Nutzfahrzeug-Legende
Vom Schrotthaufen zum 19-Liter-Giganten: Die Kaelble-Rettung

Keine Servolenkung, kein synchronisiertes Getriebe, aber ein 19,1-Liter-V8, der das Blech vibrieren lässt. Nach jahrzehntelanger Schinderei im Steinbruch war dieser seltene Kaelble KDV 22 E8 nur noch ein Haufen Rost. Die Geschichte einer vierjährigen, kompromisslosen Restauration, die ein Stück Technik-Geschichte rettete.
Der Kaelble KDV 22 E8 aus dem Baujahr 1963 verbrachte kein behütetes Leben. Bis in die späten 1990er Jahre hinein bewegte der schwere Muldenkipper in einem schwäbischen Steinbruch schätzungsweise 5,6 Millionen Kubikmeter Gestein. Die tägliche Belastung unter extremen Bedingungen forderte ihren Tribut. Als Meiller den Oldtimer im Jahr 2012 im Elsass aufspürte und zurückkaufte, war von der einstigen Pracht wenig übrig. Jahrzehnte im nassen Dreck und provisorische Flickschustereien hatten tiefe Spuren in dem dicken Stahl hinterlassen – der Kipper stand kurz vor dem endgültigen Verfall.
Pure Kraft: 19,1 Liter Hubraum und 240 PS
Wer dieses Fahrzeug fuhr, musste körperlich hart arbeiten. Der Antrieb des 17,6-Tonnen-Schwergewichts ist ein gewaltiger 19,1-Liter-Vorkammer-Saugdiesel mit acht Zylindern in V-Anordnung. Er leistet 240 PS und schickt seine Kraft an ein unsynchronisiertes ZF-Sechsgang-Klauengetriebe. Jeder Gangwechsel geriet hier zum Kraftakt, bei dem Zwischengas und Zwischenkuppeln absolute Pflicht waren. Der Lärm des Motors und die massiven Vibrationen im Fahrerhaus machten ohnehin jedes Gespräch unmöglich.
Die Konstruktion selbst war für damalige Verhältnisse gigantisch. Um die zulässige Nutzlast von 22 Tonnen durch unwegsames Gelände zu wuchten, ruht der KDV 22 E8 auf einem massiven Leiterrahmen, der den extremen Torsionskräften beim Beladen mit Felsbrocken standhielt. Insgesamt baute Kaelble nur etwa 50 Exemplare dieses Typs.
Vier Jahre Arbeit bis auf den nackten Rahmen
In München begann eine vierjährige, kompromisslose Instandsetzung. Die Mechaniker zerlegten den Kipper komplett bis auf den Leiterrahmen. Jedes Bauteil durchlief eine Sandstrahlung, um jahrzehntelange Ablagerungen und tiefsitzenden Rost zu entfernen.
Die völlig zerstörte Kippmulde ließ sich nicht mehr retten. Meiller fertigte sie stattdessen in aufwendiger Handarbeit exakt nach den originalen Konstruktionsplänen der 1960er Jahre neu an. Auch die historische Hydraulik bauten die Spezialisten komplett neu auf und integrierten sie funktionsfähig in das System. Den Abschluss bildete die Lackierung in den originalen Firmenfarben, die den Kipper wieder in seinen Auslieferungszustand von 1963 versetzte.
Ein fahrbereites Zeugnis der Maschinengeschichte
Nach dem Abschluss der Arbeiten bewies der Gigant bei Probefahrten, dass er nichts von seiner Kraft eingebüßt hat. Heute steht der Kaelble KDV 22 E8 nicht als stummes Ausstellungsstück, sondern als voll fahrbereites Zeugnis extrem robuster Maschinenbautechnik in der historischen Sammlung von Meiller.
Technische Daten | Kaelble KDV 22 E8 |
Baujahr | 1963 |
Motor | 19,1-Liter-V8 (Vorkammer-Saugdiesel) |
Leistung | 240 PS |
Getriebe | ZF-Sechsgang-Klauengetriebe (unsynchronisiert) |
Leergewicht | 17.600 kg |
Nutzlast | 22.000 kg |
Aufbau | Meiller-Kippmulde |
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