Baurobotik
CFLab startet Forschungsbetrieb für automatisiertes Bauen

Nach rund einjähriger Bauzeit hat das neu gegründete „Construction Future Lab“ (CFLab) in Görlitz-Klingewalde seinen Betrieb aufgenommen. In der Forschungs- und Demonstrationshalle sollen künftig praxistaugliche Technologien für den 3D-Betondruck, die additive Fertigung und die Baurobotik entwickelt werden.
Die Übergabe des schlüsselfertigen Neubaus, den das Bauunternehmen Goldbeck errichtete, markiert den Übergang der gemeinnützigen Forschungseinrichtung in die aktive Betriebsphase. Das CFLab wurde im Jahr 2022 aus der Technischen Universität Dresden ausgegründet. Bei der feierlichen Eröffnung am 28. August 2026 waren neben dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer auch TUD-Kanzler Jan Gerken sowie der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu anwesend.
Neue Perspektiven für die Bauwirtschaft
„Das Construction Future Lab in Görlitz zeigt, wie aus Innovation konkrete Zukunftschancen entstehen. Hier arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an neuen Lösungen für das Bauen von morgen – ressourcenschonend, klimaneutral und wirtschaftlich", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. „Genau diese Verbindung brauchen wir: Sachsen will nicht nur über die Zukunft des Bauens reden, sondern sie mitgestalten. Das stärkt unseren Wirtschafts- und Innovationsstandort, gibt der sächsischen Bauwirtschaft neue Perspektiven und schafft in der Region Görlitz Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze.“
Interdisziplinäre Brücke zur Wirtschaft
Die Neugründung soll als praxisnahe Transferplattform dienen, die wissenschaftliche Erkenntnisse aus Dresden in marktfähige Industrieprodukte für den Mittelstand übersetzt. „Hier bringen auch wir als Exzellenzuniversität unsere Kompetenzen aus Bauingenieurwesen, Maschinenwesen, Digitalisierung und Automatisierung ein, um bislang getrennte Bereiche und Prozesse miteinander zu vernetzen und neue Technologien für das automatisierte Bauen zu entwickeln", erklärte TUD-Kanzler Jan Gerken. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft sollen neue Technologien unter realen Bedingungen erprobt werden.
Geschützter Raum für Baustellen-Prototypen
Geführt wird die eigenständige Forschungseinrichtung von einem interdisziplinären Professoren-Trio der TU Dresden. Auch baubetrieblich sei das neue Labor eine Notwendigkeit, so Jens Otto, Inhaber der Professur für Baubetriebswesen: „Warum werden Bauprojekte immer teurer und langsamer? Das Bauen hatte nie einen echten Ort zum Ausprobieren. Am Bau ist der Prototyp oft gleich das Produkt. Jeder Fehler kostet Geld. Wer nicht scheitern darf, wird vorsichtig und ändert nichts. Genau das ändern wir heute. Dieses Gebäude ist der Ort, an dem das Bauen scheitern darf. Nur so gelingt es draußen in der Praxis.“
Automatisierte Baumaschinen für gefährliche Arbeiten
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Automatisierung von schweren Erdbewegungs- und Hebezeugen - Fachgebiet von Frank Will, Inhaber der Professur für Baumaschinen. Die Erprobung von Maschinensteuerungen soll künftig das neue Lab übernehmen. „Maschinen beginnen nun, ihre Umgebung wahrzunehmen. Sie erkennen Gefahren und reagieren", so Prof. Will. Das bedeute aber nicht das Ende des Menschen auf der Baustelle, denn schon heute fehlten massiv Fachkräfte. „Die Maschinen sollen gefährliche und für Menschen eintönige Arbeiten übernehmen. Dafür müssen sie nachweisbar sicher sein. Und zwar im Schmutz, im Regen, direkt neben Menschen. Diesen strikten Sicherheitsnachweis führen wir ab heute hier.“
Neutraler Boden für die Digitalisierung am Bau
Neben der Sicherheit der Maschinen geht es den Forschern um das reibungslose Zusammenspiel unterschiedlicher Software- und Steuerungskomponenten auf der Baustelle. Die einzelnen Bauteile von Maschinen seien heute bereits hervorragend, so Jürgen Weber, Inhaber der TUD-Professur für Fluidtronik. Das Problem liege vielmehr im Zusammenspiel auf der Baustelle, wo zahlreiche Unternehmen aufeinander treffen. „Ihre Geräte, Programme und Daten sprechen nicht miteinander. Niemand öffnet seine Systeme einfach so. Das ist ein Vertrauensproblem. Wir brauchen dafür einen völlig neutralen Boden. Ein Haus, das keinem Hersteller gehört. Diesen Ort gibt es ab heute hier in Görlitz.“.
Weitere Hallen für 3D-Druck geplant
Das CFLab wird über das Investitionsgesetz Kohleregionen durch den Bund und das Land Sachsen gefördert. Nach der Inbetriebnahme des Neubaus steht als nächster Schritt ab Sommer 2027 die Sanierung eines Bestandsgebäudes für robotische Analysen auf dem Programm. Zudem ist die Errichtung einer weiteren Halle speziell für den 3D-Beton- und Lehmdruck am Standort Görlitz-Klingewalde geplant.
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