Rasches Wachstum erfordert raschen Anschluss
Im etwa 75 Millionen teuren Mega-Projekt „Industriesammler Nord“ entsteht in Dresden ein 10 Kilometer langer Abwasserkanal, der die Dresdner Chiphersteller mit der Kläranlage Kaditz verbindet und so den Produktionsstandort im Norden der Stadt weiter sichert. Der Sammlerbau erfordert(e) eine enorme Leistung der Beteiligten unter Zeitdruck.

Da sich die Industrie in rasantem Tempo entwickelt, standen und stehen die Baubeteiligten unter großem Zeitdruck. „Die Planungen begannen Anfang 2021 und wir haben – nach einer relativ kurzen Vorlaufphase – im Juli 2023 mit dem Bau des Sammlers begonnen“, so Seiler. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis November dieses Jahres; die Inbetriebnahme ist aber bereits für Mai 2026 geplant.
Baugrubenherstellung und Sammlerverlauf


Der neue Sammler wird in fünf Bauabschnitten, zu 70% in geschlossener und zu 30% in offener Bauweise, gebaut. Beim offenen Kanalbau werden PE-Rohre DN 1200 verbaut, im Rohrvortrieb werden Stahlbetonrohre DN 1600 verlegt, in die wiederum Kunststoffrohre eingezogen werden. Etwa 6 km des Kanals werden bei einem Höhenunterschied der Gesamttrasse von 115 m später als Druckleitung betrieben. Im südlichen Bereich wird der Industriesammler auf einer Strecke von 5 km als Freigefälledruckleitung betrieben. Grund dafür sind der dort gebaute Medienkanal und die Flutrinne als Umgehungsgerinne der Elbe, die den Tiefpunkt der Leitung darstellt.

Bei der Trassenbestimmung umging man weitestgehend urbane Räume und Hauptverkehrsstraßen. Im Landschaftsschutzgebiet Dresdner Heide (Bauabschnitt 2.2) kam nur das Rohrvortriebsverfahren in Betracht. Natürlich habe es auch Zwangspunkte gegeben, sagt Torsten Seiler. So wurden neben zwei Autobahnen und der Flutrinne auch Privatgrundstücke sowie eine sechsspurige Gleisanlage der Deutschen Bahn im Rohrvortrieb unterquert.
Vortrieb im Vortrieb und lange Haltungen

Gerade die Unterquerung der Gleise (Bauabschnitt 1.2) war herausfordernd. Hierbei wurde zunächst ein Schutzrohr DN 2000 im Teilschnittvortrieb vorgetrieben. Anschließend fand der Vollschnittvortrieb durch dieses Rohr auf gut einem Kilometer Länge statt. Frank Schönstädt von der Firma Braumann Tiefbau erläutert den Hintergrund: „Seitens der Bauüberwachung gab es die Vorgabe, dass der Vortrieb im Falle von Setzungen unverzüglich einzustellen ist. Der Vortrieb wäre dann verloren gewesen. Daher haben wir die Variante mit dem Schutzrohrvortrieb gewählt und diesen anschließend verpresst und verdämmt.“ Durch die Verwendung einer bemannten Teilschnittmaschine mit offenem Schild war es möglich, etwaige Bodenänderungen gut zu erkennen und auf diese schnell zu reagieren. Dann erst konnte der Rohrstrang sicher im Microtunneling-Verfahren nachgepresst werden.

Beachtlich waren auch die Vortriebslängen von mehreren hundert Metern. Im Bauabschnitt 2.2 (Dresdner Heide) wurde aus der Doppelstartbaugrube heraus sogar ein 1.060 m und in die andere Richtung ein 1.240 m langer Vortrieb aufgefahren. Angesichts dieser enormen Vortriebslängen wurden in diesem Bereich alle 500 m Werkzeugwechselgruben erstellt.
Große Leitung – große Leistung

Außer dem Hochwasser direkt vor Weihnachten am 23.12.2024, bei dem rechtzeitig die Baugruben zwecks Druckausgleichs geflutet wurden, habe es bislang keinerlei Zwischenfälle gegeben, sagt Projektleiter Heiko Nytsch, Stadtentwässerung Dresden. Man liege voll im Zeitplan. Dabei ist die Leistung des Ingenieurbüros ACI - Aquaproject Consult und der insgesamt sechs Bauunternehmen nicht zu unterschätzen: „Sowohl planerisch als auch von der Ausführung her ist der Industriesammlerbau enorm anspruchsvoll, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass zwischen Planungsbeginn und Inbetriebnahme des immerhin gut 10 Kilometer langen Sammlers gerade einmal 5 ½ Jahre liegen“, betont Andreas Reck. Wesentlich dazu beigetragen habe die einwandfreie Zusammenarbeit der Baubeteiligten untereinander, aber auch mit den zuständigen Behörden in den Bereichen Wasserrecht, Naturschutz sowie Straßen und Tiefbau. Ferner habe man sich auch mit allen privaten Grundstückseigentümern einigen können, so dass die Trasse nicht umgeplant werden musste.
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Der Plan, den Abwasseranschluss bis zum Sommer zu realisieren, stehe weiterhin. Aus dieser Sicht steht dem Halbleiter-Boom im Dresdner Norden damit nichts mehr im Wege.
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