Digitalisierung am Bau
„Ohne Durchgängigkeit bleibt BIM ein leeres Versprechen“

Die Digitalisierung der Bauwirtschaft tritt auf der Stelle. Viele mittelständische Unternehmen haben massiv investiert, doch der Produktivitätsgewinn bleibt aus. Daniel Jonas, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB), sieht die Ursache bei den öffentlichen Auftraggebern.
Seit Jahren diskutiert die deutsche Baubranche über digitale Prozesse, in der Fläche jedoch zeigt sich kaum eine spürbare Produktivitätssteigerung. Dass der Mittelstand bei diesem Thema "nachsitzen" müsse, weist Daniel Jonas entschieden zurück. Der BVMB-Geschäftsführer sieht die mittelständische Bauwirtschaft als Opfer unklarer Rahmenbedingungen. „Viele Unternehmen investieren seit Jahren in digitale Technologien und bauen Kompetenzen auf“, so Jonas. „Was häufig fehlt, ist nicht Motivation, sondern ein Umfeld, in dem Digitalisierung auch wirken kann.“
Fehlende Verbindlichkeit bei öffentlichen Auftraggebern
Jonas lokalisiert das Hauptproblem bei den Auftraggebern und der Bauverwaltung. Digitalisierung werde auf Baustellen oft nur als optionale Maßnahme oder isoliertes Pilotprojekt behandelt. „Ohne klare Anforderungen, ohne Standards und ohne Kontinuität entsteht kein Produktivitätsgewinn“, kritisiert er. Eine inkonsequente Digitalisierung führe in der Praxis lediglich zu Doppelarbeit, Medienbrüchen und einem massiven Koordinationsaufwand.
Besonders die öffentliche Hand nimmt er in die Pflicht. Wenn Auftraggeber digitale Leistungen zwar in Vergaben verlangen, diese aber nicht eindeutig definieren oder angemessen vergüten, entstehe Unsicherheit. In der Folge investieren Bauunternehmen auf eigenes Risiko – oder ziehen sich mangels Wirtschaftlichkeit aus solchen Projekten zurück, sagt Jonas.
BIM als Insellösung ohne Durchgängigkeit
Exemplarisch zeigt sich diese Problematik bei der Einführung von Building Information Modeling. Viele Mittelständler hätten sich frühzeitig auf den Start des BIM-Regelbetriebs ab 2025 eingestellt und entsprechend in Software und Schulungen investiert. Die Ernüchterung in der Praxis sei jedoch oft groß, da die digitalen Modelle in der Ausführungsphase nur eingeschränkt nutzbar seien.
„Modelle werden gut geplant, aber Anforderungen aus der Bauausführung und dem Betrieb werden in frühen Phasen nicht ausreichend berücksichtigt“, erklärt Jonas. Solange die Daten und Perspektiven von Planern, Baufirmen und Betreibern nicht konsequent zusammengeführt würden, bleibe BIM eine ineffiziente Insellösung.
Hausaufgaben für das System Bau
Um die Digitalisierung am Bau in einen echten Produktivitätstreiber zu verwandeln, fordert Jonas ein strategisches Umdenken aller Beteiligten. Die Bauwirtschaft müsse sich vom bloßen „Tool-Aktionismus“ verabschieden und den Fokus auf saubere Datenstrukturen legen. Er plädiert für eine Verbindlichkeit in den Verträgen: „Digitalisierung lässt sich am Bau nicht im Alleingang umsetzen. Wenn das gelingen soll, muss man es gemeinsam gestalten – mit klaren Regeln, nachvollziehbaren Anforderungen und realistischen Erwartungen.“ Wenn digitale Methoden den Baualltag spürbar entlasten und Prozesse vereinfachen würden, löse sich auch die oft zitierte Skepsis der Mitarbeiter auf den Baustellen von selbst.
Positives Beispiel: Pilotprojekt
Dabei gibt es durchaus auch positive Beispiele. Bei einem Pilotprojekt auf der B71 in Sachsen-Anhalt etwa führten durchgängige BIM-Workflows zu einer deutlich früheren Verkehrsfreigabe. Dazu bedurfte es aber eines intensiven Engagements aller am Bau Beteiligten vom Auftraggeber, der Bauüberwachung, den Vermessungsexperten bis hin zu den Bauleitern und Schachtmeistern.
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