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Conrad-CEO Ralf Bühler im Interview: Digitale Beschaffung spart Prozesskosten

Conrad-CEO Ralf Bühler im Interview: Digitale Beschaffung spart Prozesskosten
Aus einer Hand: Conrad ermöglicht eine reibungslose Beschaffung für technischen Bedarf. | Foto: Westend61/Getty Images

Werkzeug beim einen Händler, Kabel beim nächsten und die Messtechnik woanders: Zersplitterte Lieferketten kosten Bauunternehmer vor allem Zeit und Nerven. Conrad-CEO Ralf Bühler erklärt im Interview, wie Bau- und Handwerksbetriebe ihren Einkauf auf einer einzigen Plattform bündeln, Rechnungsberge abbauen und Abläufe vereinfachen können.

Seit über 100 Jahren steht Conrad Electronic für Technik und Elektronik. Unter CEO Ralf Bühler hat sich das oberpfälzische Familienunternehmen vom klassischen Technikhändler zur Plattform für alles Technische gewandelt – mit klarem Fokus auf Geschäftskunden. Wir fragten ihn, weshalb gerade Bauunternehmen davon profitieren, wie moderne Beschaffung Zeit und Geld spart und weshalb trotz aller Digitalisierung der Mensch unersetzlich bleibt.

Herr Bühler, Conrad hat sich vom Technikhändler zur Beschaffungsplattform gewandelt. Wie bewältigt man eine solche Mammutaufgabe als CEO?

Ralf Bühler: Eine Transformation wie diese erfordert einen klaren Plan und konsequente Entscheidungen. Die erste wurde bereits 2017 umgesetzt: der Aufbau eines kuratierten Marketplace mit klarer Ausrichtung auf Geschäftskunden. Mittlerweile haben wir über 10 Millionen Produktangebote auf unserer Plattform. Die zweite Entscheidung lag tiefer: Wir haben angefangen, unsere Kunden differenzierter zu betrachten, denn ein kleiner Betrieb beschafft deutlich anders als ein Konzern mit eigenem Einkaufssystem. Heute bildet unsere Plattform beide Welten ab. Dass mittlerweile über 80 Prozent unseres Umsatzes aus dem B2B-Geschäft stammen, zeigt mir: Unser Weg, Unternehmen die Deckung ihres technischen Bedarfs aus einer Hand zu ermöglichen, stimmt.

Teure Zettelwirtschaft: Warum der Einkauf am Bau so viel Geld frisst

Was bedeutet der Ansatz „Alles aus einer Hand“ ganz konkret für Bauunternehmen, die traditionell oft mit stark zersplitterten Lieferketten arbeiten?

Ralf Bühler: Der Beschaffungsalltag vieler Bauunternehmen sieht folgendermaßen aus: Werkzeuge werden bei einem Lieferanten bestellt, Elektro- und Gebäudetechnik beim nächsten, Messtechnik oder Sicherheitsausrüstung wiederum woanders. Jeder Vertragspartner bringt eigene Konditionen, eigene Rechnungen und eigene Prozesse mit. Diese Zersplitterung kostet – und dafür ist in erster Linie nicht der Artikelpreis verantwortlich, sondern die Prozesskosten dahinter. Vor allem, wenn die Bestellungen manuell getätigt werden „Alles aus einer Hand” heißt bei uns deshalb: Conrad-eigenes Sortiment, kuratierter Marketplace, digitale E-Procurement-Lösungen und maßgeschneiderte Services greifen auf einer Plattform ineinander. Bauunternehmen konsolidieren ihre Lieferanten, verschlanken den Beschaffungsprozess, müssen nur noch einen Rechnungssteller verwalten und behalten trotzdem die Sortimentsbreite und -tiefe, die ihr technischer Bedarf verlangt.

"Der Einsatz von KI darf kein Selbstzweck sein. Ziel muss es sein, schneller das richtige Produkt zu finden, weniger Zeit mit Administration zu vergeuden und sich auf die Lieferung verlassen zu können. Genau dafür nutzen wir KI." Ralf Bühler, CEO Conrad Electronic | Foto: Conrad Electronic
"Der Einsatz von KI darf kein Selbstzweck sein. Ziel muss es sein, schneller das richtige Produkt zu finden, weniger Zeit mit Administration zu vergeuden und sich auf die Lieferung verlassen zu können. Genau dafür nutzen wir KI." Ralf Bühler, CEO Conrad Electronic | Foto: Conrad Electronic

Kostenfreie Einstiegslösung für den Einkauf

Welche Rolle spielt modernes E-Procurement heute für Bauunternehmen unterschiedlicher Größe – und wie finden diese bei Conrad genau das passende Setup?

Ralf Bühler: Modernes E-Procurement entscheidet darüber, ob Beschaffung Zeit frisst oder Zeit schenkt. Entscheidend dabei ist, dass man jedem Unternehmen die jeweils passende Lösung zur Verfügung stellt, weil „One size fits all” im Einkauf nicht funktioniert. Konkret heißt das: Wer ein eigenes Warenwirtschaftssystem betreibt, bindet sich über Schnittstellen wie OCI, API oder EDI direkt an unsere Plattform an. Außerdem bieten wir künftig die neue und kostenfreie Lösung „Hivebuy Start“ an, die speziell für kleinere und mittelständische Unternehmen gebaut wurde: Mit dieser Einstiegslösung, die weder ein eigenes Warenwirtschaftssystem noch eine aufwendige Implementierung erfordert, erfassen Mitarbeitende ihren Einkaufsbedarf selbst. Die Geschäftsführung oder die Einkaufsabteilung legt fest, wer bestellen und freigeben darf, und behält Bestellungen, Lieferstatus und Kostenstellen zentral im Blick.

Extra Services für die Baustelle

Welche speziellen Lösungen und Services bietet Conrad noch, um die Beschaffung technischer Bedarfe spürbar zu vereinfachen und noch effizienter zu machen?

Ralf Bühler: Unseren Geschäftskunden ermöglichen wir Standardversand in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Aber auf dem Bau geht es nicht nur um Schnelligkeit, sondern auch um Präzision. Deshalb bieten wir beispielsweise einen Kalibrierservice an, der dafür sorgt, dass die eingesetzten Messgeräte jederzeit verlässlich und genau arbeiten. Im Rahmen unseres Kabelmeterservice können unsere Kunden außerdem metergenau angepasste Kabel für den maßgeschneiderten Einsatz auf der Baustelle bestellen. Und unser neues Loyalitätsprogramm Conrad Pro, das sich auf das komplette Conrad-eigene Sortiment erstreckt, zahlt darauf ein, die Einkaufsprozesse von KMUs noch effizienter zu gestalten. Denn Einkaufsverantwortliche, die sich für Conrad Pro entscheiden, müssen nicht mehr über Lieferkosten, verlängertes Rückgaberecht und Garantie-Optionen nachdenken oder aufwändig nach Aktionen und Rabatten suchen.

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Verfügbarkeit, Qualität und zuverlässige Lieferung

Auf der Conrad Plattform finden sich über 10 Millionen Produktangebote. Wie stellen Sie sicher, dass Sie den Anforderungen im Baustelleneinsatz gerecht werden?

Ralf Bühler: Verfügbarkeit ist natürlich eines der wichtigsten Kriterien, die wir als verlässlicher Beschaffungspartner erfüllen müssen. Dazu kommt die Tatsache, dass auf unserem Marketplace ausschließlich geprüfte Hersteller und Distributoren verkaufen. Das ist enorm wichtig, um sicherzustellen, dass die angebotene Produktqualität stimmt. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Datentiefe: Auf einer Plattform unserer Größe lassen sich Produktdaten nicht von Hand pflegen, also strukturieren wir Toleranzen, Zertifizierungen und Kompatibilitätsdaten maschinenlesbar – um Daten in Ingenieursqualität bereitzustellen, die sicherstellen, dass auch unter Zeitdruck das richtige Teil beschafft wird. In unseren Schwerpunktsortimenten wie Mess- und Prüftechnik oder Automatisierung gehen wir bewusst in die Tiefe eines Spezialisten. Für die Baustelle ebenso entscheidend ist die Lieferzuverlässigkeit: Das beste Produkt nützt nichts, wenn es zu spät kommt.

Messtechnik für den professionellen Einsatz – eines der Fokussortimente auf der Plattform für alles Technische von Conrad Electronic. | Foto: Kristof Lemp
Messtechnik für den professionellen Einsatz – eines der Fokussortimente auf der Plattform für alles Technische von Conrad Electronic. | Foto: Kristof Lemp

Künstliche Intelligenz als Assistent im Hintergrund

Welche Rolle wird Künstliche Intelligenz künftig in der B2B-Beschaffung spielen – und wo bleibt bei all der Automatisierung und Plattformökonomie die persönliche Komponente in der Kundenbeziehung?

Ralf Bühler: Kein Bauleiter wacht morgens auf und wünscht sich mehr Künstliche Intelligenz. Was ich sagen will: Der Einsatz von KI darf kein Selbstzweck sein. Ziel muss es sein, schneller das richtige Produkt zu finden, weniger Zeit mit Administration zu vergeuden und sich auf die Lieferung verlassen zu können. Genau dafür nutzen wir KI. Künstliche Intelligenz hält die Daten unserer über zehn Millionen Produktangebote sauber und auffindbar, sie beschleunigt die Angebotserstellung und sie stärkt im Hintergrund Betrugsprävention und Bonitätsprüfung. Mittelfristig werden KI-gestützte Einkaufsagenten einen Teil dessen übernehmen, was Einkaufsabteilungen heute manuell erledigen – vorausgesetzt, die Datengrundlage stimmt. Bei aller Automatisierung bleibt jedoch der Mensch in der B2B-Beschaffung der entscheidende Faktor. B2B lebt von Beziehungen und nur, wer den Kunden versteht, kann exakt die Lösungen zur Verfügung stellen, die seinen Arbeitsalltag entscheidend vereinfachen.

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