Blau-grüne Infrastruktur
Innovative Baumrigolen sollen urbanes Klima verbessern

Die Fachhochschule Münster und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) haben auf dem Hüffer-Campus in Münster ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zum nachhaltigen Regenwassermanagement umgesetzt. Mit drei unterschiedlichen Baumrigolen-Systemen sollen neue Wege auf für die Bewässerung von Stadtbäumen und die Ableitung von großen Regenmengen gefunden werden. Ein Forschungsprojekt für ein verbessertes urbanes Klima.

Vom Kalibrierschlauch zum Werkzeug in der grabenlosen Sanierung
Der AIRBAGLINER® von Bodenbender hat sich vom klassischen Kalibrierschlauch zu einem festen Bestandteil moderner Sanierungssysteme entwickelt.
Vier, im Rahmen des Projektes frisch gesetzte Feldahorne zieren seit Kurzem den Vorgarten der Hüfferstiftung. Äußerlich unterscheiden sie sich nicht wesentlich von den rund 100.000 anderen Bäumen Münsters. Doch unter der Erde verbirgt sich neben jedem Baum eine Messstation.
„Die klimatischen Veränderungen mit langen Trockenperioden, unterbrochen von starken Niederschlägen, stellen auch an uns als Bauherren und Eigentümer vieler Gebäude im Stadtgebiet neue Anforderungen“, sagt Markus Vieth, technischer Leiter der Niederlassung Münster des BLB NRW. „Bei starken Regenfällen fließen von Dachflächen große Wassermengen in die Kanalisation. In anhaltenden Trockenzeiten benötigen wir wiederum Wasser für Anpflanzungen und Grünanlagen unserer Liegenschaften.“
Baumrigole und Messtation in einem
Bei der Konzeption des Hüffer-Campus hat das Projektteam des BLB NRW in Abstimmung mit den Hochschulen das Rigolen-System zur Aufnahme, Zwischenspeicherung und Versickerung von Regenwasser geplant. Professor Dr. Helmut Grüning, Fachbereich Energie, Gebäude, Umwelt der FH Münster, forscht bereits viele Jahren zum Thema und begleitet das Projekt wissenschaftlich.

„Durch ihre multifunktionale Wirkung leisten Baumrigolen einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Sie kombinieren die Bewässerung von Stadtgrün mit dem Rückhalt und der Versickerung von Oberflächenabflüssen. Vor allem Systeme mit Wasserspeicher können Überflutungsrisiken reduzieren“, so Grüning.
Die vier Jungbäume werden innerhalb der Rigole von je einem Behälter mit ca. 2 m2 Fassungsvermögen flankiert. Darin sorgen zwei Ebenen für einen Bewässerungsspeicher und einen darunterliegenden Retentionsraum. Bei Regen wird das Wasser von den Schrägdächern der Hüfferstiftung über Fallrohre und abgedeckte Rinnen am Boden in den Speicherraum geleitet, von dem aus seitlich durch Versickerung die Bäume bewässert werden.
Funktionsweise und Aufbau der zweistufigen Rigolen-Systeme
Sind die Bewässerungsspeicher aufgrund von Starkwetterereignissen voll, läuft das Wasser in den jeweils darunterliegenden Retentionsraum über. Hier beginnt Prof. Grünings Forschungsarbeit: Die Rigolen-Systeme weisen kleine, aber relevante Unterschiede auf.
- Über einen Retentionsraum kann das Wasser durch Schlitze zur Grundwasseranreicherung in der Erde versickern.
- In der nächsten Rigole ist eine Pumpe verbaut, über die bei Starkregenereignissen der Retentionsraum in die Kanalisation entleert werden kann. So wird größeres Speichervolumen für den Rückhalt oder die zeitverzögerte Einleitung von Regenwasser in die Kanalisation erzeugt. Eine Überlastung der Kanalisation und mögliche Überschwemmungen wird vermieden.
- Zwei weitere Rigolen verfügen über Schwengelpumpen, mit denen Passantinnen und Passanten sowie Anwohnende Wasser aus der zweiten Ebene hochpumpen und die Bäume bewässern können. So bekommt die Bewässerung von städtischem Grün auch eine soziale Komponente.
Monitoring-Konzept für die Marktreife
Prof. Grüning wird sowohl die Wasserbehälter als auch die Bäume selbst mit Messinstrumenten und Sonden ausstatten, um zu ermitteln, welches Rigolen-System für das städtische Regenwassermanagement in Münster zielführend ist. Alle Messungen werden systematisch erfasst, protokolliert und ausgewertet. Die Datenleitungen für das Monitoring sind bereits verlegt.
„Rigolen mit so einer komplexen Messtechnik gibt es in ganz Deutschland nicht“, sagt Prof. Grüning, der bereits ein Forschungsprojekt zu diesem Thema abgeschlossen hat. Bei seinen Projekten arbeitet er mit einem Hersteller aus Nottuln zusammen. So sollen Prototypen entwickelt und zur Marktreife gebracht werden.
„Von dem, was hier am Hüffer-Campus untersucht wird, können in Zukunft auch andere Städte profitieren“, betont Markus Vieth. Er plant mit Prof. Grüning bereits ein weiteres gemeinsames Projekt.
Lesen Sie mehr zum Thema urbanes Regenwassermanagement:
Quelle: BLB NRW
