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IBAK-Seminar: Kanalsanierung & Nachfolge: KI, 3D-Scan und gute Vergabe

IBAK-Seminar: Kanalsanierung & Nachfolge: KI, 3D-Scan und gute Vergabe
Auf der Color Line (hier im Hafen von Oslo) drehte sich alles um moderne Inspektion und Sanierung, aber auch um Vergabe und Unternehmensnachfolge. | Foto: B_I/Valdix

In diesem Jahr lud die Firma IBAK wieder zum Seminar „Rund ums Rohr“ auf der Color Line zwischen Kiel und Oslo ein. Auf hoher See hatten die Referenten einige beeindruckende Praxisbeispiele mit an Bord und zeigten zudem Wege auf, wie man Unternehmen erfolgreich in die Zukunft steuern kann.

Das Seminar startete mit dem ältesten Kanal Oslos. Der Bach „Skarpsnobekken“ wurde 1889 verrohrt und an das städtische Abwassersystem angeschlossen. Der heutige Kanal, der unter mehreren Gebäuden verläuft, wurde samt Schächten mit einem 3D-Laserscan vermessen, wie Lüdeke Graßhoff, Firma Geodoc, berichtete. Anhand der generierten Punktewolke lässt sich der Kanal virtuell begehen und aus den Daten ließen sich Schnitt- und Querschnittszeichnungen erstellen, die für die spätere Sanierungsplanung sehr nützlich sind. In Zukunft werde mobiles Laserscanning eine große Rolle spielen, ist Graßhoff überzeugt.

Lüdeke Graßhoff berichtete über die exakte Vermessung des ältesten Kanals Oslos. | Foto: B_I/Valdix
Lüdeke Graßhoff berichtete über die exakte Vermessung des ältesten Kanals Oslos. | Foto: B_I/Valdix

KI-gestützte Inspektionstechnik im Praxiseinsatz

Robert Lagger von der Firma Laro-Tec hatte verschiedene außergewöhnliche Einsätze mobiler Inspektionstechnik im Gepäck. Aufgrund der hohen Anzahl an Schächten und Haltungen setzt das Unternehmen aus Österreich auf KI-gestützte Lösungen von IBAK und generiert so strukturierte Zustandsdaten, Berichte und Sanierungsempfehlungen. Laggers Fazit: „Ohne KI geht es – mit KI geht es besser.“

Im Vortrag von Robert Lagger ging es um mobile Inspektionstechnik und intelligente Datenauswertung. | Foto: B_I/Valdix
Im Vortrag von Robert Lagger ging es um mobile Inspektionstechnik und intelligente Datenauswertung. | Foto: B_I/Valdix

Spezialräumung im Düker: Innovative Sonderlösungen

Über ein außergewöhnliches Projekt berichtete auch Marcel Bielefeld, Firma I+D Sanierungstechnik. Zur sehr aufwendigen Entfernung von Ablagerungen im zu sanierenden Düker DA 3800 in Düsseldorf fand man schließlich in einem Streitbagger und einer Lore die passende Lösung. Mehr dazu in Kürze bei bau.bi.

Mit dem Bagger unter dem Rhein – ein außergewöhnliches Projekt, das Marcel Bielefeld vorstellte. | Foto: IBAK
Mit dem Bagger unter dem Rhein – ein außergewöhnliches Projekt, das Marcel Bielefeld vorstellte. | Foto: IBAK

Ahrtal 2.0: Die Jahre nach der Flut

Ebenso außergewöhnlich sind die nach wie vor andauernden Reinigungs-, Inspektions- und Sanierungsarbeiten im Ahrtal unter Katastrophenbedingungen. Anschaulich und emotional erzählte Sven Kämpfer, Ingenieurbüro S. Kämpfer, über die erheblichen mannigfaltigen Folgen der Flutkatastrophe von 2021 sowie die in den fünf Jahren erfolgten Leistungen. Laut Kämpfer hatten er und andere Helfer mit teils ernormen Einschränkungen und Hürden zu kämpfen, andererseits habe er eine große Solidarität und Dankbarkeit vor Ort wahrgenommen. Die Beseitigung der Schäden wie auch der Wiederaufbau würde noch viele Jahre dauern, so Kämpfer. Für zeitkritische Entscheidungen wünscht er sich vereinfachte Vergabeverfahren.
Was in den fünf Jahren nach der Flut passierte, zeigte Sven Kämpfer in seinem Vortrag. | Foto: B_I/Valdix
Was in den fünf Jahren nach der Flut passierte, zeigte Sven Kämpfer in seinem Vortrag. | Foto: B_I/Valdix

Qualiät und Transparenz im Vergabeverfahren

Die Vergabe war Thema im Vortrag von Patrick Kerkemeier, Lobbe Kanaltechnik. Entscheidend komme es schon auf die Vorbereitung der Vergabe an. Unter anderem müssten Leistungen, Mengen und Rahmenbedingungen so beschrieben werden, dass seriös kalkuliert werden kann. Nicht der Preis, sondern die Leistung müsse im Vordergrund stehen. Kerkemeiers Forderungen: Eignung projektbezogen definieren, Technik, passend zur Aufgabe fordern, Preisbildung nachvollziehbar machen, Unsicherheiten kalkulierbar darstellen und Qualität zum Zuschlagskriterium machen.

„Wirtschaftlichkeit bedeutet nicht der niedrigste Preis“, betonte Patrick Kerkemeier. Rechts: Moderatorin Dr. Susanne Leddig-Bahls. | Foto: B_I/Valdix
„Wirtschaftlichkeit bedeutet nicht der niedrigste Preis“, betonte Patrick Kerkemeier. Rechts: Moderatorin Dr. Susanne Leddig-Bahls. | Foto: B_I/Valdix

Full-Service-Anbieter einzeln und im Verbund

„Kompetenz im Verbund“ hieß es im Vortrag von Dominik Zimmerbeutel, Infravadis GmbH. Zur Unternehmensgruppe gehören mittlerweile 14 regionale Firmen aus der Rohrreinigungs-, Inspektions- und Sanierungsbranche. Ziel ist die Bündelung moderner Technologien, Synergien und Know-how, so dass die Gruppe als Full-Service-Anbieter auftreten kann.

Als solcher versteht sich auch die Firma Boger Kanalsanierung – nur eben als Einzelunternehmen. Von der Sanierungsplanung über die Kanalinspektion und -reinigung bis hin zur Kanalsanierung bietet das Familienunternehmen aus Wurmberg (B-W) alles aus einer Hand. Marie Noller zeigte auf, wie eine Deformationsmessung Fehler bei der späteren Sanierung verhindern kann und wie Boger zusammen mit IBAK ein kombiniertes Fräs- und Inspektionsfahrzeug entwickelt hat, mit dem vielfältige Aufgaben bewältigt werden können.

Die Bedeutung des Profilscans und der Möglichkeit, eine große Bandbreite an Inspektions- und Sanierungsarbeiten anbieten zu können, darüber berichtete Marie Noller. | Foto: B_I/Valdix
Die Bedeutung des Profilscans und der Möglichkeit, eine große Bandbreite an Inspektions- und Sanierungsarbeiten anbieten zu können, darüber berichtete Marie Noller. | Foto: B_I/Valdix

Wie geht Nachfolge?

Seit 2024 ist Marie Noller Geschäftsführerin bei Boger. Dass die Nachfolge nicht immer so reibungslos verläuft, zeigte Benedikt Stentrup, Sanierungstechnik Dommel und Nachfolgeschmiede, zusammen mit Sebastian Hölzel, Werner Vollert GmbH & Co. KG. „Es gibt viele Gründe, warum Nachfolgen scheitern“, so Stentrup, der seinerseits persönliche Erfahrungen diesbezüglich gesammelt hat. Ein Unternehmen müsse sich einerseits nachfolgefähig aufstellen, andererseits müsse der Nachfolger auch geeignet sein – von den sozialen Kompetenzen her, dem Arbeitsverhalten sowie der psychischen Stabilität. Der Experte rät: sich möglichst frühzeitig mit der Nachfolgeregelung beschäftigen, sich Impulse von außen holen und klar die Funktionen von Vorgänger und Nachfolger festlegen. Erfahrungen, Tipps und Trends zur Nachfolge hat Benedikt Stentrup in seinem neuen Buch „Nachfolge ist das neue Start-Up“ (Nov. 2026) zusammengefasst. „Nachfolger brauchen mitunter Durchhaltevermögen, aber Deutschland braucht Unternehmer – lasst euch darauf ein!“, so sein abschließender Appell.
„Viele machen sich Gedanken, wie es mit dem Betrieb weitergeht“, sagte Benedikt Stentrup, und zeigte auf, wie eine Nachfolge am besten gelingen kann. | Foto: B_I/Valdix
„Viele machen sich Gedanken, wie es mit dem Betrieb weitergeht“, sagte Benedikt Stentrup, und zeigte auf, wie eine Nachfolge am besten gelingen kann. | Foto: B_I/Valdix

Und so endete eine wieder einmal vollends gelungene Rund-ums-Rohr-Reise auf dem Schiff zwischen Kiel und Oslo mit regem Austausch auch in den Pausen. Klar wurde: Es gibt keine Standardlösungen, wohin ein Unternehmen steuert oder welches die richtige Methode im konkreten Praxiseinsatz ist. Eigene Wege gehen, innovative Technologien anwenden und sich trotz Herausforderungen nicht entmutigen lassen – darauf kommt es an.

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