Bereich wird der Industriesammler auf einer Strecke von 5 km als Freigefälledruckleitung betrieben. Grund dafür sind der dort gebaute Medienkanal und die Flutrinne als Umgehungsgerinne der Elbe, die den Tiefpunkt der Leitung darstellt.

Einzug Druckleitung DN 1200 PE | Foto: SEDD
Einzug Druckleitung DN 1200 PE | Foto: SEDD

Bei der Trassenbestimmung umging man weitestgehend urbane Räume und Hauptverkehrsstraßen. Im Landschaftsschutzgebiet Dresdner Heide (Bauabschnitt 2.2) kam nur das Rohrvortriebsverfahren in Betracht. Natürlich habe es auch Zwangspunkte gegeben, sagt Torsten Seiler. So wurden neben zwei Autobahnen und der Flutrinne auch Privatgrundstücke sowie eine sechsspurige Gleisanlage der Deutschen Bahn im Rohrvortrieb unterquert.

Vortrieb im Vortrieb und lange Haltungen

Einschieben der Vortriebsmaschine DN 1600 in Schutzrohr DN 2000 | Foto: Braumann Tiefbau
Einschieben der Vortriebsmaschine DN 1600 in Schutzrohr DN 2000 | Foto: Braumann Tiefbau

Gerade die Unterquerung der Gleise (Bauabschnitt 1.2) war herausfordernd. Hierbei wurde zunächst ein Schutzrohr DN 2000 im Teilschnittvortrieb vorgetrieben. Anschließend fand der Vollschnittvortrieb durch dieses Rohr auf gut einem Kilometer Länge statt. Frank Schönstädt von der Firma Braumann Tiefbau erläutert den Hintergrund: „Seitens der Bauüberwachung gab es die Vorgabe, dass der Vortrieb im Falle von Setzungen unverzüglich einzustellen ist. Der Vortrieb wäre dann verloren gewesen. Daher haben wir die Variante mit dem Schutzrohrvortrieb gewählt und diesen anschließend verpresst und verdämmt.“ Durch die Verwendung einer bemannten Teilschnittmaschine mit offenem Schild war es möglich, etwaige Bodenänderungen gut zu erkennen und auf diese schnell zu reagieren. Dann erst konnte der Rohrstrang sicher im Microtunneling-Verfahren nachgepresst werden.

Unterqueren von Gleisen | Foto: SEDD
Unterqueren von Gleisen | Foto: SEDD

Beachtlich waren auch die Vortriebslängen von mehreren hundert Metern. Im Bauabschnitt 2.2 (Dresdner Heide) wurde aus der Doppelstartbaugrube heraus sogar ein 1.060 m und in die andere Richtung ein 1.240 m langer Vortrieb aufgefahren. Angesichts dieser enormen Vortriebslängen wurden in diesem Bereich alle 500 m Werkzeugwechselgruben erstellt.

Große Leitung – große Leistung

Freude beim Durchstich nach 1.240 m Rohrvortrieb | Foto: Braumann Tiefbau
Freude beim Durchstich nach 1.240 m Rohrvortrieb | Foto: Braumann Tiefbau

Außer dem Hochwasser direkt vor Weihnachten am 23.12.2024, bei dem rechtzeitig die Baugruben zwecks Druckausgleichs geflutet wurden, habe es bislang keinerlei Zwischenfälle gegeben, sagt Projektleiter Heiko Nytsch, Stadtentwässerung Dresden. Man liege voll im Zeitplan. Dabei ist die Leistung des Ingenieurbüros ACI - Aquaproject Consult und der insgesamt sechs Bauunternehmen nicht zu unterschätzen: „Sowohl planerisch als auch von der Ausführung her ist der Industriesammlerbau enorm anspruchsvoll, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass zwischen Planungsbeginn und Inbetriebnahme des immerhin gut 10 Kilometer langen Sammlers gerade einmal 5 ½ Jahre liegen“, betont Andreas Reck. Wesentlich dazu beigetragen habe die einwandfreie Zusammenarbeit der Baubeteiligten untereinander, aber auch mit den zuständigen Behörden in den Bereichen Wasserrecht, Naturschutz sowie Straßen und Tiefbau. Ferner habe man sich auch mit allen privaten Grundstückseigentümern einigen können, so dass die Trasse nicht umgeplant werden musste.

Rohrpost abonnieren!

Wir graben für Sie nach Neuigkeiten. Die Ergebnisse gibt es bei uns im Newsletter.

Jetzt anmelden!

Ich akzeptiere die Datenschutz-Bestimmungen.
Newsletter Anmeldung
Newsletter Anmeldung

Der Plan, den Abwasseranschluss bis zum Sommer zu realisieren, stehe weiterhin. Aus dieser Sicht steht dem Halbleiter-Boom im Dresdner Norden damit nichts mehr im Wege.


Weiterlesen:


Neueste Beiträge:

Weitere Beiträge

1
2
3

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie eine Leistungsart, die Sie interessiert.

Bauleistungen
Bauleistungen

Bau

Dienstleistungen
Dienstleistungen

Dienst­leistung

Lieferleistungen
Lieferleistungen

Lieferung

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie passende Bundesländer aus.

Ausschreibungs-Radar
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Verwandte Bau-Stichworte:


Aktuelle Termine für unterirdische Infrastruktur

Anzeige

21.01.2026 - 22.01.2026

IAB-Tage "Rohrbau"
Anzeige

03.02.2026 - 04.02.2026

GrundstücksentwässerungsTage

Jetzt zum Newsletter anmelden:

Leitungsbau, Kanalsanierung, Abwasser – erfahren Sie das wichtigste rund ums Thema unterirdische Infrastruktur.