Historische Infrastruktur trifft Hightech
Die Stadt Bad Kissingen, UNESCO-Welterbe und traditionsreicher Kurort, setzt bei der Renovierung ihrer Abwasserinfrastruktur auf modernste grabenlose Technologien. Mit seiner Lage in bis zu 7,5 Metern Tiefe im stark befahrenen innerstädtischen Bereich und innerhalb des sensiblen Heilquellenschutzgebietes I stellte die Sanierung des ältesten Abwassersammlers Bad Kissingens, gebaut in den Jahren 1886 bis 1889 als Mauerwerk-Eiprofil 800/1200 mm, höchste Anforderungen an Planung und Bauausführung.

Im Zentrum des Projekts standen das lokal ansässige gesamtbeauftragte Ingenieurbüro Hoßfeld & Fischer sowie zur Eignungsleihe das Ingenieurbüro ISAS GmbH, das die vollständige Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung verantwortete und damit entscheidend zum sicheren und effizienten Ablauf dieser technisch anspruchsvollen Maßnahme beitrug.
Eine offene Bauweise kam bei dem rund 890 Meter langen historischen Eikanal unter den vorliegenden Rahmenbedingungen nicht infrage. Die Anforderungen an Technik, Verfahren und Bauüberwachung waren dementsprechend hoch. Neben dem sensiblen Schutzstatus erschwerten ein mäandrierender Leitungsverlauf, Einzugslängen von bis zu 250 Metern, der seitliche Einstieg über die gemauerten Schachtbauwerke, innerstädtische Verkehrsflächen sowie der fortlaufende Abwasserbetrieb die Umsetzung der Maßnahme erheblich.
Planung und Baulogistik: Präzision im Welterbe
ISAS übernahm die komplette Planung sowie die örtliche Bauüberwachung. Schwerpunkte lagen dabei in der Zustandsbewertung, der hydraulischen Bewertung, der Wahl des geeigneten Sanierungsverfahrens sowie der detaillierten Abstimmung aller logistischen Abläufe. Besonderes Augenmerk galt dabei der Koordination mit dem Tiefbaureferat und dem Abwasserbetrieb der Stadt Bad Kissingen, dem dortigen Betriebshof sowie den Anliegern, da eine ganzheitliche Sanierung unter Einbeziehung der angrenzenden Anschlussleitungen und der Schachtbauwerke umgesetzt werden musste.
Neben einer hohen fachlichen Expertise ermöglichen die durchgehend digitalen Prozesse bei ISAS eine präzise und stringente Bearbeitung komplexer Projekte wie diesem. Das Ergebnis war eine klare technische Festlegung auf ein UV-Lining-Verfahren mit Einsatz modernster GFK-Schlauchliner der Firma Reline. Insbesondere bei der Sanierung von Eiprofilen und Haltungsverläufen mit Bögen können gewickelte Schlauchliner aufgrund ihrer hohen Flexibilität ihre Stärke ausspielen.

Punktgenaues und materialschonendes Arbeiten mit Höchstdruck
Eine weitere, besondere Herausforderung, der sich die Projektbeteiligten stellen mussten, waren die in Teilabschnitten vorkommenden, vollflächigen Inkrustationen an den Innenwänden der 130 Jahre alten Bausubstanz. Um den Klinker des Abwasserkanals nicht weiter zu schädigen, wurde unter Zuhilfenahme eines Höchstdruck-Roboters und mit speziellen Düsen ein Abtrag der überwiegend aus Kalk bestehenden Ablagerungen vorgenommen. Die Haltungen, welche stark fremdwasserführend waren, wurden zudem vor den Liner-Arbeiten mit mineralischen Mörtelsystemen vorabgedichtet.
Smart-Liner-Technologie: Aushärtung mit vollständiger Temperaturkontrolle
Für die anschließende Sanierung erarbeitete ISAS eine leistungsorientierte Ausschreibung, die sämtliche technische Parameter, Qualitätsnachweise und verfahrensspezifische Anforderungen berücksichtigte. Während der Bauausführung, für die die Stadt das auf grabenlose Sanierung spezialisierte Unternehmen Swietelsky-Faber beauftragte, kontrollierte die örtliche Bauüberwachung die Sanierungsarbeiten, insbesondere die Einbau- und Härtungsprozesse.
Mit dem Alphaliner 1800H von Reline kam durch die doppelte Außenfolie sowie der Aufstellung von mindestens 350 mbar Innendruck das optimale Produkt zum Einsatz. Durch eine maßgenau produzierte Innenfolie sowie der Verwendung von Aramidseilen konnten alle Haltungen mit u.a. langgezogenen Bögen sowie einem S-Bogen erfolgreich saniert werden. Um die vollständige Durchhärtung des Laminats zu kontrollieren, wurde das System Syscribe verwendet. Zusätzlich wurde eine Einbaustrecke mit dem System Vortex parallel überwacht. Hierbei wurde ein Alphaliner verwendet, der bereits produktionsseitig über ein an der Laminataußenseite angebrachtes Streckentemperaturkabel zur Überwachung der Materialtemperatur über den gesamten Haltungsverlauf verfügt.
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Ein weiterer zentraler Baustein des ISAS-Qualitätsstandards ist die Materialprüfung der Liner-Proben: Neben den etablierten Tests zur Mechanik gehört dazu die Prüfung hinsichtlich ihres Reststyrolgehalts.
Vom historischen Sammler zum modernen Stauraumkanal
Parallel zur baulichen Sanierung wird der historische Sammler derzeit zu einem modernen Stauraumkanal umgebaut. Bestandteile des Gesamtkonzepts sind der Bau eines neuen Überlaufbeckens, die Installation automatisierter Drosseleinrichtungen sowie eine optimierte Steuerung des Zuflusses zur Kläranlage. Ziel ist eine nachhaltige Reduzierung von Mischwassereinleitungen in die Saale sowie die Erfüllung aktueller gesetzlicher Anforderungen an den Gewässerschutz.

Baustelle mit Strahlkraft
Die außergewöhnlichen Dimensionen des Eiprofilkanals sowie der testweise Einsatz der Smart-Liner-Technologie stießen auf großes Interesse innerhalb der Fachwelt. So nutzte der Standortleiter und Kundenbetreuer der ISAS GmbH Würzburg, Thomas Englisch, die Bauphase, um zahlreiche Kunden und Gäste auf der Baustelle zu begrüßen und einen Einblick in Einbau, Aushärtung und Qualitätssicherung zu ermöglichen.
Quelle: ISAS GmbH
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