Infrastruktur
Bauindustrie legt Konzept zur langfristigen Verkehrswege-Finanzierung vor

Das Sondervermögen allein reicht nicht: Angesichts eines Investitionsbedarfs von über 600 Milliarden Euro bis 2030 fordert die Bauindustrie einen Systemwechsel. Der Verband hat ein Konzept für getrennte, überjährige Finanzierungskreisläufe für Straße, Schiene und Wasserwege präsentiert. Auch eine Pkw-Maut ist im Gespräch.

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Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) fordert von der Bundesregierung einen grundlegenden Systemwechsel bei der Finanzierung von Straße, Schiene und Wasserstraße, um eine über Legislaturperioden hinweg planbare Modernisierung zu gewährleisten. „Unsere Verkehrsinfrastruktur ist Standortfaktor, Lebensader und Wettbewerbsgrundlage zugleich“, erklärt HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. „Wer Wertschöpfung, Logistik, Pendlerverkehre und internationale Anbindungen sichern will, darf die Verkehrsträger nicht gegeneinander ausspielen, sondern muss sie als zusammenhängendes System begreifen.“
600 Milliarden Euro Bedarf und schwindende Investitionskraft
Der Investitionsdruck ist enorm: Für die Jahre 2025 bis 2030 beziffert der Verband den kumulierten Bedarf auf mehr als 600 Milliarden Euro. Gleichzeitig warnt Müller davor, sich von politisch verkündeten Rekordsummen blenden zu lassen. Da nominal steigende Budgets durch die massiven Baupreissteigerungen der letzten Jahre de facto aufgezehrt werden, sinkt die reale Investitionskraft.
„Entscheidend ist, was preisbereinigt tatsächlich auf den Baustellen ankommt“, so Müller. Das Sondervermögen könne zwar einen wichtigen Modernisierungsschub leisten, sei aber keine Dauerlösung. „Wir brauchen jetzt die politische Entscheidung für eine dauerhaft abgesicherte, überjährige Finanzierung aller Verkehrsträger – damit nach dem Auslaufen des Sondervermögens kein neuer Investitionsabfall droht.“
Die Bausteine des neuen Finanzierungskonzepts
Das Konzept der Bauindustrie basiert auf verkehrsträgerbezogenen Finanzierungskreisläufen. Das Prinzip: Einnahmen aus einem Verkehrsträger sollen grundsätzlich in dessen Infrastruktur reinvestiert und durch Haushaltsmittel ergänzt werden. Konkret schlägt der Verband folgende Hebel vor:
- Straße: Die Autobahn GmbH des Bundes soll eine begrenzte Kreditfähigkeit erhalten. Zudem fordert der Verband die Weiterentwicklung von einer Haushalts- zu einer Nutzerfinanzierung. Dabei dürfe auch die Diskussion über eine Pkw-Maut kein Tabu mehr sein – vorausgesetzt, Autofahrer werden an anderer Stelle entlastet. Sichtbar bessere Straßen und Rastplätze könnten laut Verband für die nötige Akzeptanz sorgen.
- Schiene: Für das Schienennetz bringt die Bauindustrie einen Schienenfonds und einen „InfraPlan“ nach österreichischem Vorbild ins Spiel. Dieser Ansatz soll Bestandserhalt, Hochleistungskorridore und Digitalisierungsprogramme strategisch verbinden.
- Wasserstraße: Hier sei ein eigener, mehrjähriger Finanzierungsrahmen unabdingbar, um strukturelle Lücken bei dringend baureifen Ersatzinvestitionen verlässlich zu schließen.
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Zusätzlich müsse geprüft werden, wie privates Kapital stärker in den Ausbau mobilisiert werden kann, ohne staatliche Haushaltsmittel zu ersetzen.
Mehr Effizienz in der Projektabwicklung gefordert
Doch auch an die eigene Branche und die Auftraggeber richtet der Verband eine klare Ansage: „Das große Aber: Mehr Geld allein wird nicht reichen.“ Um die Mittel effizient einzusetzen, müsse die Projektabwicklung grundlegend modernisiert werden. „Nachträge, Kosten- und Zeitüberschreitungen können wir uns einfach nicht mehr leisten“, mahnt Müller. Der Schlüssel liege im konsequenten Einsatz partnerschaftlicher Vertragsmodelle, Lean-Management, funktionalen Ausschreibungen und einer umfassenden Digitalisierung. Nur mit neuen Produktionsmethoden und gebündeltem Ingenieurs-Know-how ließen sich die Milliardenbudgets künftig ressourcenschonend auf die Baustelle bringen.
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