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Atlas-Übernahme durch Buhler: IG Metall bangt um Standorte

Atlas-Übernahme durch Buhler: IG Metall bangt um Standorte
Der Kaufvertrag für die Atlas-Gruppe ist unterzeichnet. Die IG Metall fordert dringend Klarheit über die Zukunft der drei Werke in Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta. | Foto: Atlas GmbH

Die kanadische Buhler Versatile übernimmt die insolvente Atlas-Gruppe. Der Kaufvertrag ist unterschrieben, der endgültige Vollzug hängt jedoch an behördlichen Freigaben und einem harten Sozialplan. Weil der Investor zu seinen Sanierungsplänen schweigt, fürchtet die IG Metall das Aus für komplette Standorte.


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Die Hängepartie um die Zukunft der insolventen Atlas-Gruppe hat einen entscheidenden Meilenstein erreicht – wenn auch mit leichter Verspätung. Ursprünglich war die Unterzeichnung für den 8. Juni avisiert, am 11. Juni 2026 wurde der Kaufvertrag nun offiziell notariell beurkundet. Käufer der Traditionsmarke ist der kanadische Landmaschinenhersteller Buhler Versatile (Winnipeg), der zur türkischen Asko-Gruppe gehört, einer familiengeführten Industrieholding mit über 2.500 Mitarbeitern, die bereits im Agrar- und Baumaschinensektor aktiv ist. Mit dem Erwerb will die Gruppe ihre Präsenz auf dem europäischen Markt ausbauen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die vertragliche Vereinbarung umfasst sämtliche Vermögenswerte der operativ tätigen Gesellschaften. Dazu gehören die Atlas GmbH, die Atlas Spare Parts GmbH, die Atlas Group Services GmbH, die Atlas Kompakt GmbH sowie die Anteile an der britischen Atlas Cranes UK Ltd. Der endgültige Vollzug des Deals (das sogenannte „Closing“) steht jedoch noch unter zwei massiven Vorbehalten.

Zum einen betrifft dies die behördliche Freigabe: Da ein ausländischer Investor einen deutschen Traditionshersteller übernimmt, muss das Bundeswirtschaftsministerium das Geschäft nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG) prüfen und genehmigen. Die zweite, weitaus brisantere Vollzugsbedingung ist die Ausarbeitung und Umsetzung eines Konzepts zu sogenannten „Personalmaßnahmen“. Buhler Versatile übernimmt laut Vertrag nur einen „erheblichen Teil“ der Beschäftigten – und eben nicht die komplette Belegschaft.

Gewerkschaft kritisiert das Schweigen des Investors

Der personelle Vorbehalt sorgt in den Werken für hochkochende Emotionen und massive Unsicherheit. Die IG Metall Oldenburg kritisiert die Kommunikationspolitik des neuen Eigentümers scharf. Bislang habe Buhler Versatile der Belegschaft weder erläutert, wie die künftige Struktur der Atlas-Gruppe aussehen soll, noch wie viele Arbeitsplätze der anstehenden Restrukturierung zum Opfer fallen. „Der Vertragsabschluss ist ein wichtiger Schritt. Aber ein Neustart braucht Klarheit“, kritisiert Gewerkschaftssekretär Arne Bischoff. „Im Moment wissen die Beschäftigten nicht, woran sie sind – und genau das sorgt für massive Verunsicherung in den Werken.“

Stehen komplette Werke vor dem Aus?

In der Belegschaft kursieren weiterhin belastbare Schätzungen, wonach bis zu 200 der rund 400 verbliebenen Arbeitsplätze gestrichen werden könnten. „Wenn diese Zahlen zutreffen sollten, dann würde hier möglicherweise jeder Zweite seinen Job verlieren“, warnt Bischoff und kündigt Widerstand an: „Wir werden keinen einseitigen Kahlschlag akzeptieren.“

Durch dieses Sanierungsszenario rückt die Existenz der drei Standorte Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta ins Zentrum der Debatte. Martina Bruse, Geschäftsführerin der IG Metall Oldenburg, bringt die strukturelle Sorge auf den Punkt: „Es stellt sich ganz konkret die Frage, ob bei einem möglichen Abbau von 200 Arbeitsplätzen überhaupt alle Standorte erhalten bleiben könnten. Ohne belastbare Standortgarantien bleibt für die Beschäftigten alles offen – und das ist keine Grundlage für Vertrauen.“

Das steht bei einer Standort-Diskussion auf dem Spiel

Die drei Atlas-Werke in Norddeutschland sind hochspezialisiert und eng verzahnt. Jeder Standort fertigt spezielle Maschinen oder Kernkomponenten:

  • Ganderkesee (Stammwerk): Hier schlägt das Herz der Baggerproduktion. In Ganderkesee werden die Atlas-Mobilbagger, Kettenbagger, Industrie-Umschlagmaschinen und die technologisch anspruchsvollen Zweiwegebagger (Gleisbau) montiert.
  • Delmenhorst: Das Werk ist historisch auf die Fertigung von hydraulischen Ladekranen (Aufbaukrane für Lkw) spezialisiert. Zudem ist hier die Atlas Kompakt GmbH für den Vertrieb von Mini- und Midibaggern angesiedelt.
  • Vechta: Hier werden wichtige Kernkomponenten gefertigt. Vechta produziert die Hydraulikzylinder für Krane und Bagger sowie verschiedene Anbaugeräte.

Sollte der Investor tatsächlich erwägen, einen dieser Standorte im Zuge der Sanierung zu schließen, müsste die Produktion der dortigen Kernprodukte entweder an einen anderen Standort verlagert oder langfristig eingestellt werden. Die Gewerkschaft hat daher den Investor aufgefordert, Transparenz über die geplanten Kürzungsmaßnahmen zu schaffen. Ein nachhaltiger Neustart, so die Position der IG Metall, gelinge nur mit Sicherheit und fairen Bedingungen für die verbleibende Belegschaft.

(Hinweis der Redaktion: Die Atlas Weyhausen GmbH aus Wildeshausen, die Radlader der Marke Weycor herstellt, ist rechtlich und wirtschaftlich ein eigenständiges Unternehmen und von der Insolvenz der Atlas GmbH nicht betroffen.

Gewerkschaftssekretär Arne Bischoff befürchtet weitreichende Restrukturierungen: „Ein Neustart gelingt nicht, indem man Belegschaften ausdünnt und Know-how aus dem Unternehmen drängt.“ Die Gewerkschaft hatte zudem kritisiert, dass ihr das detaillierte Erwerberkonzept nicht vorliege. „Restrukturierung darf nicht zum Selbstzweck werden. "Wir werden nicht akzeptieren, dass Beschäftigte die Zeche für Managementfehler der Vergangenheit zahlen“, so Bischoff.

Gleichzeitig verknüpft die Gewerkschaft den Neustart mit einer klaren tarifpolitischen Forderung an die neuen Eigentümer. Martina Bruse, Geschäftsführerin der IG Metall Oldenburg, erwartet von der türkischen Asko-Holding eine eindeutige Haltung zur Tarifbindung: „Wenn Asko es ernst meint mit einem nachhaltigen Engagement bei Atlas, dann erwarten wir dieselbe Offenheit für Tarifverträge, wie sie bei anderen Partnerunternehmen – etwa bei Claas – Standard ist.“

Ende einer monatelangen Insolvenz-Krise

Die Atlas-Gruppe steckte seit rund zwei Jahren in einer tiefen Krise, verschärft durch die schwache Baukonjunktur und interne Spannungen mit der früheren Eignerfamilie Filipov. Während der Sanierungsphase in Eigenverwaltung wurde der Geschäftsbetrieb fortgeführt. Die Löhne der rund 400 Beschäftigten waren bis April über das gesetzliche Insolvenzgeld abgesichert.

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Der finale Vollzug der Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen nach dem Außenwirtschaftsgesetz sowie dem Abschluss eines Interessenausgleichs und Sozialplans mit dem Betriebsrat.


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