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Bundeswehr-Bauprojekte: Milliarden, ÖPP und serielles Bauen

Bundeswehr-Bauprojekte: Milliarden, ÖPP und serielles Bauen
Bauen für die Bundeswehr wird zu einem lukrativen Markt. Verteidigungsminister Boris Pistorius drückt beim Ausbau der Infrastruktur massiv aufs Tempo. | Foto: BMVG

Die Bundeswehr drückt beim Ausbau ihrer Infrastruktur massiv aufs Tempo. Um die Truppe bis 2029 kriegstüchtig zu machen, stehen Milliarden für Bauprojekte bereit. Das neue Vergabesbeschleunigungsgesetz ebnet dabei den Weg für großvolumige ÖPP-Modelle und serielle Bauweisen.


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Der Zeitdruck bei den Streitkräften ist hoch. Auf dem VDBUM-Großseminar zu Jahresbeginn verdeutlichte Oberst i.G. Stefan Gruhn, Leiter des zuständigen Kompetenzzentrums Baumanagement in Düsseldorf, die geopolitische Lage: Um die angestrebte Verteidigungsfähigkeit bis 2029 zu erreichen und Deutschland als militärische Drehscheibe in Europa zu etablieren, wird dringend neue Infrastruktur benötigt. Gleichzeitig befindet sich der Bestand an Liegenschaften in einem teils desolaten Zustand.

Der Bauingenieur verwies auf den enormen Investitionsbedarf: Bis 2035 belaufen sich die verzeichneten Bedarfe für Bundeswehr-Bauprojekte auf rund 26 Milliarden Euro. Bis in die 2040er-Jahre wird der Gesamtbedarf für die militärische Infrastruktur sogar auf bis zu 67 Milliarden Euro geschätzt – die energetische Sanierung der Gebäude noch nicht eingerechnet.

Da die Bauverwaltungen mit einem fertiggestellten Volumen von zuletzt 1,6 Milliarden Euro pro Jahr an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, sollen Leistungen verstärkt extern vergeben werden.

„Die Bundeswehr hat wenig Zeit, aber viel Geld“, brachte Gruhn die Situation auf den Punkt. Er forderte von der Bauwirtschaft Schnelligkeit und Qualität bei der Umsetzung: „Ich brauche von Ihnen zeit- und bedarfsgerechte Infrastruktur und freue mich, wenn Bagger in Bundeswehrkasernen rollen.“

Bauindustrie bündelt Kräfte für ÖPP-Projekte

Auf diese Nachfrage stellt sich die Bauwirtschaft ein. Da klassische Beschaffungswege bei komplexen Großprojekten zu langsam sind, hat der BPPP den „Arbeitskreis Verteidigung“ gegründet. Unter dem Co-Vorsitz von Thomas Baumeyer (Hochtief) und Felix Fischer (Chatham Partners) sollen alternative Beschaffungs- und Finanzierungsmodelle für Bundeswehr-Bauprojekte etabliert werden.

Die Dimensionen im Kasernenbau sind beträchtlich: Allein eine Unterkunft für 1.000 Soldaten kostet in der Entstehung zwischen 300 und 400 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil des Investitionsvolumens soll künftig über Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) im Rahmen lebenszyklusorientierter Verträge mit Laufzeiten von 15 bis 30 Jahren realisiert werden. Neben Kasernen eignen sich bautechnisch vor allem Munitionsdepots, Flugplätze und Ausbildungseinrichtungen für dieses Modell.

Beschleunigungsgesetz hebelt Losvergabe aus

Militärische Vergaben gelten aufgrund von Geheimhaltungsstufen und der Vergabeverordnung Verteidigung und Sicherheit (Vsvgv) ohnehin als langwierig. Bislang stieß die Bundeswehr zudem auf ein massives juristisches Nadelöhr: Die VOB fordert zwingend die Aufteilung von Projekten in Fach- und Teillose, um mittelständischen Unternehmen die direkte Teilnahme zu ermöglichen.

Genau hier greift nun das neue Vergabebeschleunigungsgesetz ein. Nach monatelanger Hängepartie wurde es am 8. Mai vom Bundesrat beschlossen. Es liefert öffentlichen Auftraggebern den juristischen Hebel, um aus Gründen der Dringlichkeit oder zur Wahrung von Sicherheitsinteressen von der strengen Losaufteilung abzuweichen. Der BPPP sieht darin die Chance, ÖPP-Modelle radikal zu forcieren. Der Zeitvorteil resultiert aus der Vergabe aus einer Hand: Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb werden als riesiges Gesamtpaket vergeben.

Für den öffentlichen Bauherrn entfällt dadurch die kleinteilige Steuerung unzähliger Einzelgewerke. Da der private Partner seine Vergütung über den Projektverlauf erhält, besteht ein starker wirtschaftlicher Anreiz für eine zügige und mangelfreie Bereitstellung der Gebäude. Für den klassischen Mittelstand bedeutet diese vergaberechtliche Neuordnung jedoch eine Verschiebung: Da Konzerne bei ÖPP-Paketen als Generalauftragnehmer auftreten, rücken regionale Baufirmen in die Rolle von Nachunternehmern, an die die strengen Sicherheitsanforderungen der Bundeswehr vertraglich durchgereicht werden.

Sicherheitsstandards und beteiligte Baukonzerne

Die strengen Sicherheitsanforderungen der Bundeswehr lassen sich laut BPPP mit privaten Betreiberkonsortien vereinbaren. Langfristige Verträge mit festen Partnern böten durchgehende Sicherheitsstandards und seien der wiederkehrenden Beauftragung von wechselnden Subunternehmern überlegen. Referenzprojekte für den Bau sicherheitsrelevanter Infrastruktur durch Private existieren bereits, etwa bei der Fürst-Wrede-Kaserne in München oder bei Liegenschaften des Bundeskriminalamts (BKA). ÖPP-Erfahrungen seien nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Sanierungen von Liegenschaften und Infrastrukturen gesammelt worden.

Das Interesse an dem neuen Markt Militärbau ist in der Industrie hoch: Im Arbeitskreis des BPPP wollen sich neben Banken und Planern auch große Baukonzerne engagieren wie Hochtief, Bunte, Goldbeck, Strabag und Vinci.

Serielles Bauen als bautechnischer Turbo

Neben der rein juristischen und finanziellen Beschleunigung über ÖPP-Verträge erfordert der extreme Zeitdruck bis 2029 auch bautechnisch neue Lösungsansätze. Um Unterkünfte für den Truppenaufwuchs schnell in die Fläche zu bringen, forciert der Bund das serielle Bauen. Aktuell ist bereits die Errichtung von 76 neuen Kasernengebäuden in modularer Bauweise geplant.

Für ÖPP-Konsortien bietet dieser Ansatz enorme Vorteile: Durch einen hohen Vorfertigungsgrad der Raummodule entfallen witterungsbedingte Verzögerungen auf der Baustelle. Da Gebäude wie Unterkünfte oder Ausbildungszentren hochgradig standardisiert sind, lassen sich Planungs- und Genehmigungszeiten durch Typengenehmigungen drastisch reduzieren. Bei künftigen Bundeswehr-Projekten sind also zunehmend Kapazitäten für Systembau, Vorfertigung und die passgenaue Logistik der Raummodule gefordert.

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