Einkauf am Bau
C-Teile beschaffen: Lohnt sich Conrads neue B2B-Flatrate?

Conrad Electronic will den Werkzeugeinkauf am Bau vereinfachen. Das Mittel der Wahl: Ein hybrider Print-Katalog und eine Versand-Flatrate für Handwerker. Doch rechnet sich das 59-Euro-Abo für kleine Betriebe? Ein kritischer Blick auf das neue B2B-Modell.

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Wer Werkzeuge, Messgeräte oder Arbeitsschutzzubehör für die Baustelle bestellt, verliert oft wertvolle Zeit. Großbaustoffe ordern Bauleiter strategisch. Der technische Betriebsbedarf hingegen tröpfelt kleinteilig ins System. Die Folge: zu viele Lieferanten und zu viel Papierkram in der Buchhaltung. Conrad Electronic setzt an dieser Schwachstelle an. Der Elektronikhändler macht inzwischen 80 Prozent seines Umsatzes mit Geschäftskunden und startet nun eine zweigleisige Offensive für kleine und mittlere Unternehmen (KMU): ein kostenpflichtiges Kundenprogramm und die Rückkehr des gedruckten Katalogs.
Das Vorteilsprogramm im Faktencheck
Das Programm nennt sich „Conrad Pro“. Es zielt auf KMU, die keine komplexen Einkaufs-Softwares oder dicken Rahmenverträge nutzen. Für 59 Euro im Jahr verspricht der Händler weniger Kosten und mehr Liquidität.
Leistung | Vorteil für den Baubetrieb |
Versandkostenfreie Lieferung | Spontane Nachbestellungen lohnen sich, Frachtkosten fressen den Warenwert nicht mehr auf. |
30 Tage Zahlungsziel | Schont die Liquidität und erleichtert die Steuerung laufender Projekte. |
36 Monate Garantie | Sichert teure Messgeräte und Werkzeuge gegen den rauen Baustellenalltag ab. |
Preis- und Rückgabegarantie | 30 Tage Zeit für Rückgaben federn Fehlkäufe ab und erleichtern die Kalkulation. |
Das Modell lohnt sich über die Schlagzahl. Wer nur zweimal im Jahr bestellt, zahlt drauf. Wer jedoch regelmäßig Kleinstmengen ordert, um Stillstand auf der Baustelle zu vermeiden, hat die 59 Euro schnell über die gesparten Frachtkosten wieder drin. Der psychologische Nebeneffekt: Das Programm bindet den Einkäufer an das Sortiment von Conrad.
Papier-Comeback als pragmatischer Kompass
Noch spannender ist die zweite Neuerung. Acht Jahre nach dem Aus bringt Conrad wieder einen gedruckten, 960 Seiten starken B2B-Katalog heraus. Ein Rückschritt in Zeiten der Digitalisierung? Keineswegs. Das Unternehmen reagiert damit auf die raue Realität im Bauhandwerk: Im staubigen Container oder auf dem Gerüst fehlt oft der schnelle Zugriff auf den PC.

Damit die Preise auf dem Papier nicht sofort veralten, nutzt Conrad einen hybriden Trick. Der Katalog entsteht automatisiert aus digitalen Produktdaten und zeigt eine redaktionelle Auswahl von rund 7.200 Kernartikeln. Neben jedem Produkt prangt ein QR-Code. Ein Scan mit dem Smartphone führt den Handwerker direkt in den Onlineshop – zu tagesaktuellen Preisen und der echten Lieferbarkeit. Angesichts von über zehn Millionen Artikeln im Onlineshop fungiert das Buch jedoch vor allem als Schaufenster für die digitale Plattform.
Fazit für die Einkaufspraxis am Bau
Die Strategie zeigt: Reiner Online-Handel stößt im Bauwesen an Grenzen, wenn er die Arbeitsabläufe vor Ort ignoriert. Die Mischung aus Versand-Flatrate und Papier-Kompass schlägt eine clevere Brücke zwischen analoger Baustelle und digitaler Plattformökonomie. Bauunternehmen können so ihre Lieferantenliste für sogenannte C-Teile ausdünnen. Wer allerdings teure Spezialmaschinen kaufen will, muss weiterhin vergleichen: Den klassischen Fachgroßhandel samt seiner tiefen Beratung ersetzt die Flatrate nicht.
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