Wohnungsbau
Baugenehmigungen im Plus, Stimmung im Minus

Trotz eines deutlichen Anstiegs bei den Baugenehmigungen herrscht im Wohnungsbau Alarmstimmung. Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen ein zweistelliges Plus auf dem Papier, doch das Geschäftsklima bricht ein. Das Baugewerbe warnt: Ohne sichere Finanzierungen bleibt der Spatenstich aus.
Im März 2026 genehmigten die deutschen Behörden den Bau von insgesamt 21.800 Wohnungen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, entspricht dies einem Anstieg von 11,5 Prozent (plus 2.200 Einheiten) gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei das Bauen im Bestand: Die Zahl der genehmigten Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, stieg um 28,0 Prozent auf 4.200. Der reine Neubau legte um 8,2 Prozent auf 17.600 Wohnungen zu.
Betrachtet man das gesamte erste Quartal (Januar bis März 2026), wurden bundesweit 63.500 Wohnungen in Neu- und Bestandsbauten genehmigt – ein Plus von 14,6 Prozent. Bei den neu zu errichtenden Gebäuden verzeichneten Zweifamilienhäuser mit einem Plus von 23,2 Prozent den stärksten Zuwachs, gefolgt von Mehrfamilienhäusern (plus 14,9 Prozent) und Einfamilienhäusern (plus 13,7 Prozent). Nur die Baugenehmigungen für Wohnheime waren leicht rückläufig.
ZDB warnt: Genehmigungen decken den Bedarf nicht
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) wertet die steigenden Genehmigungszahlen grundsätzlich als ermutigendes Signal, ordnet das Niveau jedoch kritisch ein. „Wir warnen ausdrücklich davor, in Euphorie zu verfallen. Wenn wir den Bedarf im Land decken wollen, müssten mindestens 10.000 Genehmigungen zusätzlich reinkommen – und das pro Monat“, so ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa.
Genehmigte Projekte mündeten derzeit oft nicht in tatsächliche Baustarts. Anhaltend hohe Finanzierungskosten und fragile Lieferketten würden die Investoren verunsichern. „Eine Genehmigung ist noch kein Spatenstich und erst recht keine fertige Wohnung“, so Pakleppa. Sie bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen und stetige Förderungen.
Auch aus der Wohnungswirtschaft kommen Warnungen. Die jetzt genehmigten Projekte stammten noch aus einer Phase vor der jüngsten Verschlechterung der Rahmenbedingungen, etwa durch steigende Zinsen und höhere Materialkosten, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. „Die Auswirkungen der neuen Lage werden sich erst in den kommenden Monaten in den Genehmigungszahlen widerspiegeln.“
Geschäftsklima im Wohnungsbau bricht massiv ein
Dass sich die positive Genehmigungs-Statistik nicht in der Stimmung der Bauunternehmen widerspiegelt, belegen aktuelle Daten des ifo-Instituts. Das Geschäftsklima im Wohnungsbau verschlechterte sich im April 2026 von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte. Laut den Forschern ist dies der stärkste Rückgang seit April 2022.
Besonders die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate trübten sich deutlich ein. „Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland“, erklärt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. „Mit fragilen Lieferketten und steigenden Finanzierungskosten kommen mehrere Risiken gleichzeitig auf den Bau zu.“
Tatsächlich geben die Materialengpässe, die sich in den vergangenen zwei Jahren auf einem extrem niedrigen Niveau von rund einem Prozent stabilisiert hatten, wieder Anlass zur Sorge: Im April meldeten 9,2 Prozent der befragten Baufirmen Einschränkungen bei der Materialversorgung, insbesondere bei Grundstoffen. Die aktuelle Auftragslage bleibt derweil angespannt, aber stabil: Der Anteil der Unternehmen, die über zu wenig Aufträge klagen, verharrt bei knapp 44 Prozent, während die Stornierungsquote bei 10,8 Prozent liegt.
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