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Melbournes grüne Antwort auf die Hitze

Den Titel als lebenswerteste Stadt gewinnt die australische Metropole immer wieder. Die „Royal Botanic Gardens Victoria“ haben mit ihrem hohen Baumanteil, einer standortgerechten Flora voller Biodiversität und intelligentem Wassermanagement großen Anteil daran und zeigen zugleich, welche grünen Möglichkeiten es gibt, sich den Klimaveränderungen und Extremwetterereignissen im urbanen Umfeld anzupassen.

Stadtbegrünung Melbourne: Klimaanpassung gegen Hitze mit Bäumen und Schwammstadt-Prinzip
Die Royal Botanic Gardens sind die grüne Lunge der australischen Metropole Melbourne. | Foto: Stihl
Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung leben in urbanen Ballungsräumen. Bis 2050 rechnet man damit, dass zwei Drittel in Städten zuhause sind. Ihren Lebensraum so zu gestalten, dass er lebenswert bleibt, beschäftigt Stadtplaner und betrifft uns alle. Am anderen Ende der Welt liefert ein grüner Hotspot Ideen, wie wir den Herausforderungen begegnen können. In Melbournes Botanischem Garten hat man wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Hitzekollaps gefunden und setzt dem Artenschwund ein Biodiversitätsprogramm entgegen. „Greening Cities“, Städte begrünen, lautet die Lösung. Ein Tag mit Andrew Laidlaw, dem leitenden Landschaftsarchitekten in den „Royal Botanic Gardens Victoria“, macht erlebbar, wie das aussehen könnte.

Bäume als natürliche Klimaanlage

„Melbourne ist eine riesige, sich ausbreitende Großstadt von aktuell vier Millionen Einwohnern“, sagt der Australier. „In 70 Jahren wird es dort voraussichtlich drei bis vier Grad wärmer sein. Mit dieser zunehmenden Hitze wird das Blätterdach der Bäume immer wichtiger.“ Bäume sind besonders effektive natürliche Klimaanlagen. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern sorgen auch durch die im Rahmen der Photosynthese entstehende Verdunstungskälte für eine Abkühlung in ihrer Umgebung. Die Forschung auf dem Gebiet der Stadt-Klimabäume belegt, dass die meterhohen Gehölze dank ihrer Größe, Raumwirkung und vielfältigen Ökosystemleistungen zu den wirksamsten Instrumenten bei der Bekämpfung innerstädtischer Hitze und Trockenheit zählen. Angesichts des hohen Anteils jahrzehntealter Gehölze im Botanischen Garten ist Melbourne gut aufgestellt. Denn klimaregulierende Effekte erhöhen sich mit zunehmendem Alter der Baumriesen.

Andrew Laidlaw ist der leitende Landschaftsarchitekt des Botanischen Gartens in Melbourne. „Unser Ansatz basiert auf nachhaltigem Landschaftsmanagement und einem sensiblen, ökologischen Umgang mit allem, was wir tun“, erklärt er. | Foto: Stihl
Andrew Laidlaw ist der leitende Landschaftsarchitekt des Botanischen Gartens in Melbourne. „Unser Ansatz basiert auf nachhaltigem Landschaftsmanagement und einem sensiblen, ökologischen Umgang mit allem, was wir tun“, erklärt er. | Foto: Stihl
Nähert man sich der grünen Lunge der Stadt aus Vogelperspektive, wird die Dimension offensichtlich: In einer von Wolkenkratzern, Häuserzeilen und versiegelten Plätzen dominierten Fläche bildet der regenwaldartige Verbund hochgewachsener Laubgehölze und Koniferen neben Palmen einen atmenden Kontrast-Lebensraum zur Betonwüste. Pflanzenbewachsene Atolle in einer großen Wasserfläche formen das Terrain zu einer idyllischen Insellandschaft. „In den letzten 20 Jahren haben wir unseren Fokus stark verändert“, sagt der seit 26 Jahren hier tätige Leiter der Landschaftsabteilung. Nun versuche man unter anderem Pflanzen einzusetzen, die wärmeren Klimabedingungen standhalten.

Pflanzenauswahl an die Umweltbedingungen anpassen

Die „Australian Drylands“, das australische Trockenland, sind Teil dieser Landschaftsnachfolge-Strategie. Dazu führt Andrew Laidlaw in einen Bereich, wo sie Ananas-Busch (Dasypogon bromeliifolius) und Holzbirne (Xylomellum occidentale) zusammen mit anderen Westaustralischen Spezies testen, die von Standorten mit heißerem Klima stammen und auf sandigem Boden gedeihen. „Mit den Drylands liegt der Fokus auf Arten, die höheren Temperaturen und weniger Regen standhalten. Das macht sie resilienter gegenüber dem Klimawandel.“ 75 Prozent der Pflanzen sollen hier bis 2036 besser angepasst an wärmeres Klima sein. Denn eine trockenheitsverträgliche Vegetation überzieht auch den Boden wie eine Decke und schützt ihn vor Aufheizung. Was bewachsen ist, lässt Wind- und Wassererosion zudem weniger Angriffsfläche. Zu Lehrzwecken und als Anschauungsmaterial sind in den „Australian Drylands“ auch stark bedrohte Arten wie Enfield Grevillea (Grevillea bedggoodiana) gepflanzt worden. Zwei Sitzplatzbereiche werden begrünt durch endemische Arten, die sich in einzigartiger Weise an ihre Umweltbedingungen angepasst haben. Ein Teil umfasst Palmen und Cyads, während der andere von Pflanzen eingefasst wird, die mit Feuer klarkommen.

Andrew Laidlaw und der leitende Baumpfleger Charlie Carroll begutachten die teils alten Bäume im Bereich der Australien Drylands und besprechen, welche Pflegemaßnahmen notwendig sind. Müssen zum gesunden Erhalt größere Rückschnitte im Kronenbereich durchgeführt werden, nutzen die Gartenlandschaftspfleger akkubetriebene Geräte von Stihl. Sie machen keinen Lärm und stoßen keine Abgase aus – was sowohl für Flora und Fauna als auch für die Besucherinnen und Besucher ein großer Vorteil ist. | Foto: Stihl
Andrew Laidlaw und der leitende Baumpfleger Charlie Carroll begutachten die teils alten Bäume im Bereich der Australien Drylands und besprechen, welche Pflegemaßnahmen notwendig sind. Müssen zum gesunden Erhalt größere Rückschnitte im Kronenbereich durchgeführt werden, nutzen die Gartenlandschaftspfleger akkubetriebene Geräte von Stihl. Sie machen keinen Lärm und stoßen keine Abgase aus – was sowohl für Flora und Fauna als auch für die Besucherinnen und Besucher ein großer Vorteil ist. | Foto: Stihl
Auf die Strauch- und Bodendeckerschicht wird großer Wert gelegt. Wie Stockwerke in einem Haus, wo viele verschiedene Individuen eine Wohnung finden, fördert die zunehmende Zahl an ineinandergreifenden Pflanzenarten die Vielfalt insgesamt. Das hat einen positiven Effekt auf die Biodiversität. Auch wirbellose Tiere und Vögel finden Unterschlupf. „Durch die Auswahl klimaresistenter Pflanzen erhalten wir eine vielfältigere Umwelt“, erklärt Andrew Laidlaw. So bewahre man eine reiche biodiversifizierte Umgebung. Eine hohe Artenvielfalt wiederrum trägt dazu bei, dass die Natur ihre Ökosystemleistungen zuverlässiger erfüllen kann. Eine vielfältigere Natur wappnet uns gegen Veränderungen durch den Klimawandel wie größere und längere Hitzewellen. „Unsere Pflanzenauswahl ist eines unserer wirkungsvollsten Mittel gegen Hitze und Trockenheit“, weiß Andrew Laidlaw.
Kleine Äste sägt der leitende Baumpfleger Charlie Carroll mit dem Akku-Gehölzschneider GTA 40 von Stihl, der sich für feine Rückschnitte im dichten Geäst bewährt hat. Von ausgebildeten Baumpflegerinnen und Baumpflegern darf er auch für Schnitte in der Krone genutzt werden. | Foto: Stihl
Kleine Äste sägt der leitende Baumpfleger Charlie Carroll mit dem Akku-Gehölzschneider GTA 40 von Stihl, der sich für feine Rückschnitte im dichten Geäst bewährt hat. Von ausgebildeten Baumpflegerinnen und Baumpflegern darf er auch für Schnitte in der Krone genutzt werden. | Foto: Stihl
Aber ist sie übertragbar auf Europa? „Das Wissen, das wir hier entwickelt haben, begeistert überall auf der Welt“ erzählt der Australier. „Sogar Kew Gardens in London hat unsere führenden Forscher eingeladen, über Landschaftsnachfolge zu sprechen und darüber, wie wichtig sie im Kampf gegen den Klimawandel ist.“ Bestätigung kommt unter anderem aus deutschen Forschungseinrichtungen wie beispielsweise dem Blue-Green-Infrastructure Lab der HCU Hafen City Hamburg, wo man weiß, dass nur klimaangepasste Pflanzen in standortgerechter Verwendung den Veränderungen trotzen können. Und das unabhängig davon, ob es sich um heimische oder nichtheimische Vegetation handelt. Die Erfahrungen und Forschungsergebnisse, die sie in Melbourne zusammentragen, werden mit über 400 Botanischen Gärten, Arboreten und ähnlichen Institutionen weltweit über die „Climate Change Alliance of Botanic Gardens“ geteilt.
Mit dem Akku-Hochentaster Stihl HTA 160 lassen sich tote oder den Habitus störende Äste problemlos aus dem Kronenbereich entfernen. Dazu kann er dank Teleskopschaft bis zu einer Höhe von rund fünf Meter arbeiten. Ein Asthaken erleichtert das Greifen und Entfernen von losem Schnittgut. | Foto: Stihl
Mit dem Akku-Hochentaster Stihl HTA 160 lassen sich tote oder den Habitus störende Äste problemlos aus dem Kronenbereich entfernen. Dazu kann er dank Teleskopschaft bis zu einer Höhe von rund fünf Meter arbeiten. Ein Asthaken erleichtert das Greifen und Entfernen von losem Schnittgut. | Foto: Stihl
Denn die Probleme sind überall die gleichen. In den versiegelten Städten steigen die Temperaturen durch einen sich selbst verstärkenden Wärmeinseleffekt besonders schnell an. An einem heißen Tag kann es in Berlin oder Brüssel genauso bis zu zehn Grad Celsius wärmer werden als im Umland, weil die Bebauung Wärme speichert und abstrahlt. Hinzu kommen Tropennächte. Davon spricht man bei Temperaturen über 20 Grad in der Nacht. Das setzt der Stadtbevölkerung zu. Jede Pflanze zählt. Doch nicht jedes Gewächs ist gleich gut geeignet. Pflanzen für trockene Bedingungen haben sich darauf eingestellt, wenig Wasser zu verdunsten. Dadurch sinkt natürlich auch der Kühlungseffekt. Der ist bei feuchtigkeitsliebenden Pflanzen mit großen Blättern stärker ausgeprägt. Und hier kommt die Farnschlucht ins Spiel – der „fern gully“ im Botanischen Garten Melbourne. Gerade an heißen Tagen ist sie ein Segen für Stadtbewohner, die Zuflucht vor der sengenden Hitze suchen.

Die Farnschlucht als Modell für urbane Kühlung und Biodiversität

„Sie ist eine erstaunliche grüne Oase“, begeistert sich Andrew Laidlaw und führt in einen Bereich, in dem es sich zwischen Baumfarnen in eine fast urzeitlich anmutende Szenerie eintauchen lässt. Große Bäume und Palmen, die schon unter William Robert Guilfoyles (1840–1912), dem begründenden Landschaftsarchitekten der Königlich Botanischen Gärten von Melbourne, gepflanzt wurden, spenden Schatten für die Farn-Sammlung. Sie enthält historische Exemplare aus der Zeit des Viktorianischen „Fern Craze“, als die „Dinosaurier unter den Pflanzen“ nicht nur in Mode waren, sondern das viktorianische England wie verrückt danach war. Ein Wasserlauf schlängelt sich durch das Gebiet. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit.

In der Farnschlucht sorgt ein Blätterdach, in dem auch Baumfarne mitmischen, für ein angenehmes Mikroklima. | Foto: Stihl
In der Farnschlucht sorgt ein Blätterdach, in dem auch Baumfarne mitmischen, für ein angenehmes Mikroklima. | Foto: Stihl
Auch die Farne selbst sorgen für ein angenehmes Mikroklima. „Hier kann es vier bis sechs Grad kühler sein als außerhalb der Farnschlucht“, bestätigt Andrew Laidlaw. Pflanzen mit großen Blättern absorbieren beim Verdunsten des Wassers über ihr Laub aber nicht nur laterale Wärme. Sie verbessern das Klima auch über ihre Filterfunktion von Feinstaub. In dem grünen Paradies atmet man besonders saubere Luft. An diesem Beispiel sieht man bereits, dass es beim Begrünen der Städte nicht nur darum geht, Pflanzen zu setzen, die sich an trockene Bedingungen angepasst haben. Wichtig sind auch wasserliebende Pflanzen mit einer großen Verdunstungsleistung, um den aufgeheizten Raum herunterzukühlen. Das braucht Wasser. Viel Wasser sogar.

Melbourne Pollinator Corridor

Im Siedlungsgebiet gehen Lebensräume für Tiere und Pflanzen schnell verloren, Verbindungsstrukturen werden gekappt. Kleine Flächen von hoher ökologischer Wertigkeit können Ausgleich schaffen. Idealerweise sind sie wie Trittsteinbiotope miteinander vernetzt . In Melbourne sind auf Initiative von Emma Cutting solche kleinen Lebensräume mit Bodendeckern, Gräsern, Sträuchern, Bäumen, Holzstämmen und Steinen entstanden. Ausgehend von den Botanischen Gärten, verbindet ein acht Kilometer langer Streifen die grünen Flächen bis zum Westgate Park. Benannt ist der „Pollinator Corridor“ nach Pollinatoren, also Tieren wie Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten, die Blüten bestäuben. „Wir freuen uns, dass viele Menschen uns unterstützen“, sagt der leitende Landschaftsarchitekt Andrew Laidlaw, „und Orte schaffen, an denen Tiere und Insekten nicht nur leben und gedeihen, sondern sich auch zwischen den Flächen bewegen können.“ Die Biodiversitäts-Initiative verbessere auch das Leben der Menschen in Melbourne.

Die größte Herausforderung sehen Experten deshalb darin, das kostbare Lebenselixier zu speichern und es den Pflanzen bei Bedarf wieder zur Verfügung zu stellen. Im Fachjargon spricht man von Schwammstädten. Das Prinzip kann man sich tatsächlich wie einen Schwamm vorstellen. Oberflächenwasser wird aufgesogen und dort gespeichert, wo es ankommt. Dazu müssen versiegelte und überbaute Flächen an Vegetationsflächen in direkter Nachbarschaft angeschlossen werden. Pflanzen und Bodenleben helfen beim „grünen Wassermanagement“.

Emma Cutting hat das Projekt eines Bestäuber-Korridors initiiert. In dem acht Kilometer langen Streifen durch die Stadt, der den Botanischen Garten als Hotspot der Biodiversität mit dem Westgate Park verbindet, fallen auch Pflegearbeiten an. Beim Rückschnitt der Lavendelbüsche setzt Emma auf die kräfteschonende Schnittleistung der Stihl Akku-Astschere ASA 20. | Foto: Stihl
Emma Cutting hat das Projekt eines Bestäuber-Korridors initiiert. In dem acht Kilometer langen Streifen durch die Stadt, der den Botanischen Garten als Hotspot der Biodiversität mit dem Westgate Park verbindet, fallen auch Pflegearbeiten an. Beim Rückschnitt der Lavendelbüsche setzt Emma auf die kräfteschonende Schnittleistung der Stihl Akku-Astschere ASA 20. | Foto: Stihl
Auf den begrünten Flächen wird Niederschlagswasser zurückgehalten und kann versickern. Substrat und Vegetation fördern die Verdunstung. Gibt es die Möglichkeit, Regenwasser zu sammeln und nach Bedarf wieder abzugeben, löst das viele Probleme. Denn Extremwetterereignisse nehmen zu. Wegen der höheren Temperaturen verdunstet mehr Wasser, das immer häufiger als Starkregen wieder auf die Erde prasselt. Die Folge sind überflutete Straßen und Häuser, überlaufende Kanäle und unterspülte Befestigungen. Auf der anderen Seite setzen Hitze- und Dürreperioden die Vegetation unter Stress. Beides zusammen zu denken, liefert einen Baustein im grünen Umbau der Städte. Und genau das passiert durch das intelligente Wassermanagement in Melbournes Botanischem Garten.

Regenerative Wassergewinnung

In Melbourne konnten sie dabei auf bestehende Strukturen zurückgreifen. „Bis in die 1930er Jahre wurde Wasser vom Yarra-Fluss hochgepumpt und in einem Reservoir gespeichert“, erzählt Andrew Laidlaw. Der Wasserspeicher ist ein kurioses Bauwerk, das wegen der vulkanartigen Form und nach seinem Erbauer Guilfoyles' Volcano heißt. Der „Vulkan“ selbst ragt acht Meter hoch und ist an seinem Rand über zwei kreisförmige Holzstege begehbar. Auf einer der vier Beobachtungsplattformen bleibt Andrew Laidlaw stehen und blickt über den Botanischen Garten mit den vielen Gewächsen, die das Wasser für ihre Ökosystemfunktionen brauchen, und es gleichzeitig lebendig halten. Seit der Reaktivierung und dem Umbau des Sammelbeckens werden 70 Megaliter Regenwasser von den Straßen in die Gärten umgeleitet. Das Besondere: „Wir lassen es durch Pflanzen reinigen. In unseren sogenannten ‘Floating Islands’ filtern Wasserpflanzen Nährstoffe heraus.“ Dabei zeigt er auf fünf künstlich angelegte grüne Inseln auf der Wasseroberfläche.

Die richtige Wahl des Pflanzenmaterials wird in Zukunft entscheidend sein für Anpassungen an veränderte klimatische Bedingungen. Ihr Wissen und die Erfahrungen mit Landschaftsnachfolge wie hier in den Drylands gibt der Botanische Garten gerne weiter . | Foto: Stihl
Die richtige Wahl des Pflanzenmaterials wird in Zukunft entscheidend sein für Anpassungen an veränderte klimatische Bedingungen. Ihr Wissen und die Erfahrungen mit Landschaftsnachfolge wie hier in den Drylands gibt der Botanische Garten gerne weiter . | Foto: Stihl
Noch im letzten Jahrhundert hatte man sich keine Gedanken über regenerative Regenwassernutzung gemacht. Guilfoyles' Volcano, das riesige Sammelbecken, war durch den Anschluss ans städtische Wassernetz überflüssig geworden. Doch mit dem neuen Millennium stellten die Klimaveränderungen die Gärten vor gewaltige Herausforderungen. Melbourne war gerade durch zehn Jahre extremer Trockenheit gegangen. Auf der anderen Seite der Extreme überfluteten Starkregen die Straßen. Überlegungen, das Bauwerk in einem historischen Kontext wiederzubeleben, gab es bereits Ende der 1990er. Doch erst durch Dürreperioden und Wasserrestriktionen richtete sich der Fokus auf ein zeitgenössisches Wassermanagement.

Modernes Wassermanagement

Wasser von den umgebenden Vororten wird in die Seen in den Botanischen Gärten von Melbourne geleitet. In einer bestimmten Abfolge nehmen diese ebenso das Regenwasser der umgebenden Landschaft auf. Kommt Starkregen bei Extremniederschlagsereignissen aus den umliegenden Straßen an, fließt es durch Schmutzfänger, die sogenannten Grobschadstofffallen (Gross pollutant traps). Dabei handelt es sich um Strukturen, die im Regenwasserentwässerungssystem installiert sind und große Ablagerungen, Abfälle und grobe Sedimente aus dem Regenwasserabfluss abfangen, bevor das Regenwasser schwerkraftgespeist dem Seerosen-Teich zufließt. Danach geht es durch die Farnschlucht, wo das fließende Wasser Sauerstoff aufnimmt. Von hier gelangt es durch den Central Lake zum malerischen Landschaftssee, der das Bild der Royal Botanic Gardens in Melbourne prägt. Hier angekommen, filtern „Floating Islands“, pflanzenbewachsene Inseln, Schadstoffe wie Nitrate heraus. Feuchtzonen mit Sediment-Teichen an der Mündung jedes Sees, reinigen das Wasser mittels physikalischer und chemischer Prozesse. Die Pflanzen der Wasserinseln werden regelmäßig geerntet und kompostiert. Ein nachhaltiger Kreislauf entsteht.

Für Andrew Laidlaw, den Landschaftsarchitekten, war die Umgestaltung auch eine willkommene Gelegenheit, die „historische Ästhetik einer Landschaft aus dem 19. Jahrhundert mit den Anforderungen unserer Zeit an Wasserschutz, ökologische Nachhaltigkeit, zeitgenössisches Pflanzendesign und die Annehmlichkeiten für Besucher zusammenzubringen“. Guilfoyles' Original-Entwurf bestand aus grünen Rasenflächen, die vom Rand des Vulkankegels wie Lava in den Seerosenteich flossen.

Guilfoyles' Volcano ist ein Wasserreservoir aus den 1920er/30er Jahren. Nach seiner Stilllegung wurde es 2010 reaktiviert. Mit seinen fünf „floating islands“, jenen von reinigenden Pflanzen bewachsenen Wasserfiltern, ist der „Vulkan“ heute ein zentraler Bestandteil des modernen Wassermanagements der Gärten. | Foto: Stihl
Guilfoyles' Volcano ist ein Wasserreservoir aus den 1920er/30er Jahren. Nach seiner Stilllegung wurde es 2010 reaktiviert. Mit seinen fünf „floating islands“, jenen von reinigenden Pflanzen bewachsenen Wasserfiltern, ist der „Vulkan“ heute ein zentraler Bestandteil des modernen Wassermanagements der Gärten. | Foto: Stihl
Da die hierfür erforderliche künstliche Bewässerung in Zukunft nicht aufrecht zu erhalten gewesen wäre, fließt in Andrew Laidlaws Re-Interpretation zwar ebenfalls wieder „flüssiges Magma“ von oben herunter, nur ist es diesmal ein Band von vielfarbigen Sukkulenten und anderen Pflanzen von dekorativem Blattschmuck, die mit extremer Trockenheit zurechtkommen. Die meisten stammen aus den Trockenregionen Afrikas, Süd- und Zentralamerikas sowie Australien. Sie stehen in einem Streifen mineralischen Mulchs aus gebrochenem Backstein, Dachziegeln und farbigen Steinbelägen, zwischen großen Basaltbrocken, die aussehen, als seien sie bei der Vulkanexplosion herausgeschleudert worden. Wieder ist man beim standortgerechten Pflanzen und einer Verzahnung unterschiedlichster Biotope, von denen jedes seine eigene Artenvielfalt beherbergt. Der positive Effekt biologischer Vielfalt auf Ökosystemfunktionen ist bewiesen. Biodiversitätsforscher vermuten sogar, dass es einen zusätzlichen Schub gibt, wenn viele unterschiedliche Bedingungen wie im Botanischen Garten von Melbourne zusammen vorkommen.

Aufenthaltsqualität durch Biodiversität fördern

Für die Menschen jedenfalls birgt der Aufenthalt in den verschiedenen belebten Bereichen noch eine ganz andere Dimension. „Indem wir uns im grünen Raum aufhalten, bekommen wir diese besondere Verbindung zum lebendigen Pflanzenstoff“, formuliert es Andrew Laidlaw. „Die Wissenschaft sagt uns, dass es eine ganze Menge Energie um diese Pflanzen gibt, die sich auf uns überträgt.“ Tatsächlich existieren Studien, die untersuchen wie unser Gehirn beispielsweise auf städtische Wälder und einen unterschiedlichen Grad an Artenvielfalt reagiert. Nachweislich stärken Natur und Grünflächen die psychische Gesundheit und verringern Stress.

Gedeiht die grüne Branche?

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Tiny Forests

Die Idee zu den „Mini-Wäldern“ stammt aus Japan und geht zurück auf den Pflanzensoziologen und Hochschulprofessor Akira Miyawaki (1928–2021). Im Prinzip handelt es sich um Haine aus schnell wachsenden Gehölzen möglichst heimischer Arten, die schon auf kleinen Flächen ab 100 Quadratmeter und bis 500 Quadratmeter eine kühlende Oase im städtischen Raum etablieren. Da Bäume und Sträucher natürliche Klimaanlagen darstellen, wird im urbanen Raum mittlerweile auf der ganzen Welt damit experimentiert. Auch in Melbourne hat die Bewegung der Tiny Forests winzige Wälder von drei auf drei Meter oder drei auf zehn Meter gepflanzt. Im Gegensatz zu vielen europäischen Varianten sind sie hier sehr dicht gesetzt und nicht dafür gedacht, dass Menschen sie betreten können.

Ob Drylands, Farnschlucht oder Regenwasserreservoir – in all diesen Bereichen öffnen die Botanischen Gärten in Melbourne damit ein Fenster zu dem, was das Leben in urbanen Stadträumen zum Positiven hin verändern kann. „Es begrünt unsere Städte und macht die Hitze erträglicher“, fasst der Landschaftsarchitekt zusammen. „Wenn wir mehr solcher grünen Oasen in unseren urbanen Hitzeinseln etablieren, schaffen wir Wohlfühlorte für Menschen.“

Herabfallende Blätter bläst ein Mitarbeiter mit dem Stihl Akku-Laubbläser BGA 250 vom sich durch die Drylands schlängelnden Weg und ermöglicht den Besuchern so eine barrierefreien Aufenthalt. | Foto: Stihl
Herabfallende Blätter bläst ein Mitarbeiter mit dem Stihl Akku-Laubbläser BGA 250 vom sich durch die Drylands schlängelnden Weg und ermöglicht den Besuchern so eine barrierefreien Aufenthalt. | Foto: Stihl
Und nicht nur der Homo sapiens ist auf die Lebensräume angewiesen. „Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass Gebiete der Biodiversität entstehen.“ Die allerdings müssen miteinander verbunden sein. Deshalb freut es Andrew Laidlaw umso mehr, dass eine private Initiative Trittsteinbiotope ausgehend vom Botanischen Garten, einem Hotspot der Biodiversität, über das ganze Stadtgebiet miteinander verknüpft. Im sogenannten Pollinator Corridor (siehe Info-Kasten), einem Korridor für Bestäuber, finden Insekten Blühstreifen, aber auch viele andere Spezies der Gliederfüßler von Spinnentieren bis zu Springschwänzen, Unterschlupf in begrünten Fassaden und Straßenzügen. So sind die Botanischen Gärten als grüne Lunge der Stadt nicht nur ein entscheidenden Grünfaktor geworden, dessen Artenvielfalt der Schlüssel zu einem gesünderen Leben in Melbourne sein kann, sondern auch Ausgangspunkt für weitere Grüngürtel in der Stadt.

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