Newsletter abonnieren

Aktuelle Nachrichten zu den Entwicklungen im GaLa-Bau erfahren Sie in unserem Newsletter.
Regenwassermanagement/

Spreepark Berlin: Dezentrales Regenwassermanagement

Exklusiv

Wasserbecken am Riesenrad

Wie Berlins legendärer Spreepark zum High-Tech-Wasserspeicher wird

H
Holger Werner
12.10.2026, 13:27, aktualisiert 12.10.2026, 14:06
BERLIN
Spreepark Berlin: Dezentrales Regenwassermanagement
Das Wasserbecken unter dem Riesenrad wird das Kernelement der Regenwasserbewirtschaftung. | Foto: realities:united

Berlin muss mit dem Wasser sparsam sein. Mehr noch als andere Kommunen ist die Hauptstadt auf ihr Grundwasser angewiesen. Während die meisten Städte ihr Trinkwasser zum größten Teil aus dem Umland heranführen, versorgt sich die Spreemetropole überwiegend aus eigenem Wasservorkommen. Rund 60 Prozent des Trinkwassers stammen aus Brunnen im Stadtgebiet. Jedoch gefährden der Klimawandel, eine wachsende Bevölkerung und die Folgen des Strukturwandels in der Lausitz zunehmend die Trinkwasserversorgung und machen die Bewässerung von Parks sowie Grünanlagen zur Herausforderung.


Anzeige
Regenwasserbehandlung: Fachtagung für zukunftsfähige Schwammstädte

Regenwasserbehandlung: Fachtagung für zukunftsfähige Schwammstädte

Regen.Impulse in München: Fachtagung am 10.11.2026 gibt Architektur- und Planungsbüros Impulse für eine zukunftsfähige Regenwasserbewirtschaftung


Als Reaktion darauf verfolgt der Berliner Senat seit 2022 den „Masterplan Wasser“. Durch eine Reihe von Maßnahmen soll die Trinkwasserversorgung auch zukünftig sichergestellt werden. Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Umgang mit Regenwasser zu. Berlin verabschiedet sich von der bloßen Ableitung des Niederschlagswassers und setzt stattdessen auf seine Bewirtschaftung vor Ort – und zwar bei Neubauvorhaben und im Bestand. Schließlich dient das dem Gewässerschutz und fördert die Grundwasserneubildung. Außerdem lassen sich Starkregenereignisse besser abpuffern. Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ist auch Bestandteil der Nachhaltigkeitskonzeption des neuen Spreeparks.

Der neue Spreepark liegt im Bezirk Treptow-Köpenick und befindet sich im Eigentum des Stadtstaats Berlin. Einst befand sich auf dem Areal der einzige Vergnügungspark der DDR, welcher nach der Wende zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild umgestaltet worden war und seit seiner Schließung 2002 zum Lost Place mutierte. Jetzt ist es an der Zeit für die Wiederbelebung des Spreeparks und dies im Zuge nachhaltiger Stadtentwicklung. Berlin soll mit dem neuen Spreepark einen öffentlichen Naherholungsort zurückgewinnen, der Kultur, Kunst und Natur mit der Historie des Parks zusammenführt, so sieht es das Konzept vor. Bestimmte Freizeitpark-Relikte und Attraktionen aus alten Zeiten wie das ikonische Riesenrad, das Wahrzeichen des Parks, werden unter Nachhaltigkeitsaspekten revitalisiert. Im Sommer 2027 ist die Eröffnung geplant, als Projektentwickler, Bauherr und zukünftiger Betreiber fungiert das landeseigene Unternehmen Grün Berlin.

Strenge Vorgaben in der Trinkwasserschutzzone III B

Das Wasserbecken unter dem Riesenrad während der Bauphase. | Foto: Grün Berlin
Das Wasserbecken unter dem Riesenrad während der Bauphase. | Foto: Grün Berlin

Planungsgrundlage für den neuen Spreepark ist eine umfangreiche, im Auftrag von Grün Berlin erstellte Nachhaltigkeitskonzeption. Wichtiger Bestandteil ist eine dezentrale Niederschlagsbewirtschaftung für das gesamte Gebiet. Neben dem Umgang mit großen Wassermengen werden darin auch Antworten auf extreme Trockenheit gegeben: Alles anfallende Regenwasser soll vor Ort gereinigt, gespeichert, genutzt, verdunstet oder versickert werden. Dies ahmt den natürlichen Kreislauf nach, entlastet die Kanalisation, minimiert Überflutungsrisiken und fördert die Grundwasserneubildung. Durch die Lage des Parks in der Berliner Trinkwasserschutzzone III B müssen besondere Maßgaben für die Versickerung beachtet werden.

Relevante Bemessungsgrundlagen der Regenwasserbewirtschaftung im Spreepark sind die Arbeitsblätter DWA-A 117 (Bemessung von Regenrückhalteräumen) und DWA-A 138-1 (Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser). Dazu kommt noch das Hinweisblatt BReWa-BE (Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin), welches die maximale Abflussspende auf begrenzt. Da jedoch im Projektgebiet Spreepark mit reichlich Wald- und Grünflächen eine anderweitige Bewirtschaftung realisierbar ist (Versickerung, Verdunstung, Brauchwassernutzung), darf gar kein Wasser in die angrenzende Spree gelangen. Auch eine Einleitung von Regenwasser in die öffentliche Kanalisation ist im Sinne einer nachhaltigen Niederschlagswasserbewirtschaftung ausgeschlossen.

Intelligente Steuerung: 3.000 Quadratmeter großes Wasserbecken am Riesenrad

Einbau der großen Zisterne mit 129 m³ Volumen: Ein Stahlbetonteil wird in die Baugrube herabgelassen. | Foto: Mall
Einbau der großen Zisterne mit 129 m³ Volumen: Ein Stahlbetonteil wird in die Baugrube herabgelassen. | Foto: Mall

Kernelement und wesentlicher Baustein des Niederschlagskonzeptes ist ein Wasserbecken zu Füßen des Riesenrads. Das kreisrunde, naturnah angelegte Bassin mit einer Fläche von circa 3.000 Quadratmeter hat neben einer landschaftsgestalterischen auch eine technische Funktion: die Retention von Regen- und die Speicherung von Brauchwasser. Alles im Spreepark anfallende Niederschlagswasser, das nicht direkt auf den Vegetationsflächen versickern kann, ist zur Einleitung in das Becken bestimmt. „Der Füllstand soll in Zukunft per intelligenter digitaler Steuerung permanent überwacht und je nach Niederschlagsmenge und Bewässerungsbedarf automatisch reguliert werden“, berichtet Frank Dechant, Projektverantwortlicher bei Grün Berlin. Darüber hinaus kann Wasser zur Speisung von Grünflächen und Biotopen entnommen werden. Allerdings stellt die vorgesehene Nutzung bestimmte Anforderungen an die Wasserqualität und im Becken darf ein festgelegter Dauerwasserstand nicht unterschritten werden.

Der neue Spreepark umfasst eine Gesamtfläche von rund 24 Hektar. Davon entfallen 2,8 Hektar auf befestigte Wege und Plätze sowie Gebäudedachflächen, was etwa 12 Prozent des Projektgebiets entspricht. Für die Regenwasserbewirtschaftung muss sämtlicher auf diesen bewirtschafteten Flächen aufkommender Niederschlag in Leitungen und Zisternen gesammelt, zwischengespeichert und vor seiner weiteren Verwendung gereinigt werden. Zur Planungsgrundlage wurden Abflüsse von 967,8 Kubikmeter im nassen Jahr sowie Spitzenabflüsse eines 30-jährlichen Regenereignisses in Höhe von 320,9 Liter pro Sekunde ermittelt.

Dezentrale Freigefällesammler statt großflächiger Bodeneingriffe

Einbau der großen Zisterne: Die vorgefertigten Stahlbetonteile werden vor Ort zusammengefügt. | Foto: Mall
Einbau der großen Zisterne: Die vorgefertigten Stahlbetonteile werden vor Ort zusammengefügt. | Foto: Mall

Wegen der Weitläufigkeit des Spreeparks und des aufgrund der angrenzenden Spree hohen Grundwasserstandes kam ein unterirdisches Leitungsnetz, mit dem das Regenwasser zu einer zentralen Behandlungsanlage und Zisterne geleitet wird, nicht in Frage. Dies hätte großflächige Bodenbewegungen verlangt, die im Hinblick auf erhaltenswerte Wege und Plätze sowie bestehende Biotope vermieden werden sollten. Stattdessen sieht das Konzept vor, die Niederschlagsabflüsse weitgehend lokal in mehreren kleineren Anlagen zu bewirtschaften.

Die Planer konzipierten ein System mit Freigefällesammlern und unterirdischen Zisternen, die ihren Platz an ausgewählten Stellen des Parkgeländes fanden. Für die Beschickung des Wasserbeckens am Riesenrad sind zwei große Speicherbehälter mit Fassungsvermögen von 129 und 50 Kubikmeter bestimmt. Die Behälter bestehen aus zwei vorgefertigten halbrunden Stahlbetonteilen, welche in den Baugruben durch Einsetzen von Zwischenstücken flexibel an den Bedarf angepasst und zusammengefügt wurden. So konnte der Einbau der Zisternen an nur jeweils einem Tag abgeschlossen werden. Wegen der hohen Steifigkeit der Systeme war für ihre Gründung lediglich eine verdichtete Kiesschicht erforderlich. Vorteilhaft ist auch die hohe Stabilität der Betonkonstruktionen, die gemäß SLW 60 befahrbar sind.

Substratfilter ViaPlus sichert Reinigungsleistung gemäß DWA-A 102-2

Die große Zisterne hat an der Vorderseite ihren Zulauf, am hinteren Ende ist das Pumpwerk zu sehen. | Foto: Mall
Die große Zisterne hat an der Vorderseite ihren Zulauf, am hinteren Ende ist das Pumpwerk zu sehen. | Foto: Mall

Die größte Zisterne (129 m³) sammelt zum einen Regenwasser von den überwiegend versiegelten Außenbereichen des Spreeparks. Weil das Wasser von den befahrenen Straßen und Parkplätzen sowie dem Wirtschaftshof mit Schwermetallen und Mikroverunreinigungen belastet ist, muss es vor der Einleitung in den Speicherbehälter gesäubert werden. Zum Einsatz kommt hier der Substratfilter ViaPlus. Die Anlage hält absetzbare Stoffe zurück, trennt abfiltrierbare Stoffe durch die Filterstufe und entfernt gelöste sowie emulgierte Verunreinigungen wie Schwermetalle und Mineralölkohlenwasserstoffe. Ihr Gesamtwirkungsgrad von über erfüllt die Anforderungen der DWA A 102-2 (Grundsätze zum Umgang mit Regenwasser). Die Reinigungsleistung ist anhand der Zulassungsgrundsätze des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) durch die Prüfstelle des TÜV Rheinland, LGA Würzburg geprüft, wobei alle erforderlichen Wirkungsgrade sogar deutlich übertroffen wurden.

Zur Entleerung der zwei großen Zisternen wurden nachfolgend Pumpstationen in das Erdreich eingelassen. Deren werksseitig vormontierte Pumpentechnik befindet sich in robusten Stahlbetonbehältern in fugenloser Fertigbauweise. Über Druckrohrleitungen kann das Wasser dann mit Förderströmen von sieben beziehungsweise drei Kubikmeter pro Stunde zum Wasserbecken gelangen. Eine vollständige Entleerung beider Behälter lässt sich binnen maximal 24 Stunden erreichen.

Auch bei diesen kleineren Zisternen fiel eine bewusste Entscheidung für den Baustoff Stahlbeton. Die Begründung nennt Frank Dechant von Grün Berlin: „Im Spreepark ist der Grundwasserstand hoch und bei einer Einbindung von über zwei Metern wirkt ein enormer hydraulischer Druck von unten. Das Eigengewicht des Betons verhindert ein Aufschwimmen der Anlagen. Auch die Stabilität spielt eine Rolle, die Systeme sind gemäß SLW 60 von LKW befahrbar.“

Gedeiht die grüne Branche?

Aktuelle Nachrichten zu den Entwicklungen im GaLa-Bau erfahren Sie in unserem Newsletter. Hier abonnieren!

Datenschutzhinweise
Newsletter Anmeldung
Newsletter Anmeldung

Das dezentrale Regenwassermanagement leistet damit einen entscheidenden Beitrag zu den hohen Nachhaltigkeitsstandards des neuen Spreeparks. Die Betreiber von Grün Berlin streben ein Platin-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an. Als erster öffentlicher Park in Deutschland erhielt das Projekt bereits ein entsprechendes Vorzertifikat in Platin.

Bautafel: Dezentrales Regenwassermanagement Spreepark Berlin

Projekt

Revitalisierung des Spreeparks als nachhaltiger öffentlicher Kultur- und Naherholungsort

Standort

Berlin, Bezirk Treptow-Köpenick (Lage in Trinkwasserschutzzone III B)

Bauherr, Projektentwickler & Betreiber

Grün Berlin (landeseigenes Unternehmen)

Projektverantwortlicher

Frank Dechant

Geplante Eröffnung

Sommer 2027

Flächenbilanz

· Gesamtfeld Spreepark: rund 24 Hektar

· Befestigte Flächen (Wege, Plätze, Dächer): 2,8 Hektar (ca. 12 % der Gesamtfläche)

Hydrologische Planungswerte

· Abflüsse im nassen Jahr: 967,3 m3

· Spitzenabfluss (30-jährliches Regenereignis): 320,9 l/s

· Maximal zulässige Abflussspende (BReWa-BE): 10 l (s x ha)

· Einleitungsregelung: 0 Liter Einleitung in Spree und öffentliche Kanalisation (vollständige Bewirtschaftung vor Ort)

Zentrales Speicher- & Retentionsbecken

· Standort: Zu Füßen des historischen Riesenrads

· Fläche: ca. 3.000 m2 (kreisrund, naturnah)

· Funktion: Retention, Speicherung von Brauchwasser, Biotopspeisung, permanente digitale Füllstandsüberwachung

Zisternen & Speicherbauwerke

· Große Speicherbehälter: 129 und 50 m3 Fassungsvermögen

· Bauweise: Vorgefertigte halbrunde Stahlbetonteile mit Zwischenstücken, Montage in jeweils einem Tag

· Gründung: Verdichtete Kiesschicht

· Tragfähigkeit: Befahrbar gemäß SLW 60 (Schwerlastverkehr)

· Auftriebssicherung: Hohes Eigengewicht gegen hydraulischen Druck bei Grundwasserständen über 2 m Einbindetiefe

Wasseraufbereitung & Filtertechnik

· Filtersystem: Substratfilter ViaPlus zur Reinigung belasteter Verkehrs- und Wirtschaftshofflächen

· Reinigungsstufe: Abscheidung absetzbarer Stoffe, Filtration, Rückhalt gelöster Schadstoffe (Schwermetalle, Mineralölkohlenwasserstoffe)

· Wirkungsgrad: ƞges > 80 % (gemäß DWA-A 102-2; geprüft durch TÜV Rheinland / LGA Würzburg nach DIBt-Grundsätzen)

Pumpentechnik

· Bauweise: Werksseitig vormontierte Pumpstationen in fugenlosen Stahlbetonbehältern

· Förderströme: 7 m3/h bzw. 3 m3/h zum Wasserbecken

· Entleerungszeit: Max. 24 Stunden für beide Behälter

Relevante Regelwerke

· DWA-A 117 (Regenrückhalteräume)

· DWA-A 138-1 (Versickerung von Niederschlagswasser)

· DWA-A 102-2 (Grundsätze zum Umgang mit Regenwasser)

· Hinweisblatt BReWa-BE

Nachhaltigkeitsstandard

· DGNB Vorzertifikat in Platin (als erster öffentlicher Park in Deutschland; Platin-Gesamtzertifikat angestrebt)

Spreepark Berlin: Dezentrales Regenwassermanagement: Weitere Bilder

Aus der Sedimentationsanlage ViaSed (vorne) gelangt das gereinigte Regenwasser in die Zisterne mit 50 m³ Volumen (hinten). | Foto: Mall
+ 6 Bilder

Mehr zum Thema:


Neueste Beiträge:

Weitere Beiträge

1
2
3

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie eine Leistungsart, die Sie interessiert.

Bauleistungen
Bauleistungen

Bau

Dienstleistungen
Dienstleistungen

Dienst­leistung

Lieferleistungen
Lieferleistungen

Lieferung

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie passende Bundesländer aus.

Ausschreibungs-Radar
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Verwandte Bau-Themen:

Jetzt zum Newsletter anmelden:

Werden Sie Experte im Garten- und Landschaftsbau. Plus: Kommunaltechnik.

Weitere Newsletter und Informationen

Bauwirtschaft und Baupolitik. Plus: Hoch-, Tief- und Straßenbau
Garten- und Landschaftsbau
Unterirdische Infrastruktur: Leitungsbau, Kanalsanierung und Co

Hier finden Sie Hinweise zum Datenschutz