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B_Iumweltbau

Klimaschutz beginnt unter der Erde

Grabenlose Rohrsanierung reduziert Fremdwasser – und senkt dadurch den Energieverbrauch in KlĂ€ranlagen und Pumpwerken nachhaltig. Am Beispiel der Baumaßnahme in Germering des AmperVerbandes zeigt sich, wie gezielte Sanierungsmaßnahmen an EntwĂ€sserungssystemen einen wirksamen Beitrag zur Energiewende leisten können.

Grabenlose Rohrsanierung: Fremdwasser reduzieren, Energie sparen, Grundwasser schĂŒtzen
Oberirdische Abwasserumleitung mittels Stahlrohrleitung (DN 300) wÀhrend der Bauarbeiten | Foto: Swietelsky Faber
WĂ€hrend sich der öffentliche Diskurs ĂŒber Klimaschutz und nachhaltige Energiegewinnung hĂ€ufig „nach oben“ richtet – etwa auf Windkraft- oder Solaranlagen – bleiben energetische Einsparpotenziale im Untergrund oft unbeachtet. Dabei kann insbesondere die gezielte Sanierung von EntwĂ€sserungssystemen wesentlich zur Energieeinsparung beitragen: Durch die Reduktion von Fremdwasser sinkt nicht nur der Energieverbrauch von KlĂ€ranlagen und Pumpwerken – auch das Grundwasser wird nachhaltig geschont. Vor allem in Regionen mit eingeschrĂ€nkter WasserverfĂŒgbarkeit gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung – auch im Hinblick auf den Schutz wertvoller Grundwasserreserven.

Ein Beispiel liefert der AmperVerband mit der grabenlosen Sanierung eines rund 1,4  km langen Abschnitts des Germeringer Hauptsammlers mit einem Innendurchmesser von 800  mm. Ziel der Maßnahme war die deutliche Reduktion der FremdwasserzuflĂŒsse ĂŒber Haltungen, SchĂ€chte und Anschlussleitungen.

Planung und Projektvorbereitung

Im FrĂŒhjahr 2023 wurde das IngenieurbĂŒro ISAS GmbH aus FĂŒssen mit der Planung, Ausschreibung und BauĂŒberwachung dieser technisch anspruchsvollen Maßnahme beauftragt. Die Herausforderung: Der Hauptsammler transportiert durchschnittlich 160  Liter Schmutzwasser (Trennsystem) pro Sekunde – bei hoher Fließgeschwindigkeit. Bedingungen, die besondere technische Lösungen erforderten.

Vorgefundene Schadensbilder: Betonrohr DN 800 – undichte Muffe bei Stat. 1,40 m | Foto: Swietelsky Faber
Vorgefundene Schadensbilder: Betonrohr DN 800 – undichte Muffe bei Stat. 1,40 m | Foto: Swietelsky Faber

Nachweis der Fremdwasserreduktion

Im Rahmen einer umfassenden Zustandsbewertung wurden zunĂ€chst die Hauptkanalinspektionsdaten analysiert. Um eine ganzheitliche Sanierung durchfĂŒhren zu können, sollten aus Sicht des Auftraggebers alle angrenzenden Anschlussleitungen in die Sanierungsplanung mit einbezogen werden. Aus dieser Maßgabe heraus erfolgte im Juli 2023 die Inspektion aller Hausanschlussleitungen, RevisionsschĂ€chte sowie sĂ€mtlicher HauptkanalschĂ€chte.

Auf dieser Basis entwickelte ISAS die Entwurfs- und anschließend die AusfĂŒhrungsplanung. Entscheidende Planungsgrundlagen – etwa zu den anfallenden Abwassermengen und der Lage der GrundstĂŒcksentwĂ€sserungsleitungen – stellte der AmperVerband zur VerfĂŒgung.

Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts war die enge Abstimmung mit der Verkehrsbehörde der Stadt Germering. Besonders fĂŒr den Auf- und Abbau der temporĂ€ren Abwasserumleitung waren Umleitungen, Vollsperrungen sowie Abstimmungen mit Polizei, MĂŒnchner Verkehrsverbund (MVV) und dem Busverkehr SĂŒdbayern detailliert zu koordinieren. Dabei galt es, zahlreiche Interessenskonflikte zu lösen und kritische Schnittstellen frĂŒhzeitig zu identifizieren. Die tagesgenaue und termintreue Umsetzung aller Maßnahmen bedeutete einen erheblichen Koordinationsaufwand fĂŒr alle Beteiligten.

Messwerte belegen Erfolg der Maßnahme

Zum Nachweis der Wirksamkeit der Sanierung wurden am Start- und Endschacht des Projekts Vergleichsmessungen durchgefĂŒhrt. Die Messungen fanden bewusst in den Nachtstunden zwischen 02:30 Uhr und 04:30 Uhr statt, um den Einfluss von TrockenwetterzuflĂŒssen möglichst exakt erfassen zu können. Der Vergleich der Messdaten aus den Jahren 2023 (vor Sanierung) und 2025 (nach Sanierung) zeigt eindrucksvoll das Ergebnis:

  • Trockenwetterabfluss Sommer 2023 (bereinigt*): 17,20  l/s
  • Trockenwetterabfluss Sommer 2025 (bereinigt*): 2,30  l/s
  • Reduzierter Fremdwasserzufluss: 14,90  l/s bzw. 53,65  mÂł/h

*Bereinigt: AbzĂŒglich Fremdwasser aus SeitenzulĂ€ufen.

Zum Nachweis der Wirksamkeit der Sanierung wurden am Start- und Endschacht des Projekts Vergleichsmessungen durchgefĂŒhrt. Hochgerechnet ergibt sich daraus eine jĂ€hrliche Einsparung von rund 470.000  mÂł Fremdwasser. | Foto: Swietelsky Faber
Zum Nachweis der Wirksamkeit der Sanierung wurden am Start- und Endschacht des Projekts Vergleichsmessungen durchgefĂŒhrt. Hochgerechnet ergibt sich daraus eine jĂ€hrliche Einsparung von rund 470.000  mÂł Fremdwasser. | Foto: Swietelsky Faber

Hochgerechnet ergibt sich daraus eine jĂ€hrliche Einsparung von rund 470.000  m3 Fremdwasser – ein beachtlicher Beitrag zur Energieeinsparung in KlĂ€ranlagen und Pumpwerken. Zum besseren VerstĂ€ndnis: Diese Menge entspricht dem jĂ€hrlichen Trinkwasserbedarf von rund 10.000 Menschen – auch wenn es sich beim Fremdwasser natĂŒrlich nicht um Trinkwasser handelt.

Im Zuge der Umsetzung der Sanierungsarbeiten wurde deutlich, dass eine Fremdwasserreduktion nicht nur den öffentlichen Teil des Schmutzwasserkanals betrifft. Eine Lokalisierung und Minimierung des Fremdwasserzulaufes aus den GrundstĂŒcksentwĂ€sserungsanlagen ist hier genauso wichtig. Der AmperVerband wird auch in diesem Bereich in den nĂ€chsten Jahren weiterhin AktivitĂ€ten vorweisen mĂŒssen.

Muffenabdichtung als SchlĂŒsselmaßnahme

Um die grabenlose Sanierung realisieren zu können, musste das Abwasser vollstĂ€ndig umgeleitet werden. HierfĂŒr kam eine oberirdische Stahlrohrleitung (DN 300), aufgestĂ€ndert in 4,50 m Höhe, zum Einsatz. Zwei Pumpstationen mit einer maximalen Förderleistung von jeweils bis zu 160  l/s (mit 97 % Sicherheit) gewĂ€hrleisteten einen unterbrechungsfreien Betrieb.

Vor dem Einbau des GFK-Schlauchliners in das vorhandene Betonrohr (DN 800) war eine manuelle Muffenabdichtung erforderlich. Ein Sanierungsmitarbeiter der ausfĂŒhrenden Firma Swietelsky-Faber dichtete jede einzelne Muffe mit Spezialmörtel ab – eine körperlich anspruchsvolle Arbeit, ausgefĂŒhrt auf einem Rollbrett im Kanal. Eine alternative Injektion im SPUR-Verfahren hĂ€tte unter den beengten PlatzverhĂ€ltnissen einen deutlich höheren Aufwand bedeutet. Daher fiel die Entscheidung bewusst zugunsten der manuellen AusfĂŒhrung mit Stopfmörtel. Die gesamte Vorabdichtung wurde innerhalb von nur drei Wochen erfolgreich abgeschlossen – ein zentraler Baustein fĂŒr den spĂ€teren Sanierungserfolg.

Sondervorschlag GFK-Schlauchliner

UrsprĂŒnglich war aufgrund des hohen Grundwasserstands und der daraus resultierenden KĂŒhlung des Altrohres ein Nadelfilzliner mit WarmwasserhĂ€rtung ausgeschrieben. Swietelsky-Faber unterbreitete jedoch einen Sondervorschlag fĂŒr den Einsatz eines GFK-Schlauchliners (glasfaserverstĂ€rkter Kunststoffliner), der mit erheblichen Vorteilen verbunden war:

  • Zum einen konnte die lĂ€rmintensive Wasserhaltung in den Nachtstunden abgeschaltet werden – eine spĂŒrbare Entlastung fĂŒr die Anwohner.
  • Zum anderen entfielen durch den Einsatz von GFK-Schlauchlinern aufwendige Baugruben vollstĂ€ndig.
  • Auch der Energieverbrauch stellte einen entscheidenden Vorteil dar: Das energieintensive Aufheizen des Warmwasserliners, das mehrtĂ€gige KĂŒhlen sowie die langen Laufzeiten der provisorischen Pumpanlagen konnten deutlich reduziert werden.
GFK-Schachtauskleidung | Foto: Swietelsky Faber
GFK-Schachtauskleidung | Foto: Swietelsky Faber

Um die Wirksamkeit des Sondervorschlags fachlich bewerten zu können, erteilte das IngenieurbĂŒro ISAS die Auflage, die Temperaturen von Altrohr und Schlauchliner wĂ€hrend der AushĂ€rtung ĂŒber die gesamte RohrlĂ€nge kontinuierlich zu ĂŒberwachen. Zum Einsatz kam das Vericure-System der Firma Vortex, das sowohl die durchgehende Temperaturkontrolle als auch die Steuerung der AushĂ€rtegeschwindigkeit ermöglichte. Dadurch ließ sich die AushĂ€rtung auch bei stark gekĂŒhlten Altrohren prĂ€zise an die lokalen Bedingungen anpassen.

Abschlussarbeiten

Die SchĂ€chte wurden abschließend mit verdĂŒbelten GFK-Platten ausgekleidet. Durch die Rohrabdichtung mittels Schlauchliner stieg der lokale Grundwasserspiegel an – ein Effekt, der die Montage des GFK-Laminats erheblich erschwerte. Das Einbauteam sah sich dadurch mit besonderen Herausforderungen konfrontiert: Jedes einzelne DĂŒbelloch musste vorab mit SPUR-Harz abgedichtet werden, um das Eindringen von Grundwasser zuverlĂ€ssig zu verhindern.

Die gesamte Maßnahme fand unter schwierigen Witterungsbedingungen statt. Dennoch kam es dank der hohen Einsatzbereitschaft der Sanierungskolonnen der Swietelsky-Faber GmbH zu keinerlei Ausfalltagen. Die Bauzeit wurde planmĂ€ĂŸig eingehalten – und das, obwohl unvorhersehbare Herausforderungen wie aufwĂ€ndige Vorabdichtungen sowie kurzfristige Anpassungen an behördliche Vorgaben zu bewĂ€ltigen waren. Trotz dieser Rahmenbedingungen blieb das Projekt innerhalb des kalkulierten Kostenrahmens.

Ein Projekt mit Vorbildcharakter

Das Projekt des AmperVerbandes zeigt exemplarisch, welches Potenzial in der grabenlosen Sanierung zur Reduktion von Fremdwasser liegt – nicht nur im Hinblick auf die Betriebskosten, sondern auch im Sinne eines nachhaltigen Ressourcenschutzes und der Energieeffizienz kommunaler Infrastrukturen.

"Leider wird im Allgemeinen bislang nur die Herstellungs- und AusfĂŒhrungsphase in den Umweltproduktdeklarationen betrachtet. WĂŒnschenswert wĂ€re es, wenn die hier beschriebenen enormen betrieblichen Effekte auch in den Lebenszyklusanalysen nach EN 15804 betrachtet werden wĂŒrden", sagt Jörg Brunecker, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Swietelsky-Faber GmbH. "Somit kĂ€men wir einem umfassenden Blick auf die Ökobilanz von Sanierungsmaßnahmen an EntwĂ€sserungssystemen also ,from Cradle to Cradle' deutlich nĂ€her. Klimaschutz beginnt nicht nur ĂŒber, sondern auch unter der Erde."

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Quelle: Swietelsky Faber


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