Infrastruktur-Ausbau
Warum sich Deutschlands Zukunft am Bau entscheidet

Mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ist der politische Handlungsdruck massiv gestiegen. Doch trotz verfügbarer Milliarden-Budgets bleibt der Ausbau zentraler Netze und Verkehrswege zu langsam. Darin liegt das eigentliche Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, warnt Claude-Patrick Jeutter, COO der Porr Group.
Deutschland muss seinen Standort modernisieren und zugleich widerstandsfähiger machen. Nötig sind dafür Investitionen in die Verkehrs-, Energie- und digitale Infrastruktur – und vor allem eine schnellere Umsetzung. Das Sondervermögen stellt bis zu 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre bereit. Für 2026 sind daraus 21,3 Milliarden Euro für die Verkehrsinfrastruktur und 2,1 Milliarden Euro für die Energieinfrastruktur vorgesehen. Doch Geld allein baut keine Netze, Brücken oder Straßen. Der eigentliche Engpass ist ein System, das Projekte zu spät und zu langsam in die Umsetzung bringt, meint Claude-Patrick Jeutter.
Realitätsprobe für die Wirtschaft
Die Infrastruktur ist nach Ansicht des Baukonzerns Porr keine Begleitmusik politischer Zielsetzungen, sondern die Realitätsprobe für den gesamten Standort. Ob Wertschöpfung, Versorgungssicherheit, Innovation und industrielle Wettbewerbsfähigkeit gelingen, entscheide sich daran, ob Deutschland seine Infrastruktur schneller plant, genehmigt und baut. Eine moderne Volkswirtschaft brauche leistungsfähige und vernetzte Wege: Energienetze, digitale Netze, Rechenzentren und logistische Knotenpunkte.
Modernisierung erfordert Tempo
Die vorgesehenen Mittel zeigen den erheblichen Modernisierungsbedarf. Entscheidend ist deshalb nicht mehr, ob investiert wird, sondern wie aus der Finanzierung schneller genehmigte und realisierte Projekte werden. „Deutschland redet über Modernisierung, baut aber zu langsam“, kritisiert Claude-Patrick Jeutter, der im Konzern für die Märkte Deutschland und Rumänien verantwortlich ist. „Ob Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit oder Digitalisierung – entscheidend ist nicht mehr, ob investiert wird, sondern ob Projekte rechtzeitig in die Umsetzung kommen.“
Die Bauwirtschaft als Katalysator
Die Bauwirtschaft ist dabei weit mehr als nur die Ausführende: Sie „übersetzt" politische Ziele, Gesetze und Finanzierungszusagen in Netze, Verkehrswege, Brücken und Rechenzentren. Ohne diese Umsetzungsleistung bleibt die Modernisierung unvollendet. Auch konjunkturell gewinnt das Thema an Gewicht: Für die 19 Euroconstruct-Länder wird 2026 ein Wachstum des Bauvolumens von 2,4 Prozent erwartet, das vor allem vom Tiefbau getragen wird.
Sicherheitspolitik und Lieferketten
Zugleich zeigt der Iran-Konflikt, wie verletzlich die wirtschaftliche Erholung gegenüber geopolitischen Schocks bleibt: Energiepreise, Lieferketten und Logistikkosten können die Erwartungen dämpfen und den Kostendruck erhöhen. Die Infrastruktur wird damit auch sicherheitspolitisch zum Schlüsselfeld. „Ein starker Standort scheitert nicht an Zielbildern, sondern an fehlenden Leistungen, Genehmigungen und Kapazitäten“, so der Porr-Manager. Wer Modernisierung wolle, müsse die Infrastruktur endlich als prioritäre Umsetzungsaufgabe behandeln.
Digitalisierung treibt den Bedarf
Die Infrastruktur verbindet drei Zukunftsfelder: Mobilität, Digitalisierung und Energieversorgung. Wie eng diese Bereiche zusammenhängen, zeigt die digitale Infrastruktur: Rechenzentren in Deutschland verbrauchen rund 20 Terawattstunden Strom pro Jahr. Damit steigen die Anforderungen an Netzanschlüsse, Versorgungssicherheit und Flächenentwicklung deutlich.
Reale Zuwächse bleiben moderat
Investitionen in die Infrastruktur wirken langfristig und kurzfristig: Sie sichern die Wertschöpfung, stabilisieren Lieferketten und schaffen die Grundlage für Innovation. Doch trotz nominal steigender Budgets zeigen inflationsbereinigte Werte bei der Verkehrsinfrastruktur zuletzt nur moderate reale Zuwächse – ein strukturelles Problem für die Modernisierung des Bestands. Zugleich zeigt sich: Selbst höhere Budgets reichen nicht, solange Verfahren, Zuständigkeiten und die Projektsteuerung den Ausbau bremsen.
Überkomplexe Verfahren als Bremse
Ein zentrales Hindernis bleiben laut Jeutter langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse. In der Praxis bremsen vor allem späte Abstimmungen, parallele Zuständigkeiten, uneinheitliche Anforderungen, Nachforderungen bei Unterlagen und eine unzureichende Digitalisierung. Verzögerungen entstehen damit häufig lange vor dem eigentlichen Baubeginn.
Erkenntnis- vs. Umsetzungsproblem
Der internationale Vergleich zeigt, dass Länder mit standardisierten Verfahren, klaren Zuständigkeiten und konsequent digitalisierten Genehmigungsprozessen ihre Infrastrukturprojekte deutlich schneller umsetzen. Gerade in Märkten wie Rumänien werde sichtbar, dass Tempo dort entstehe, wo politische Prioritäten, Verwaltungshandeln und Projektsteuerung eng aufeinander abgestimmt seien. „Deutschland hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, betont Jeutter.
Beschleunigende Hebel nutzen
Solange die Infrastruktur in Verfahren stecken bleibt, bleiben auch Modernisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit hinter ihren Zielen zurück. Beschleunigend wirken aus Sicht von Porr vor allem: frühe und verbindliche Behördenbeteiligungen, standardisierte Verfahren, durchgängig digitale Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie integrierte partnerschaftliche Projektmodelle.
Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert
Die technische Kompetenz für komplexe Infrastrukturprojekte ist laut Jeutter in den Unternehmen vorhanden. Entscheidend sei, sie nun schneller wirksam werden zu lassen. Die Politik müsse verlässliche Prioritäten setzen, die Verwaltung ihre Verfahren konsequent beschleunigen. Dann könne die Bauwirtschaft ihre Rolle als Umsetzerin der Modernisierung für den gesamten Standort wirksam entfalten.
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Quelle: Porr
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