Iveco eDaily im Test: Elektrischer Daily mit Lkw-Genen
Mehr Lkw-Technik als bei klassischen Transportern: Der Iveco eDaily setzt auch als Stromer auf ein tragendes Chassis, hohe Zuglasten und robuste Technik. Der Test zeigt Stärken, Eigenheiten und typische Alltagsfragen eines elektrischen Arbeitstiers.

Beim eDaily gibt es etwas mehr Lkw-Technik. Das gilt generell für den Daily – ob Verbrenner oder Elektriker. Denn in beiden Fällen basiert er auf einem tragenden Chassis. Das gibt’s bei einem Transporter-Kastenwagen sonst nirgendwo. Auch auf die E-Variante mit einem Zentralmotor plus herkömmlicher angetriebener Hinterachse trifft das zu. Ein stämmiger und handfester Transporter also. Der als 3,5-Tonner zusätzlich 3,5 Tonnen zieht, ohne Einschränkung beim Gesamtzuggewicht.
Modellbezeichnung, Abmessungen und Laderaum im Test
Der Stromer fährt hier als eDaily 35S 14E V und 3520L H2 vor. Hinter dem Gewimmel aus Buchstaben und Zahlen steckt ein 3,5-Tonner in leichter S-Ausführung mit 140 kW Leistung, 3.520 Millimeter Radstand, langem Überhang und Hochdach. Macht sechs Meter Länge, einen kleinen Wendekreis und mit großzügiger Iveco-Kalkulation zwölf Kubikmeter Laderaum. Der liegt leer fast 700 Millimeter über der Straße, Folge der Chassis-Bauweise und strammer Federn, danke also für Trittstufe und Haltegriffe. Das Frachtabteil wirkt eher lässig gearbeitet, glänzt aber mit verdeckt verlegten Kabeln. Stichwort Höhe: Beladen sinkt die Bodenfreiheit unter den seitlichen Schutzkufen der Akkus auf 180 Millimeter, also Vorsicht bei Rampen.
Technische Daten: Iveco eDaily 35 S 14E V
Typ | Kastenwagen |
Grundpreis | Keine Angaben |
Motor | Permanentmagnet-Synchronmotor im Bereich Hinterachse Nennleistung: 140 kW Drehmoment: 400 Nm |
Kraftübertragung | Hinterradantrieb, feste Getriebeübersetzung, drei Fahrmodi, drei Rekuperationsmodi |
Batterie | Flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Traktionsbatterie, nutzbar 70 kWh, Nennspannung 400 V, Ladesteckdose frontseitig, On-Board-Ladegerät für Wechselstrom mit Typ-2-Stecker und 11 kW, serienmäßig auch schnellladefähig über CCS-Stecker mit max. 80 kW |
Fahrwerk | Vorderachse: Einzelradaufhängung an doppelten Querlenkern mit Querblattfeder, Stabilisator Hinterachse: starre Hypoidachse mit Einblatt-Parabelfeder Reifen 235/65 R 16 C |
Bremsen | Hydraulische Zweikreisbremse, vorn und hinten Scheibenbremsen (vorn innenbelüftet), ESP mit ABS, ASR, Bremsassistent, elektronisch geregelte Bremskraftverteilung, Anfahrassistent. Mechanisch auf die Hinterräder wirkende Feststellbremse, elektronisch betätigt. |
Maße und Gewichte | Länge/Breite/Höhe: 6.118/2.052/2.651 mm Radstand: 3.520 mm Wendekreis: 12.700 mm Leergewicht Testwagen: 2.815 kg Nutzlast: 685 kg Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg Zul. Achslast vorn/hinten: 1.900/2.240 kg Anhängelast bei 12% Steigung: 3.500 kg |
Testwerte | Beschleunigung: 0-50/80/100 km/h: 4,7/9,4/13,6 s Elastizität: 60-100 km/h: 8,4 s 80-120 km/h (Kickdown): 12,2 s Höchstgeschwindigkeit: 127 km/h Innengeräusche bei: Stand/50/100 km/h: -/57/68 dB(A) Normverbrauch WLTP kombiniert: 33,6 kWh/100 km Testverbrauch min./max.: 29,1/40,8 kWh/100 km |
Batteriepakete, nutzbare Kapazität und Garantie im Praxistest

Die Batteriebestückung des Testwagens setzt sich aus zwei Paketen à 37 kWh brutto zusammen. Iveco bietet auch ein einzelnes Paket an, ein Fall für die City. Die technisch mögliche Variante mit drei Paketen steht aus Gewichtsgründen nicht auf der Speisekarte. Beachtlich: Der eDaily nutzt 95 Prozent seiner Batteriekapazität, also 70 kWh. Abgesichert durch eine beruhigende Garantie über 250.000 Kilometer auf 80 Prozent der Kapazität.
Zuladung, Anhängerbetrieb und Achslasten im Testalltag
In Testausführung schultert der eDaily mit Anhängerkupplung, verkleidetem Laderaum, Doppel-Beifahrersitzbank und ein paar Annehmlichkeiten knapp 700 Kilo Fahrer und Fracht. Nicht üppig, aber üblich für E-Transporter dieser Tonnage. Ausweg wäre der Griff zum 3,8-Tonner, sofern es der Führerschein hergibt und Verkehrsbeschränkungen nicht stören. Reserven bieten bereits die hohen Achslasten.
Ladeprobleme und Schnellladen im Praxistest

Trotz handfester Technik gab sich der Testwagen indes anfangs kapriziös. Es kam zu Problemen beim Aufladen der Batterie. Ob an der Ladesäule oder der heimischen Wallbox. Das lag zunächst an einer technischen Einstellung, es folgten nicht zu ortende Probleme. Bis plötzlich alles wie am Schnürchen klappte. Wie vorgesehen im Ladepark mit aller Ruhe und maximal 80 kW. Was Iveco so Schnellladen nennt, ist eher gemächlich. Zwischen Himmel und Erde oder Ladesäule und Transporter geschehen mitunter merkwürdige Dinge.
Fahrerplatz, Bedienung und Assistenzsysteme im Test

Der Fahrerplatz liegt hoch, das Cockpit hat optisch Schwung, die Materialqualität ist angemessen, die Rückwand verkleidet. Der Fahrer sitzt bequem, etwas mehr Längsverstellung wäre entgegenkommend. Große Außenspiegel, reichlich Ablagen bis zur üppigen Sitztruhe, gut so. Auch ein eDaily ist ein Daily. Die digitalen Armaturen lassen sich konfigurieren und ordentlich ablesen, sie verteilen sogar Komplimente für Wohlverhalten am Steuer. Jedoch nervt die verästelte Bedienung des mittigen Displays, da nach jedem Start mühsam der Bordrechner aus den digitalen Tiefen ausgebuddelt werden muss. Ärgerthema beim Testwagen: Die übermäßige Tachovoreilung über den gesamten Geschwindigkeitsbereich führte zu lästigen Warnungen nach jeder Tempobegrenzung. Ohnehin neigt der eDaily zu Alarmismus, gibt etwa aufgeregt Laut beim doppelspurigen Abbiegen vor Verkehr nebenan, und der Rückfahr-Notbremser reagiert mitunter schreckhaft. Auch mit der Verkehrsschilderkennung hat’s der eDaily nicht so. Mit all dem ist er nicht allein – moderne Zeiten im Transporter-Klassiker.
Fahrmodi und Leistungsabstufung im Praxistest
Und der einzigartige Antrieb? Es gibt per Tastendruck drei Fahrmodi mit 90 kW, 115 kW und 140 kW. Beim Start wählt der eDaily stets die mittlere Variante, ebenso für die Rekuperation. Damit fährt sich’s selbst beladen und an Steigungen angenehm. Ist der eDaily doch mit seinem etwas wankelmütigen Fahrwerk weder Rennpferd noch Kurvenkratzer, sondern im Idealfall majestätisch-gelassen und freundlich mit dem Vorderwagen nickend unterwegs. Auf schlechten Pisten bebt dann der Aufbau. Ist Volldampf gefragt, reicht im Unterschied zu Transporterkollegen nicht der Tritt aufs Fahrpedal, jetzt muss die Powerstufe her.
Verbrauch und Alltagseinsatz im Test

Die Grundeinstellung verhindert somit Beschleunigungsorgien und begrenzt den Stromverbrauch. Der fiel beladen auf der Testrunde mit 29,1 bis 40,8 kWh auf 100 Kilometer und einem Schnitt von 35,6 kWh nicht eben niedrig aus. Jedoch kämpfte der hochaufgeschossene Testwagen zeitweilig mit schwerem Wetter. Ein eDaily als kerniger Truck muss wie seine Besatzung in dieser Branche auch dann raus, wenn andere sich in der Garage oder am Ofen wärmen. Es darf eben immer etwas mehr sein, gern auch Arbeit und Anstrengung.
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