Forschungsprojekt Tauwis
Zerstörungsfreie Inspektion von Unterwasserleitungen

Mit einem im Forschungsprojekt „Tauwis“ entwickelten Unterwasser-Inspektionssystem können Wasserversorger schwer zugängliche Leitungen zerstörungsfrei und ohne aufwendige Tauchereinsätze inspizieren. Bei einem Praxistest im Müggelsee hat das System den Verlauf einer Wasserleitung erfasst und Fehlstellen geortet.

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Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine Herausforderung: Neben der technischen Erneuerung spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
Das Projekt wurde im Verbund aus Fraunhofer IOSB-AST, der Empit GmbH und dem Technologiezentrum Wasser (TZW) als Verbundkoordinator realisiert. Im Sommer 2026 demonstrierte das Tauwis-System im Müggelsee bei Berlin seine Funktionsfähigkeit: Aufgrund einer Sandschicht auf den zu untersuchenden Leitungen konnten weder Kamera noch Sonar die Leitungsaußenseite direkt erfassen. Dank der präzisen Navigation konnte der Leitungsverlauf dennoch exakt abgefahren und eine Leckage anhand der ausgewerteten Sensordaten geortet werden. Die ermittelten Koordinaten wurden dem Betreiber zur Reparatur übergeben.
„Der Einsatz im Müggelsee hat gezeigt, dass wir Leitungen auch unter schwierigen Sichtbedingungen zuverlässig abfahren und Schadstellen präzise lokalisieren können. Betreiber erhalten damit belastbare Informationen, um Reparaturen gezielt vorzubereiten und Wasserverluste schneller zu begrenzen“, erklärt Ganzorig Baatar, Projektleiter am Fraunhofer IOSB-AST.
Tauwis: CMI-Sensorik trifft auf ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug
Das Herzstück von Tauwis ist die Kombination eines ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs (ROV) des Fraunhofer IOSB-AST mit einem CMI-Sensor (Current Magnetometry Inspection) von Empit zur Bewertung metallischer Werkstoffe. Eine besondere Herausforderung war dabei, Sensor und Messelektronik so umzubauen, dass beide auch unter Wasser absolut zuverlässig funktionieren.
Das System enthält zwei wesentliche Innovationen. Zum einen wurde die CMI-Technologie erstmals für den Unterwassereinsatz adaptiert. Zum anderen entstand eine Messplattform, welche das Abfahren der Leitungsstücke teilautonom durchführt. Die eigentliche Inspektion erfolgt danach in einem Post-Processing-Verfahren bei der Empit GmbH. Ein Schwerpunkt bestand darin, Sensorik und Elektronik für den Einsatz unter Wasser zu adaptieren, um mit den damit gewonnenen Daten eine teilautonome Steuerung des ROVs zu ermöglichen. Anders als bisher üblich bündelt Tauwis damit Sensorik, Fahrzeug und Auswertesoftware in einem kompakten, steuerbaren System.
Teilautonome Leitungsverfolgung und zerstörungsfreie Inspektion
Einsatzbereiche und Zukunft: Von Düker-Inspektionen bis zu KI-Edge-Computing
Das Marktpotenzial reicht weit über die Wasserversorgung hinaus. Mit geringfügigen Anpassungen lässt sich das System auch zur Inspektion von Leitungen in Küstengewässern, von Dükern in Wasserstraßen sowie von Wasserstoff-, Öl- und Gasleitungen einsetzen.
Unter anderem soll die Lösung in Folgeprojekten um eine KI-gestützte Edge-Computing-Einheit erweitert werden, um damit eine vollautonome Steuerung und die Echtzeit-Datenauswertung direkt auf dem Fahrzeug selbst zu realisieren. Damit soll dem beauftragten Infrastruktur-Experten eine robotische Lösung mit bestmöglicher Assistenz bei der Bewältigung der Inspektionsaufgaben an die Hand gegeben werden.
Quelle: Fraunhofer-Institut für Optronik
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