Wohnungsbau
Baugenehmigungen steigen – doch in der Branche steigt der Frust

Der Aufwärtstrend hält an: Die Baugenehmigungen im April 2026 zeigen erneut ein deutliches Plus. Gleichzeitig nehmen die Stornierungen zu, das Geschäftsklima sinkt. Damit aus Genehmigungen echte Baufertigstellungen werden, muss die Politik endlich handeln, fordern die Spitzenverbände der Bauwirtschaft.

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Es ist ein inzwischen bekanntes Muster in der Wohnungsbaukrise: Die Statistik meldet steigende Zahlen, die Baubranche warnt vor Zweckoptimismus. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurde im April 2026 der Bau von 20.200 Wohnungen genehmigt. Dies entspricht einem Plus von 9,2 Prozent (1.700 Baugenehmigungen) gegenüber dem Vorjahresmonat. Dieser Zuwachs findet sich in fast allen Gebäudeklassen: Die Genehmigungen für neue Einfamilienhäuser stiegen um 11,7 Prozent (15.900 Einheiten), bei Zweifamilienhäusern um 22,9 Prozent (4.900 Einheiten) und in der wichtigsten Kategorie, den Mehrfamilienhäusern, um 14,7 Prozent auf 44.300 Neubauwohnungen.
Betrachtet man den Zeitraum von Januar bis April 2026, setzt sich der bereits im Vorjahr beobachtete statistische Aufwärtstrend fort: 83.700 genehmigte Wohnungen (Neu- und Umbau) bedeuten einen Anstieg von 13,2 Prozent im Vergleich zu den ersten vier Monaten des Vorjahres.
ZDB: "Die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte"

Doch in der Bauwirtschaft lösen diese Zahlen keine Euphorie aus. Wie schon in den vergangenen Monaten mahnen die Verbände, dass Genehmigungen allein keine Wohnungsnot lindern. Das Plus sei zwar eine „gute Nachricht“, so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), die Bedeutung muss jedoch relativiert werden: „Die Krise am Wohnungsmarkt ist noch lange nicht gelöst. Man darf sich nicht täuschen lassen, die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte.“ Der Markt komme von einem historisch niedrigen Niveau.
Es seien monatlich mindestens 26.700 Genehmigungen nötig, um den tatsächlichen Jahresbedarf von 320.000 Wohnungen zu decken, rechnet der ZDB vor. Zudem warnt der Verband – nicht zum ersten Mal – vor einem massiven Schwund in der Umsetzung: Allein im Jahr 2025 seien 35.700 Baugenehmigungen erloschen, der höchste Projektverfall seit 2002. Hohe Finanzierungskosten schrecken Investoren ab, weshalb Genehmigungen verfallen, anstatt in Baufertigstellungen zu münden. Pakleppa wiederholt daher seine dringlichen Forderungen an die Politik: die dauerhafte Sicherung der EH-55-Förderung, die Kopplung der Sonder-AFA an diesen Standard sowie einen schnellen Rechtsrahmen für den kostengünstigeren Gebäudetyp E.
HDB: Mangelhafter Mittelabfluss beim Sondervermögen
Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) weist erneut auf die Diskrepanz zwischen Plan und Praxis hin. Aus Baugenehmigungen müssten dringend Bauprojekte werden, mahnt Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller in Richtung Bundesregierung und übt scharfe Kritik am Umsetzungstempo der Politik. Das staatliche Monitoring zum Sondervermögen zeige, dass im vergangenen Jahr von den bereitgestellten 327 Millionen Euro für den Wohnungsbau nur rund 37 Millionen Euro abgerufen wurden. Diese nicht verausgabten Mittel müssten zwingend im Bundeshaushalt 2027 reinvestiert werden, um den Wohnungsbau wiederzubeleben. Neben einer Vereinfachung der Förderprogramme fordert der HDB bessere eigenkapitalunterstützende Instrumente sowie steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, um den Bauherren die Planungssicherheit zu garantieren, die ihnen derzeit auf dem Markt fehlt.
ifo Institut: Stimmungstrübung und mehr Stornierungen
Dass die Verunsicherung in der Branche tief sitzt, belegen auch die neuesten Daten des ifo Instituts. Das Geschäftsklima im Wohnungsbau hat sich im Mai 2026 weiter eingetrübt und sank von minus 28,2 auf minus 29,3 Punkte. „Der Wohnungsbau verharrt in einer Phase der Unsicherheit. Viele Unternehmen rechnen derzeit nicht mit einer spürbaren Belebung des Marktes“, so Klaus Wohlrabe vom ifo Institut.
Zwar meldeten die befragten Unternehmen eine minimal verbesserte Auftragslage, doch gleichzeitig stieg die Zahl der Stornierungen von 10,8 auf 11,7 Prozent. Die Investoren und Bauherren zögern vor dem eigentlichen Baustart. „Die Unternehmen erhalten wieder etwas mehr Aufträge, gleichzeitig bleibt die Verunsicherung der Kunden hoch“, so Wohlrabe. Neben den Finanzierungssorgen bereitet den Betrieben auch die Lieferkette wieder Probleme: Knapp zehn Prozent der Unternehmen berichteten im Mai von Engpässen bei wichtigen Vorprodukten.
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