Handel zwischen Digitalisierung, Preisdruck und Fachkräftemangel
Der Baumaschinenhandel in Deutschland stabilisiert sich leicht – steht aber unter massivem strukturellem Druck. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und neue Wettbewerber setzen die mittelständisch geprägte Branche unter Zugzwang.

Nach dem deutlichen Umsatzrückgang im Vorjahr konnten die Baumaschinenhändler und -vermieter 2025 wieder ein moderates Umsatzplus erzielen. Laut Branchenumfrage des Fachverbands bbi, der Händler und Vermieter mobiler Arbeitsmaschinen vertritt, lag das nominale Wachstum bei 3,5 Prozent. Auch das Geschäft mit neuen Maschinen entwickelte sich wieder leicht positiv.
Für 2026 erwartet die Branche ein Umsatzwachstum von rund 3 Prozent, bei der Vermietung sogar etwa 4 Prozent. Hintergrund sind vor allem Erwartungen an Infrastrukturinvestitionen sowie erste Erholungssignale im Hochbau. Trotz dieser Stabilisierung bleibt die wirtschaftliche Stimmung zurückhaltend. Viele Unternehmen sehen weiterhin schwierige Rahmenbedingungen.

Baumaschinenhandel: Kosten und Fachkräfte bremsen das Geschäft
Ein zentrales Problem bleibt der Fachkräftemangel, vor allem im technischen Service. „Trotz guter Auftragslage begrenzt die Verfügbarkeit von Mechatronikern das Wachstumspotenzial“, erklärte bbi-Geschäftsführer Jürgen Küspert. Gleichzeitig steigen die Kosten in vielen Bereichen deutlich. Energiepreise, Personal, Logistik und Finanzierung belasten die Unternehmen zunehmend. Auch CO₂-Abgaben sowie höhere Transportkosten wirken sich aus.
Der bbi spricht deshalb von einem gleichzeitigen Kosten- und Transformationsdruck: Unternehmen müssen investieren – etwa in Digitalisierung oder klimafreundliche Technologien – während ihre Margen unter Druck geraten.
Konkurrenz aus China: Marktlücke bei einfachen Maschinen
Ein weiteres Thema ist der wachsende Wettbewerb durch chinesische Hersteller. Nach Einschätzung vieler Händler sind europäische Maschinen für manche Anwendungen zu stark ausgestattet und damit zu teuer. Dadurch entsteht eine Marktlücke für einfachere und günstigere Geräte aus China. Im Privatmarkt zeigt sich dieser Trend bereits deutlich. Dort werden teilweise Minibagger für rund 5.000 Euro angeboten.
Der klassische Händler versucht, diesem Preisdruck vor allem mit Serviceleistungen zu begegnen – etwa Wartung, Beratung oder Ersatzteilversorgung.
Elektromaschinen: Nachfrage wächst, aber langsam
Auch die Elektrifizierung von Baumaschinen schreitet voran – allerdings langsamer als teilweise erwartet. Vor allem bei Kompaktmaschinen nimmt die Nachfrage zu, berichtete Peter Schrader, Leiter der bbi-Fachgruppe Vermietung und Manager bei Zeppelin Rental. Entsprechend hätten Vermieter ihre Flotten bereits erweitert – allerdings „auf niedriger Basis“. Ein zentrales Problem bleibt die fehlende Ladeinfrastruktur auf Baustellen. Zudem sind die Anschaffungskosten bei E-Baumaschinen nach wie vor deutlich höher. „Ich hätte mir ein Wachstum des Realgeschäfts gewünscht – das ist aber nicht vorhanden“, so Schrader. Der Markt für elektrische Maschinen werde derzeit vor allem von größeren Bauunternehmen getragen. Für kleinere Firmen spiele er bislang eine geringere Rolle.
Plattformen und Onlinehandel verändern den Baumaschinen-Markt
Auch digitale Plattformen gewinnen im Baumaschinenhandel an Bedeutung. In der Vermietung existieren inzwischen sechs bis sieben Plattformen, über die Maschinen angeboten werden. Viele kleinere Händler bauen dafür keine eigene Infrastruktur auf, sondern nutzen bestehende Marktplätze. Die Branche beobachtet diese Entwicklung aufmerksam. Plattformen können zusätzliche Vertriebskanäle schaffen – bergen aber auch das Risiko, das bestehende Geschäft zu verdrängen.
Im Werkzeugsegment sei dieser Wandel bereits sichtbar, erläuterte bbi-Vorsitzender Heinrich Odenwälder. Elektrowerkzeuge würden heute stark über Onlinehandel verkauft, wodurch der Preiswettbewerb deutlich zugenommen habe. Bei größeren Baumaschinen bleibe der regionale Händler allerdings oft erste Adresse. Heißt: Kunden informieren sich zwar zunehmend online, kaufen aber häufig weiterhin beim Händler vor Ort.
Baumaschinenhandel: Beratung bleibt entscheidend

Trotz Digitalisierung bleibt der Markt stark von persönlichen Kontakten geprägt. „Die Branche ist ein people business“, sagte Schrader. Bauunternehmen benötigten häufig projektbezogene Beratung – etwa bei der Auswahl von Maschinen für spezielle Einsätze. Dieser Beratungsbedarf sichert dem klassischen Händler weiterhin eine wichtige Rolle im Markt.
Baumaschinenhandel fordert verlässliche Wirtschaftspolitik
Vor diesem Hintergrund fordert der bb von der Politik investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Steigende Kosten, regulatorische Anforderungen und wirtschaftliche Unsicherheit würden Investitionen erschweren. Gleichzeitig müssten Unternehmen massiv in neue Technologien investieren – etwa in klimafreundliche Maschinen oder digitale Prozesse. Große Hoffnungen setzt die Branche auf das geplante Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Entscheidend sei aber, dass die Mittel schnell in konkrete Projekte fließen. Nur so könnten Bauwirtschaft und Baumaschinenhandel neue Investitionsimpulse erhalten.
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