Test Iveco eMoovy
Wie sich Elektro-Transporter eMoovy im GaLaBau schlägt

Darf’s eine Alternative zu Pritsche, Kipper oder Kastenwagen sein? Hier fährt ein außergewöhnlicher Newcomer mit Kofferaufbau vor, der auch für GaLaBauer einen Blick wert ist.

Das Aufmaß bleibt im Team, die Genauigkeit auf dem Platz
Effiziente GaLaBau-Vermessung: Der GNSS-Empfänger UNI-GR2 ermöglicht zentimetergenaue Aufmaße und digitale Dokumentation komplett in Eigenregie.
Die Welt der leichten Nutzfahrzeuge, auch Transporter oder weltläufig als LCV (Light Commercial Vehicles) betitelt, hält immer wieder Überraschungen bereit. Hier kreuzen Iveco und Partner Hyundai den extrovertierten Van-Faustkeil namens Staria mit einem eher lasterhaften Niederflur-Leiterrahmen und einem Leichtbau-Quader der Marke Spier. Das Ergebnis sieht schick aus, ist damit gut fürs Marketing und obendrein auch noch nützlich. Zum Beispiel für den geschützten Transport wertvoller Pflanzen oder aufwendiger Gartenbau-Elemente oder für Marktbeschicker im GaLaBau.
Fahrkomfort und Cockpit: Einsteigen wie im Pkw, Bedienen per Tasten
Beim Iveco eMoovy ist vieles anders als von herkömmlichen 3,5-Tonnern gewohnt, vor allem im Vergleich zum knorrigen Iveco Daily. Einsteigen in den eMoovy erinnert eher an Hineingleiten. Denn die Sitzposition ist niedrig. Sie passt perfekt. Es gibt reichlich Platz. Die Sessel sind bequem, zwischen den Vordersitzen dehnt sich ein großer Ablagekasten. Etwas klobig, aber wie die Türgriffe per Fausthandschuh zu bedienen, ist der mittige Tastaturklotz zur Wahl der Fahrtrichtung. Ein Tastendruck weckt die Technik. Die virtuellen Zeiger der digitalen Armaturen auf dem Instrumenten-Tablet schnellen hoch. Sie sind im sachlich-eleganten Kontrollraumstil gehalten. Der Monitor in Cockpitmitte ist für Grundfunktionen nicht notwendig. Aber die Touchflächen darunter für Klimatisierung und anderes verlangen einen konzentrierten Blick.
Fahrerüberwachung und Assistenzsysteme im Praxistest

Das führt unterwegs jedoch zu strengen Ermahnungen. Denn an Bord versteckt sich ein unnachgiebiger Fahrlehrer, unter anderem in Form einer Kamera auf der Lenksäule, also Augen geradeaus. Der unsichtbare Begleiter rupft auch heftig am Lenkrad, falls der eMoovy die Spurmitte verlässt, unangenehm auf kurvigen Landstraßen. Überdies hat der Wächter Sehprobleme angesichts von Tempobegrenzungen und Ortschildern. Die Sicht ist ohnehin so eine Sache im eMoovy, denn die ungeschützten Instrumente mögen keine tiefstehende Sonne, die Scheinwerfer sind funzelig und die kleinen Außenspiegel vom Staria mit ihrem mageren Sichtfeld nicht für ausgewachsene Transporter gemacht.
160 kW Elektroantrieb: Überragende Fahrleistungen und Rekuperation
Tief unter dessen Motorhaube steckt eine E-Maschine mit 160 kW (218 PS). Das führt beim wackeren Tritt aufs Fahrpedal zu wahren Leistungsexplosionen, egal, welcher der beiden Fahrmodi gewählt ist. Nie wetzte ein Transporter dieser Gewichtsklasse schneller im Standardsprint auf 100 Sachen, nie brauste einer flotter los bei der Zwischenbeschleunigung. Wer Transporter-Fahrer kennt, wünscht sich bei aller Fahrfreude eine Dämpfung des überschäumenden Temperaments. Im Zaum hält dies alles eine gut abgestimmte Rekuperation, mit vier Stufen einschließlich One-Pedal-Modus sowie eine flink ansprechende Bremse. Dem Antrieb ist das Thema Gewicht schnurz. Fracht im Heck spielt keine Rolle, wenn der Kia anreißt.
Hyundai ist für das Transporterfahrgestell von selbsttragender Bauweise auf einen Leiterrahmen mit starrer, blattgefederter und breitspuriger Hinterachse umgeschwenkt. Der eMoovy liegt in der Folge in Kurven wie ein Brett, federt indes ebenso unnachgiebig. Das ändert sich auch bei voller Beladung nicht grundlegend. Zu den Pluspunkten des Fahrwerks gehört die fein abgestimmte Lenkung.
Leichtbau-Koffer von Spier: Höchste Nutzlast und niedrige Ladehöhe

Der niedrige Rahmen umgreift das Batteriepaket zwischen den Achsen seitlich schützend. Es gibt nur einen Radstand – passt, oder passt nicht. Im Fall des Testwagens setzt Spier einen sowohl schlanken als auch leichten Koffer auf. Ohne Hilfsrahmen, daher beträgt die Ladehöhe hinten lediglich 520 Millimeter. Für Rollbehälter wäre eine Klapprampe geschickt, doch ein passendes Format hat Aufbauer Spier noch nicht entdeckt.
Der Aufbau des Typs Athlet Plus setzt sich aus 17-Millimeter-Wänden mit Außen- und Innenhaut aus GfK sowie einem Kern aus PE (Polyethylen) zusammen. Der Boden mit PU-Isolierung (Polyurethan) trägt eine rutschhemmende Oberfläche. Da das Fahrgestell lediglich rund zwei Tonnen wiegt und der Aufbau zu den Fliegengewichten zählt, dürfen Fahrer und Fracht zusammen knapp 1,2 Tonnen auf die Waage bringen, das ist ein Wort für einen E-Transporter dieses Formats. Eine Anhängelast ist indes nicht freigegeben und die knappen zulässigen Achslasten verlangen Aufmerksamkeit bei der Lastverteilung.
Stromverbrauch und 800-Volt-Ladetechnik des Iveco eMoovy
Trotz des recht flachen Aufbaus mit abgerundeten Kanten, einer Seitenverkleidung sowie der Begrenzung auf Tempo 120 bewegt sich der Stromverbrauch im Mittelfeld der Klasse. 28,5 kWh schluckte der beladene Testwagen im Schnitt. Er hätte niedriger ausfallen können, denn der Testwagen verzichtete auf den wahlweise aufgedoppelten Dachspoiler. Bei flotter Marschfahrt auf der Autobahn verstoffwechselt der eMoovy daher rund 40 kWh auf 100 Kilometern.
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Aber es steht ja „Einstiegsklasse für die City“ auf den Flanken, und Hatz auf der Autobahn gehört nicht zu den typischen Einsätzen im GaLaBau. Bei artgerechter Nutzung nähert sich der Konsum der Marke von 20 kWh. In der Stadt ist beim Hyundai-Händler auch der feine Staria anzutreffen, der angesichts des rustikaleren Transporters in der nahen Verwandtschaft ein wenig grimmig dreinschaut. Soll er doch, ab zum Ladepark, dank aufwendiger 800-V-Architektur rasch Strom bunkern.
Technische Daten zum Iveco eMoovy 35F16E
Motor | Typ: Permanentmagnet-Synchronmotor, vorn eingebaut Nennleistung: 160 kW (218 PS) Drehmoment: 350 Nm |
Kraftüber-tragung | Frontantrieb, feste Getriebeübersetzung, 2 Fahrmodi, 4 Rekuperationsstufen |
Batterie | Typ: Flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Traktionsbatterie Kapazität (nutzbar): 73,4 kWh Nennspannung: 800 V Ladesteckdose: frontseitig Ladeleistung: 11 kW mit On-Board-Ladegerät für Wechselstrom und Typ-2-Stecker Schnellladung serienmäßig: max. 350 kW über CCS-Stecker |
Fahrwerk | Vorderachse: Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen und unteren Dreiecks-Querlenkern, Stabilisator Hinterachse: starre Rohrachse mit Zweiblatt-Parabelfedern Reifen: 215/65 R 17 C |
Bremsen | Hydraulische Zweikreisbremse, vorn und hinten Scheibenbremsen, elektrischer Bremskraftverstärker, ESP mit ABS, ASR, Bremsassistent, elektronisch geregelte Bremskraftverteilung, Anfahrassistent Feststellbremse: mechanisch auf die Hinterräder wirkende, elektronisch betätigt |
Maße und Gewichte | Länge/Breite/Höhe: 5.550/2.020/2.370 mm Radstand: 3.500 mm Wendekreis: 13.100 mm Leergewicht Testwagen: 2.330 kg Nutzlast: 1.170 kg Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg Zul. Achslast vorn/hinten: 1.600/2.000 kg |
Testwerte | Beschleunigung: 0-50/80/100 km/h: 3,3/6,0/8,8 s Elastizität: 60-100 km/h: 5,0 s und 80-120 km/h (Kickdown): 7,1 s Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h Innengeräusche bei Stand/50/100 km/h: -/56/66 dB(A) Normverbrauch WLTP kombiniert: 30,2 kWh/100 km Testverbrauch beladen: 28,5 kWh/100 km |
Grundpreis netto | 58.199 Euro (inklusive Spier-Kofferaufbau) |
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