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Bis zu 500 Milliarden Euro: EU-Ausschreibung für serielles Sanieren gestartet

Bis zu 500 Milliarden Euro: EU-Ausschreibung für serielles Sanieren gestartet
Milliardenmarkt serielles Sanieren: Die Wohnungswirtschaft startet eine europaweite Ausschreibung für standardisierte Gebäudesanierungen. | Foto: Energiesprong/Felix Zahn

Die deutsche Wohnungswirtschaft und die Bauindustrie wollen die energetische Modernisierung von Bestandsgebäuden durch Standardisierung beschleunigen. Der Spitzenverband GdW hat dazu die europaweite Ausschreibung für die neue Rahmenvereinbarung „Serielles Sanieren 1.0“ veröffentlicht.


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Die geplante Rahmenvereinbarung soll Wohnungsunternehmen den direkten Zugriff auf standardisierte, industriell vorgefertigte Modernisierungslösungen aus einer Hand erleichtern. Das Vorhaben wird vom Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Deutschen Energie-Agentur (dena) getragen. Die Schirmherrschaft und fachliche Begleitung übernehmen das Bundeswirtschafts- sowie das Bundesbauministerium.

Bestandssanierung: Vom Einzelprojekt zum großen Maßstab

„Mit der Rahmenvereinbarung wollen wir das serielle Sanieren vom Einzelprojekt in die breite Anwendung bringen. Standardisierte Prozesse und industrielle Vorfertigung ermöglichen schnellere Abläufe, besser planbare Kosten und einen effizienteren Einsatz knapper Kapazitäten. Damit schaffen wir einen wichtigen Hebel, um den Gebäudebestand bezahlbar, klimafreundlich und in großem Maßstab zu modernisieren“, erläutert GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser das strategische Ziel der Ausschreibung.

Neue Wertschöpfungspotenziale für die Bauwirtschaft

„Millionen Bestandsgebäude mit einem eher unzureichenden energetischen Zustand sind die Herausforderungen vieler Städte und Gemeinden. Um die Klimaziele bis 2045 im Bestand zu erreichen, benötigen wir bautechnische Lösungen, die Geschwindigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit vereinen", so Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des HDB. Das serielle Sanieren schaffe skalierbare Sanierungskonzepte für ganze Quartiere und Wohnungsportfolios. Damit entstünden neue Investitionsperspektiven für Bauunternehmen, Hersteller und Planer, prognostiziert Müller.

Marktvolumen von 500 Milliarden Euro

Bislang wurden in Deutschland durch serielles Sanieren schätzungsweise rund zwei Milliarden Euro umgesetzt. Die dena rechnet mit einem massiven Wachstum in den kommenden zwei Jahrzehnten. „Serielles Sanieren zahlt nicht nur in den Klimaschutz ein, sondern hat sich vom Nischensegment zum Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft entwickelt", erläutert Nico Gorsler, Teamleiter des dena-Kompetenzzentrums Serielles Sanieren. Bis 2045 könnte sich das Marktvolumen auf 500 Mrd. Euro erhöhen. Zudem habe serielles Sanieren positive Effekte auf den Arbeitsmarkt: „Neue Qualifikationen sind gefragt, neue Jobs entstehen, der Mittelstand und ganze Regionen können davon profitieren“, so Gorsler.

Vergabeverfahren: Teilnahmewettbewerb und funktionale Ausschreibung

Im ersten Schritt der Ausschreibung reichen interessierte Bauunternehmen, Planer und Konsortien ihre Unterlagen für einen vorgeschalteten Teilnahmewettbewerb ein. Nach erfolgreicher Qualifikation fordert die Vergabestelle die Bieter zur Abgabe konkreter Angebote auf. Grundlage der Ausschreibung ist eine funktionale Leistungsbeschreibung, bei der integrierte Gesamtlösungen gesucht werden.

Aufteilung in Regionen und Effizienzhaus-Klassen

Die europaweite Ausschreibung gliedert sich in vier geografische Angebotsregionen und vier technische Fachlose. Letztere umfassen die reine energetische Sanierung der Außenwand sowie die vollständige Sanierung auf den Effizienzhaus-Niveaus EH85, EH70 und EH55. Bieter können ihre Angebote anhand von fünf vordefinierten Stellvertretergebäuden kalkulieren. Bewerbungen sind gezielt für einzelne Gebäudetypen, Regionen oder Fachlose möglich.

Die detaillierten Ausschreibungsunterlagen und Teilnahmebedingungen sind direkt auf der zentralen EU-Plattform für öffentliche Ausschreibungen abrufbar: Ausschreibungsdetails auf TED (601595-2026).

Was versteht man unter „seriellem Sanieren"?

Begriff

Serielles Sanieren (Energiesprong-Prinzip)

Das Konzept

Die energetische Modernisierung von Gebäuden unter Verwendung von digitaler Vorplanung (BIM) und industriell vorgefertigten Elementen (z.B. kompletten Fassaden- und Dachmodulen inklusive integrierter Haustechnik).

Der Ablauf

Das Bestandsgebäude wird dreidimensional gescannt. Auf dieser Basis werden die Fassadenelemente im Werk präzise maßgeschneidert und auf der Baustelle innerhalb weniger Tage wie eine zweite Haut montiert.

Die Vorteile

Enorme Bauzeitverkürzung: Da die Arbeiten auf der Baustelle auf ein Minimum reduziert werden, sinken die Lärmbelastung und die Beeinträchtigung für die Mieter im bewohnten Zustand erheblich.


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