Verbände schlagen Alarm: Wohnungsbau droht zu kollabieren
Auf dem Wohnungsbautag in Berlin zog das Verbändebündnis Wohnungsbau eine düstere Bilanz: Der deutsche Wohnungsmarkt ist eingefroren, der Neubau befindet sich im freien Fall und die Politik agiert zu zögerlich. Mit einem dringenden Appell und einem konkreten 4-Punkte-Programm fordert die Branche ein sofortiges Umsteuern, um den drohenden Kollaps abzuwenden und bezahlbaren Wohnraum zu sichern.


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Kostenexplosion und Zinswende: Die Treiber der Baukrise
Die Hauptursachen für die Misere sind klar benannt. Die Gestehungskosten für den Neubau in Großstädten liegen inklusive Grundstück mittlerweile bei rund 5.400 Euro pro Quadratmeter. Dies erzwingt Kaltmieten von mindestens 18 Euro, die für Durchschnittsverdiener nicht mehr tragbar sind. Verschärft wurde die Lage durch den rapiden Zinsanstieg seit 2022, auf den die Politik nicht mit adäquaten Förderinstrumenten reagiert hat. Das Ergebnis: Eine Welle von auslaufenden Baugenehmigungen und ein schrumpfender Bauüberhang, die die "Fertigstellungsreserve" der kommenden Jahre aufzehren.
Ein Vier-Punkte-Plan für die Bauwende: Das fordert die Branche
Um eine Trendwende einzuleiten, präsentierte das Verbändebündnis ein Vier-Punkte-Programm mit klaren Forderungen an die Bundesregierung:
- Baukosten reduzieren: Durch die schnelle, rechtssichere Einführung eines neuen "Basisstandard Wohnen" nach dem Vorbild des "Gebäudetyp-E" (Einfaches Bauen). Dieser Standard soll alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen, aber auf kostspielige und wartungsintensive Extras verzichten.
- Förderungen fokussieren: Staatliche Fördergelder müssen gezielt in den sozialen und bezahlbaren Wohnraum (Mieten zwischen 8,50 und 12,50 Euro/m²) gelenkt werden.
- "Fast Lane" für das Bauen: Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen radikal beschleunigt werden, um den bürokratischen Abbau voranzutreiben und den Wohnungsbau zu priorisieren.
- Bundesstatistik der Baubeginne: Eine neue, monatliche Statistik soll die tatsächlichen Baubeginne erfassen, um der Politik ein zeitnahes und präzises Steuerungsinstrument an die Hand zu geben.
"Gebäudetyp E": Hoffnungsträger für bezahlbares Bauen
Als zentraler Lösungsansatz kristallisierte sich das Konzept des "Gebäudetyp E" heraus. Es steht für ein einfacheres, schnelleres und kostengünstigeres Bauen mit robuster Substanz und geringem Instandhaltungsaufwand. Die Verbände appellieren an Bund und Länder, diesen Ansatz durch eine rechtliche Absicherung zu unterstützen und als neuen Standard zu etablieren. Initiativen in Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Bayern und Hamburg zeigen bereits, dass dieser Weg erfolgreich sein kann. Fazit des Wohnungsbautags: Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Die Branche stellt die Frage: „Worauf wartet Deutschland?“
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