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Rekord beim Auftragseingang: Warum die Bauwirtschaft dennoch warnt

Rekord beim Auftragseingang: Warum die Bauwirtschaft dennoch warnt
Die Bundeswehr investiert: Großaufträge für moderne Unterkunftsgebäude sorgen regional für volle Auftragsbücher, überdecken aber die anhaltende Flaute im Wohnungsbau. | Foto: Bundeswehr/Michael Hornauer

Ein historischer Rekord beim Auftragseingang sorgt für Aufsehen im Bauhauptgewerbe. Die Statistik verzeichnet den stärksten monatlichen Zuwachs seit 1991. Doch der scheinbare Boom erreicht die breite Masse der mittelständischen Betriebe kaum - wenige Großprojekte verzerren das Bild.


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Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldet für das Bauhauptgewerbe einen historischen Spitzenwert. Der reale, kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang stieg im August 2026 im Vergleich zum Vormonat Juli um 23,0 Prozent. Dies markiert den stärksten saisonbereinigten Monatsanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991. Im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2025 kletterten die preisbereinigten Bestellungen um 17,3 Prozent, der nominale Auftragseingang legte sogar um 23,8 Prozent zu. Der reale Umsatz wuchs im Vorjahresvergleich um 4,9 Prozent auf nominal 10,9 Milliarden Euro (plus 10,1 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich in den Betrieben ab 20 Mitarbeitern um 1,5 Prozent auf rund 548.000 Personen.

Tiefbau überflügelt den Hochbau

Verantwortlich für diesen massiven Zuwachs ist primär eine dynamische Entwicklung im Tiefbau. Im Vormonatsvergleich kletterten die Tiefbau-Aufträge real um 31,6 Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um 36,4 Prozent. Der Hochbau verzeichnete zum Vormonat zwar ein Plus von 12,4 Prozent, sank jedoch im Vorjahresvergleich real um 1,7 Prozent. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich von Juni bis August 2026 lag der Auftragseingang um 7,6 Prozent über den drei Vormonaten. Während der Tiefbau dabei um 13,8 Prozent zulegte, kam der Hochbau auf ein schmales Plus von nur 0,6 Prozent.

Großaufträge verzerren das Marktbild

Die Bauwirtschaft sieht in diesen statistischen Ausschlägen jedoch keinen Anlass für verfrühten Optimismus. Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) verweist darauf, dass wenige Großprojekte in einzelnen Bundesländern die Zahlen dominieren: „Der kräftige Anstieg beim Auftragseingang geht vor allem auf den Tiefbau (plus 43 Prozent) mit wenigen Großaufträgen in einzelnen Bundesländern zurück, insbesondere in Bayern. Allein der Wirtschaftstiefbau legte um 64 Prozent zu (+1,37 Mrd. €). Mit einem richtigen Aufschwung in der Breite, der die mittelständische Bauwirtschaft mitnimmt, haben wir es leider nicht zu tun.“ Besonders augenfällig ist diese Verzerrung im Wohnungsbau mit einem nominalen Zuwachs von 27,9 Prozent, hinter dem in Bayern ein Plus von 62,1 Prozent stehe. Ursache sei ein einzelner Großauftrag der Bundeswehr für Unterkunftsgebäude, ohne den das Plus bundesweit nur 1,6 Prozent betragen hätte.

Mittelstand leidet unter Losgrößen

Für mittelständische Betriebe verschärft die derzeitige Vergabepraxis der öffentlichen Hand die strukturelle Schieflage. Die Bundeswehr vergab Rahmenverträge für rund 300 Unterkunfts- und Funktionsgebäude, was künftig weitere statistische Ausschläge ohne Breitenwirkung erwarten lässt. „Zunehmend zum Problem wird, dass Mittel aus dem Sondervermögen in so großen Losen vergeben werden, dass nur noch wenige große Unternehmen mitbieten können“, warnt Pakleppa. Gleichzeitig bleiben Kapazitäten ungenutzt: Die Geräte im Hochbau seien im Schnitt gerade einmal zu 45 Prozent ausgelastet. Während der Wirtschaftstiefbau seinen Umsatz nominal um 27,6 Prozent steigerte, stagnierte der Wohnungsbau bei einem Umsatzplus von nur 1,6 Prozent. Zusätzlichen Druck erzeugen laut Pakleppa die Erzeugerpreise für Baustoffe im September: Betonstahl verteuerte sich um 7,0 Prozent, Asphaltmischgut um 7,8 Prozent und Bitumen sogar um 20,8 Prozent.

Bauindustrie sieht Licht am Horizont

Zuversichtlicher bewertet die Bauindustrie die aktuelle Entwicklung, gestützt durch Großprojekte im Bahnbau. Für die ersten acht Monate des Jahres 2026 ergibt sich für die Branche ein reales Auftragsplus von 3,2 Prozent und ein reales Umsatzplus von 0,9 Prozent. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sieht darin ein wichtiges Signal: „Wir sehen endlich Licht am Horizont, das ist die positive Nachricht. Es dauert sicherlich etwas, bis insbesondere Großprojekte in der Branche und damit auch nachhaltig im Umsatz ankommen, für das vierte Quartal und insbesondere für das kommende Jahr sind das aber gute Nachrichten.“ Befürchtungen, wonach die Nachfrage durch Mittel aus dem Sondervermögen die Preise treiben könnte, weist Müller zurück. Die Betriebe hielten ihr Personal trotz der Krise und bauten es in den ersten sieben Monaten 2026 um 1,6 Prozent aus, wodurch sie bewusst höhere Vorhaltekosten in Kauf nahmen.

Produktivitätsschub durch serielle Fertigung

Die Unternehmen der Bauindustrie arbeite intensiv daran, ihre Produktivität zu steigern, so Müller. Seit 2020 hätten sich die Investitionen in moderne Technologien und Ausrüstungen preisbereinigt verdoppelt. Verfahren wie Building Information Modeling (BIM) und Robotik seien in vielen Betrieben bereits etabliert. Den wichtigsten Hebel zur Produktivitätssteigerung bildet nach Ansicht der Bauindustrie das serielle, weitgehend baustellenunabhängige Bauen. Hier fordert Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller entschlossene Schritte bei Planung und Vergabe: „Wir können es nur immer wiederholen: Unterschiedliche Landesbauordnungen bringen uns nicht voran.“

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