Elektro, Wasserstoff, E-Fuels: Was bei Baumaschinen kommt – und was nicht
In der Baumaschinenbranche ist reichlich Bewegung – und das nicht nur unter der Last tonnenschwerer Baustoffe, sondern vor allem unter dem Eindruck einer der größten Transformationen ihrer Geschichte: dem Wandel hin zu alternativen, CO₂-neutralen Antrieben. Ob batterieelektrisch, mit Wasserstoff oder E-Fuels betrieben – die Vision einer emissionsarmen Baustelle scheint zum Greifen nah. Doch wo stehen wir wirklich? Am Beginn oder mitten in einer zähen Evolution? Das haben wir Prof. Dr.-Ing. Frank Will von der Technischen Universität Dresden, Inhaber der Professur für Baumaschinen, gefragt.


Das sind die neuen Prallbrecher der nächsten Generation
Mit der GIPO P 101 GIGA und GIPO P 111 GIGA präsentiert der Schweizer Hersteller zwei neue Prallbrecher, die rein elektrisch betrieben werden können.
11. Fachtagung Baumaschinentechnik
Am 1. und 2. Oktober 2026 findet in Dresden die 11. Fachtagung Baumaschinentechnik statt. Wie in den Jahren zuvor geht es im Austausch zwischen Industrie und Wissenschaft erneut um die zentralen Themen der Branche. Denn angesichts der großen Transformation der Baumaschinenbranche ist der Dialog wichtiger denn je. Es werden technologische Ansätze zur Steigerung der Produktivität, Verkürzung von Bauzeiten und konsequenten Senkung von Emissionen diskutiert. Die TU Dresden lädt zu zwei inspirierenden Tagen ein.
Alle wichtigen Informationen finden Sie unter www.baumaschine.de!
Eine Lösung für alle? Warum die Zukunft der Antriebe ein "bunter Mix" wird
Stand der Technik oder teures Experiment: Wo alternative Antriebe heute schon überzeugen

Schon heute gibt es Einsatzbereiche, in denen alternative Antriebe ihre Stärken ausspielen. Besonders bei quasistationären Anwendungen, etwa im Spezialtiefbau oder im Materialumschlag, sind kabelelektrische Maschinen ideal. Sie sind technisch ausgereift, kostenseitig vertretbar und punkten mit dem bestmöglichen Wirkungsgrad. Ihre Mobilität ist naturgemäß begrenzt, weshalb sie oft über eine zusätzliche Batterie oder einen kleinen Verbrennungsmotor für das Umsetzen auf der Baustelle verfügen.
Bei batterieelektrischen Maschinen ist die Marktdurchdringung im unteren Größen- und Leistungsbereich bereits fortgeschritten. Handgeführte Geräte und kleinere Maschinen sind bei nahezu allen Herstellern batterieelektrisch verfügbar und haben ihre Praxistauglichkeit nachgewiesen. „Ich sehe auf der Maschinenseite keinen technischen Grund mehr, eine batterieelektrische Maschine nicht einzusetzen“, betont Will. Die entscheidende Hürde bleiben jedoch die „enorm hohen Investitionskosten“, die dazu führen, dass ohne externe Vorgaben oder finanzielle Kompensation weiterhin die dieselgetriebene Variante bevorzugt wird.
Wer bremst die Wende? Das ungelöste Problem mit Ladesäulen, Kosten und Politik
Fragt man nach den größten Hindernissen, rückt neben den Kosten schnell die Infrastruktur in den Fokus. Die für kabelelektrische Maschinen oder leistungsstarke Ladeanschlüsse für Batteriemaschinen benötigte Netzleistung ist auf den meisten Baustellen nicht vorhanden – oder nur nach langwierigen Antragsprozessen. Mobile Ladespeicher können zwar Abhilfe schaffen, treiben die Systemkosten aber weiter in die Höhe. Während die Versorgung mit Flüssigkraftstoffen wie HVO oder E-Fuels logistisch unkritisch wäre, stellt sich bei Wasserstoff wiederum die Frage des Transports zur Baustelle und der sicheren Betankung.
Als entscheidender Hemmschuh erweisen sich jedoch die politischen Rahmenbedingungen. Diese sind, so Will, „derzeit grundsätzlich nicht gerade unterstützend für jegliche Art von alternativen Antriebssystemen.“ Es fehle schlicht der Anreiz für Anwender, „freiwillig“ in teurere, alternative Technologien zu investieren.
Diesel auf dem Bau: Ich fürchte ein Abschied in weiter Ferne
Der Blick zehn Jahre nach vorn f ällt daher verhalten aus. „So sehr ich es auch persönlich bedauere: Ich kann derzeit nicht erkennen, dass in absehbarer Zeit alternative Antriebstechnologien in der Breite eingesetzt werden“, prognostiziert der Experte. Er erwartet, dass in den nächsten zehn Jahren vielleicht zehn Prozent der CO₂-Emissionen von Baumaschinen vermieden werden können – es sei denn, die regulatorischen Vorgaben werden verschärft und gleichzeitig die Beschaffung und/oder der Betrieb von Maschinen mit alternativen Antriebssystemen massiv unterstützt.
Konkret bedeutet dies: Batterieelektrische Maschinen werden sich vor allem im unteren Leistungsbereich bis etwa 100 kW langsam weiter verbreiten. Mit Wasserstoff und Brennstoffzelle betriebene Maschinen dürften in einem Jahrzehnt technisch marktreif sein, ihr Marktanteil hängt aber von der Kostenentwicklung und der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff ab. Ob E-Fuels oder Bio-Fuels eine nennenswerte Rolle spielen werden, ist aus heutiger Sicht unklar. Wenn diese Kraftstoffe irgendwann verfügbar sind, sollte ihr Einsatz auf solche Anwendungen konzentriert werden, bei denen andere Lösungen wie batterieelektrische oder kabelgebundene Systeme technisch nicht möglich sind. Bis dahin bleibt für besonders leistungsstarke Maschinen und für die Bestandsflotten als praktikable CO₂-arme Lösung nur HVO, das jedoch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht.
Das Fazit von Will ist daher eine deutliche Mahnung: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir auch in zehn Jahren noch zum weit überwiegenden Teil Dieselkraftstoff in den Baumaschinen verbrennen werden.“ Um diesen Zustand zu ändern, brauche es auf der einen Seite klare regulatorische Unterstützung der Transformation, beispielsweise durch Realisierung des vom HDB vorgeschlagenen Konzeptes „CO2-Schattenpreis“ bei der Ausschreibung von Bauleistungen. Damit einher gehen müssen natürlich erhebliche Investitionen in Forschung und in die Förderung der Maschinenhersteller und der Anwender, sei es durch Förderung von Maschinenbeschaffungen oder durch Umsetzung von Bonusregelungen für CO2-neutrale bzw. CO2-arme Baustellen. Das alles sind aber Forderungen, die, so der Professor, „leider nicht zur aktuellen politischen Schwerpunktsetzung passen.“
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Nach Ansicht der deutschen Bauindustrie soll der Klimaschutz zu einem verbindlichen Ziel bei der Planung und Beschaffung von Bauleistungen werden. Bei öffentlichen Ausschreibungen soll nach Vorstellung der Bauindustrie künftig ein Schattenpreis für CO2-Emissionen in die Angebotsbewertung einfließen. Mehr dazu hier!
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