Fahrbericht
Bau-Stromer mit Stern: Mercedes-Benz Trucks formiert Bau-Flotte neu

Die Schwaben formieren ihre Bau-Flotte neu und fügen den elektrifizierten eArocs 400 ins Portfolio ein. Ihn und weitere Lösungen für den Bau zeigen sie im leichten Offroad-Parcours des Coreum in Stockstadt am Rhein.
Mit einem nahezu lückenlosen Fahrzeugprogramm vom leichten Straßenkipper auf Atego-Basis bis zum Schwerstarbeiter in Form einer SLT-Schwerlastzugmaschine untermauert Mercedes-Benz Trucks seinen Anspruch als europäischer Marktführer im Baugewerbe. Während bewährte Diesel-Klassiker wie der Arocs mit raffinierten Antriebstechniken für unverwüstliche Traktion im schweren Gelände sorgen, läutet der batterieelektrische Vierachser Mercedes eArocs 400 eine neue, emissionsfreie und flüsterleise Ära ein.

Erster Bau-Stromer von Mercedes-Benz Trucks
Den hellblauen Elektro-Truck mit Meiller-Dreiseitenkipper dürfen die Pressevertreter während der „Mercedes-Benz Trucks Offroad Experience 2026“ in Stockstadt am Rhein erstmals selbst durchs Gelände steuern. Der erste Bau-Stromer der Schwaben nutzt wesentliche Kernkomponenten der Fernverkehrs-Modelle eActros 600 und 400. Dazu zählen Frontbox, LFP-Akkus (Lithium-Eisenphosphat) sowie der Nebenantrieb ePTO oder mPTO (Power Take-Off).
CeTrax statt E-Achse für mehr Bodenfreiheit
Bei der Antriebsarchitektur geht der Hersteller aber einen völlig eigenständigen Pfad. Die typische E-Achse wie bei den reinen Straßenrollern schied für die Konstrukteure aufgrund mangelnder Bodenfreiheit und fehlender Geländetauglichkeit frühzeitig aus. Die Entwickler vertrauen stattdessen auf den kompakten Zentralantrieb CeTrax aus dem Hause ZF. Dieser verfügt über ein integriertes Dreiganggetriebe und leitet die Kraft über klassische Gelenkwellen an die bekannten Hypoid- oder Außenplaneten- Tandemhinterachsen weiter. Diese spezielle Konstruktion garantiert dem vollelektrischen Vierachser eine brauchbare Bodenfreiheit, die selbst unter dem tiefsten Punkt des Stabilisators noch erstaunliche 27 Zentimeter misst.
eArocs 400 mit bis zu 612 PS
Die reinen Fahrleistungen des zentral verbauten Elektromotors setzen Maßstäbe im schweren Baustellen-Segment. Mit einer kontinuierlichen Dauerleistung von 380 kW (517 PS) und einer Spitzenleistung von 450 kW (612 PS) deklassiert der emissionsfreie Antrieb beim zügigen Anfahren so manchen hubraumstarken Verbrenner. Der Fahrer profitiert im Gelände vom augenblicklich anliegenden maximalen Drehmoment und kann das Fahrzeug bei Bedarf über die zuschaltbaren Längs- und Quersperren dirigieren. Moderne Assistenzsysteme wie der Active Brake Assist 6, der Active Sideguard Assist 2 und der Frontguard Assist garantieren ein hohes Maß an passiver und aktiver Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.
Hohe Reichweite auch im Gelände

Die voluminösen Energiespeicher des eArocs 400 sind nicht wie üblich zwischen den Achsen montiert, sondern als markanter und optisch präsenter Batterieturm direkt hinter dem Fahrerhaus aufgestapelt. Die beiden Batteriepakete bieten gemeinsam 414 kW Bruttokapazität, von denen immerhin rund 400 kW tatsächlich nutzbar sind und im reinen Straßenbetrieb für eine theoretische Reichweite bis zu 400 Kilometern genügen. Da der Geländeeinsatz jedoch deutlich mehr Energie erfordern, gibt der Hersteller für einen Dreiseitenkipper im straßennahen Baueinsatz eine reduzierte Reichweite von rund 240 Kilometern an. Sollte diese Distanz für die täglichen Umläufe nicht ausreichen, ermöglicht das hochmoderne 800-V-Bordspannungssystem kurze Ladezeiten. Über die praktischerweise beidseitig verbauten CCS2-Ladebuchsen fließen bis zu 400 kW, womit die massiven Akkus in einer regulären Lenkzeitunterbrechung von lediglich 45 Minuten zügig von 20 auf 80 Prozent gefüllt sein sollen.

Gewohntes Cockpit mit Elektro-Update
Kompromisse bei Länge und Nutzlast
Allerdings erfordert der eArocs deutliche Kompromisse bei der Aufbaulänge und der Nutzlast. Der Batterieturm hinter dem Fahrerhaus braucht viel Bauraum, der nur durch mehr Gesamtlänge, verlängerten Radständen und größeren Wendekreisen erkauft werden kann. Hinzu kommt, dass die Akkus selbst gut und gerne bis zu 3,0 Tonnen wiegen, was die Nutzlast gegenüber einem vergleichbaren Diesel-Arocs in 8x4-Ausführung um rund 2,5 bis 2,7 Tonnen reduziert. Anders als bei den E-Sattelzügen mit bis zu 42 t Gesamtzuggewicht zum Ausgleich für die schweren Akkus bekommen die elektrisch betriebenen 32-Tonner aktuell noch keinen Elektroantriebsbonus zugeschrieben und müssen ihr Gewicht halten.
Klassischer Arocs in etlichen Varianten

Neben dem Neuzugang auf Elektrobasis zeigt auch der Klassiker Mercedes-Benz Arocs mit seinem hohen Variantenreichtum und ausgefeilter Technik sein Können. Mit insgesamt 58 verschiedenen Grundbaumustern, vier Basismotoren in 18 feingestuften Leistungsstufen und sieben unterschiedlichen Fahrerhaustypen in 14 Varianten deckt der schwere Bau-Profi mit Verbrenner nahezu jede denkbare Kundenanforderung ab. Sein stabiles und verwindungsfähiges Chassis bildet die solide Grundlage für hohe Zuladungen und unterschiedlichste Aufbauten, die vom klassischen Dreiseitenkipper über den Hinterkipper und schwere Fahrmischer bis hin zu komplexen Abroll- sowie Absetzkippern reichen.
Vom Zweiachser bis zur Schwerlastzugmaschine
Die Antriebspalette des Herstellers umfasst dabei die überaus robusten Reihensechszylinder der Baureihen OM 936, OM 470, OM 471 sowie OM 473. Diese Aggregate bieten in der aktuellen Euro VI Step E-Spezifikation aus 7,7 bis hin zu 15,6 Litern Hubraum ein extrem breites Leistungsspektrum, das von 175 bis 460 Kilowatt beziehungsweise 238 bis 625 Pferdestärken reicht. Für eine exakte Anpassung an das jeweilige Einsatzprofil bietet das Werk den Arocs in zahllosen Radformeln an, beginnend bei den wendigen Zweiachsern 4x2 und 4x4 über dreiachsige 6x2-Varianten mit Nach- oder Vorlaufachse bis hin zu den überaus traktionsstarken 6x4- und 6x6-Ausführungen. Die Liga der schweren Vierachser ist mit 8x2-Modellen inklusive Nachlaufachse, vielseitigen 8x4-Fahrgestellen sowie den kompromisslosen Allrad-Fahrzeugen 8x6 und 8x8 ebenso kompetent besetzt. Reicht diese beeindruckende Werksvielfalt nicht aus, setzt die Abteilung Custom Tailored Trucks im elsässischen Molsheim hochgradig individuelle Sonderwünsche um, die bis hin zu gigantischen Schwerlastzugmaschinen mit drei, vier oder fünf Achsen für bis zu 250 Tonnen Gesamtzuggewicht reichen.
Arocs 2653 6x6 Dreiseitenkipper mit Turbo-Retarder-Kupplung

Schwerlastzugmaschinen Actros SLT und Arocs SLT

Während es den Actros SLT ausschließlich als 6x4- und 8x4-Variante gibt, lässt sich der Arocs SLT vom 6x4 bis hin zum 8x8 in fünf Achskonfigurationen darstellen. Den Schwerpunkt bilden die Vierachser mit 41 beziehungsweise bis 48 Tonnen technisch zulässiges Gesamtgewicht, die in dieser Kategorie Fahrzeug durchaus üblich sind. Alle SLT-Modelle erlauben im Verbund bis zu 1.000 Tonnen technisches Gesamtzuggewicht.
Arocs 1853 mit hydrostatischem Vorderradantrieb

Arocs 3253 K 8x4/4 als Sondermodell

Bei dem Fahrevent darf auch der klassische Arocs 3253 K 8x4/4 nicht fehlen. In der limitierten Extent-Sonderausführung sorgt er optisch für viel Aufsehen. Der Dreiseitenkipper besticht durch seine exklusive Metallic-Lackierung im Farbton „Wettergrau matt“. Zusätzlich sorgen die spezielle Beklebung von Frontklappe und Sonnenblende für hohen Wiedererkennungswert. Zusätzlich sorgen die schwarze Blende hinterm Mercedes-Stern in Dark-Chrome, Achs- und Radmutternschutzkappen aus schwarzem Edelstahl sowie LED-Scheinwerfer und LED-Zusatzscheinwerfer in der Sonnenblende für Schick.
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➡️ Lesetipp: Mercedes Arocs Extent 2653 im B_I-Fahrbericht
Der Wechsel auf den Vierachser fällt leicht. Lenkung, Schaltung, Dauerbremse und Sperren-Drehschalter – alles von den Dreiachsern bekannt. Der teilbeladene Vierachser zeigt, dass man mit 530 PS aus im Gelände auch ohne Allradtechnik weit kommen kann. Der 32-Tonner mit 4,25 Meter Radstand leistet sich kaum Schwächen. Wird der Untergrund schwierig, helfen Längs- und Quersperren am hinteren Doppelachsaggregat schnell weiter. Die darf der Fahrer im Stand oder während langsamer Fahrt einlegen. Unter Volllast sollte er das aber tunlichst vermeiden. Welche Sperren gerade aktiv sind, zeigt eine Fahrgestellgrafik im farbigen Fahrerdisplay an.
Ikonisch: Der Unimog wird 80
Für die vielfältigen Aufgaben weit unterhalb der schweren Vierachser schickt Mercedes seine leichtere Garde ins Rennen: einen Arocs 2240 4x4 Kipper und einen Unimog U 5023 in Feuerwehr-Ausführung. Beide Allradler zeigen sich äußerst durchzugsstark und geländegängig. Besonders der Unimog, der in diesem Jahr sein stolzes 80-jähriges Jubiläum feiert, kennt auch abseits der Straßen kaum Grenzen. Mit seiner extremen Verwindungsfähigkeit, den Portalachsen, der hohen Bodenfreiheit und Wattiefe bis 1,20 Meter überwindet die Ikone fast jedes Hindernis und bringt schweres Material und bis zu sieben Personen an entlegenste Orte.
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