Militärbau
Bundeswehr vergibt Großauftrag an Wolff & Müller-Arge

Die Bundeswehr baut ihre Infrastruktur für den neuen Wehrdienst massiv aus. Über das Beschaffungsprogramm G-CAP Inland hat sich eine Arbeitsgemeinschaft aus der Wolff & Müller Gruppe, der OBG Gruppe und der Lechner Group zwei Rahmenverträge über 25 neue Unterkunfts- und Ausbildungsgebäude mit einem Volumen von 370 Millionen Euro gesichert.
Wie Wolff & Müller mitteilt, übernimmt die Arbeitsgemeinschaft mit dem Zuschlag rund die Hälfte der im Südwesten Deutschlands vorgesehenen Bauprojekte. Auf bestehenden Kasernengeländen in Baden-Württemberg (12 Gebäude) sowie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (13 Gebäude) entstehen standardisierte Kompaniegebäude. Der Rahmenvertrag hat eine Laufzeit von vier Jahren. Die operative Abwicklung und den schrittweisen Abruf der vorgeplanten Projekte übernehmen die zuständigen Landesbauverwaltungen.
Sieben Monate Bauzeit pro Gebäude
Die Einpassung der standardisierten Entwürfe in die jeweilige Topografie und Medienerschließung der Kasernen stellt die Planer vor logistische Aufgaben. „Wir entwickeln ein wiederholbares System und setzen es zugleich standortgerecht um“, erklärt OBG-Hochbaugeschäftsführer Thomas Penner die Vorgehensweise. Der Zeitplan ist eng getaktet. „Sobald die zuständige Behörde einen Abruf auslöst, müssen innerhalb von drei Monaten die Planung, die Arbeitsvorbereitung und die Genehmigung durchgeführt werden. Anschließend bleiben uns sieben Monate, um ein Gebäude schlüsselfertig zu bauen“, verdeutlicht Roman Sailer, Geschäftsführer der Wolff & Müller Government Services.
Serieller Betonfertigteilbau beschleunigt das Verfahren
Die Einhaltung der kurzen Fristen erfordert einen hohen Standardisierungsgrad. Die Planungen basieren auf vier standardisierten Typen in insgesamt zwölf Varianten. „Wir nutzen einen maximalen Wiederholungsfaktor und einen maximalen Vorfertigungsgrad und bauen weitgehend mit Betonfertigteilen, die wir selbst herstellen“, so Lechner-Group-Geschäftsführer Tobias Lechner. Vorgefertigt werden vor allem Rohbauelemente, Dächer und TGA-Zentralen. Zur fehlerfreien Taktung der Schnittstellen nutzt die Arbeitsgemeinschaft die digitale Planungsmethode BIM sowie Lean-Construction-Prinzipien.
Klare Aufgabenverteilung in der Arbeitsgemeinschaft
Die Partner bündeln ihre Kompetenzen in einer festen Struktur. Die Lechner Group verantwortet die Produktion der seriellen Betonteile, die OBG Gruppe übernimmt die kaufmännische Federführung. Die technische Federführung liegt bei der Wolff & Müller Gruppe, die das Projekt über ihre spezialisierte Government-Services-Sparte sowie den Hoch- und Industriebau abwickelt. Bis Ende September 2026 legt das Projektteam die standortübergreifenden Planungsgrundlagen fest. Die ersten Abrufe der Bauwerke sollen noch in diesem Jahr erfolgen.
G-CAP Inland als Reaktion auf neue Wehrpflicht
Hintergrund des Bauprogramms ist die veränderte sicherheitspolitische Lage und der zusätzliche Unterkunftsbedarf durch den Neuen Wehrdienst. Bis zum Jahr 2031 soll die Zahl der Wehrdienstleistenden auf bis zu 40.000 pro Jahr steigen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat das G-CAP-Programm Inland als zentrales Instrument benannt, um Kasernen schnell auszubauen. In der ersten Stufe des Programms sollen bundesweit rund 300 Gebäude an über 100 Standorten entstehen.
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