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Nutzfahrzeuge am Bau/

Mercedes eArocs im Fahrbericht: Der Bau-Stromer auf vier Achsen

Mercedes eArocs im Fahrbericht: Der Bau-Stromer auf vier Achsen
Der vollelektrische Mercedes eArocs kommt anfangs als Vierachser mit Mischertrommel oder Kipper in den Markt. | Foto: Henrik Morlock

Nach den E-Lkw für die Straße erweitert Mercedes-Benz Trucks jetzt das Angebot um den ersten Bau-Stromer. Vieles hat der batterieelektrische eArocs 400 von seinen Brüdern übernommen, doch im Kern geht der Neuling einen ganz eigenen Weg, wie die erste Ausfahrt zeigt.

Der Schnellste war Daimler Truck mit seinen elektrifizierten Lastern nicht gerade. Während andere Lkw-Hersteller ihre ersten Stromer schon auf die Reise schickten, tüftelten die Schwaben noch an ihren batterieelektrischen Lösungen. Perfekt und solide sollten eActros 600 und eActros 400 ins neue Zeitalter starten. Das scheint gelungen. Nach anfänglichem Zögern und viel Kritik am neuen ProCabin-Design der 600er-Serie, entscheiden sich immer mehr Kunden für die Elektro-Trucks aus Wörth mit hoher Batteriekapazität und bis zu 500 km realer Reichweite ohne Nachladen.

Die markante Baggerzahn-Optik des Kühlergrills ist dem neuen eArocs 400 erhalten geblieben. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX
Die markante Baggerzahn-Optik des Kühlergrills ist dem neuen eArocs 400 erhalten geblieben. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX

Von der Robust- und Haltbarkeit ihres eActros 600 überzeugt, schickt Mercedes davon im Herbst 2026 ein 4x2-Fahrgestell mit speziellem Wohnmobil-Aufbau zur Weltumrundung. Der „Elektrotrucker“ und Influencer Tobias Wagner will damit über 45.000 km durch mehr als 35 Länder abspulen und mit maximal 80 Ladevorgänge auskommen. Insgesamt wird die Expedition etwa ein Jahr dauern.

Serienfertigung in Kooperation mit Paul Nutzfahrzeuge

Ob die neue Arocs-Baureihe mit Elektroantrieb in diese großen Fußstapfen treten kann, bleibt abzuwarten. Das auf der Bauma 2025 erstmals gezeigte Modell ist jetzt bereits bestellbar und soll ab Oktober dieses Jahres in Produktion gehen. Volumenmäßig sind vom eArocs anfangs nur 150 Einheiten jährlich für ausgewählte Märkte in Europa geplant. Die Fertigung übernimmt zum Teil Paul Nutzfahrzeuge in Vilshofen. In Wörth laufen die Lkw als sogenannte Glider ohne Antrieb vom Band. Im Anschluss werden die Rohbauten zu Paul transportiert. In Manufakturmanier erhalten die Fahrgestelle dort Antrieb, Frontbox, Akkus und wahlweise vollelektrischen oder elektromechanischen Nebenabtrieb. Eine kleine Vorserie dürfte bereits im September zur IAA Transportation 2026 in Hannover fertig sein und den Messestand von Daimler Truck sowie einiger Aufbauhersteller schmücken.

Erster Fahrtest mit Fahrmischer-Prototyp

Trotz hoch gelagerter M-Kabine gelingt der Einstieg fast mühelos. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX
Trotz hoch gelagerter M-Kabine gelingt der Einstieg fast mühelos. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX

Für die ersten Fahrteindrücke rund um Wörth am Rhein musste noch ein Prototyp der neuen Baureihe herhalten. Der vollelektrische Vierachser startet als teilbeladener Fahrmischer für 44 t Gesamtgewicht zur Testfahrt. Den Aufbau steuert Liebherr bei. Die HTM 905-Mischertrommel in Leichtbau-Ausführung eignet sich für 9 m3 Fassungsvermögen. Alternativ bietet Mercedes den eArocs 400 als 32- oder 41-Tonner mit 8x4/4-Radformel und vier unterschiedlichen Radständen für Kipper im straßennahen Baueinsatz an. Serienmäßig sind jeweils Multimedia Cockpit Interactive 2 mit Sprachsteuerung, 12“-Fahrerdisplay und Multifunktionslenkrad an Bord. Ferner dürfen auch im eArocs 400 viele Sicherheitsassistenzsysteme, die den geltenden EU-Standards nach der General Safety Regulation (GSR) entsprechen, nicht fehlen. Dazu zählen unter anderem Spurhalteassistent, Aufmerksamkeitsassistent, Verkehrszeichenassistent, Active Brake Assist 6, Active Sideguard Assist 2 oder Frontguard Assist.

Hohe Bodenfreiheit durch ZF-Zentralantrieb „CeTrax“

Für den vollelektrischen eArocs 400 haben die Ingenieure wesentliche Komponenten aus dem eActros 600 für den Fernverkehr übernommen. Dazu zählen Frontbox, Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) sowie ePTO oder mPTO (Power Take-Off = Nebenabtrieb). Der robuste Fahrzeugrahmen, die Stahlfederung und die wahlweise verfügbaren Hypoid- und Außenplanetenachsen stammen vom Diesel-Arocs. Eine eAchse wie im Fernverkehrsmodell eActros kommt für die Bauarbeiter nicht in Frage. Sie baut zu tief und bietet zu wenig Bodenfreiheit für nötige Geländegänge.

Den kompakten Zentralantrieb mit Dreiganggetriebe zwischen Vorder- und Hinterachsen steuert ZF bei. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX
Den kompakten Zentralantrieb mit Dreiganggetriebe zwischen Vorder- und Hinterachsen steuert ZF bei. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX

Deshalb setzen die Macher des eArocs auf einen Zentralantrieb mit integriertem Dreiganggetriebe, den sie in Form des kompakten „CeTrax“ bei ZF zukaufen und in die Lkw-Plattform integrieren. Die Kraftübertragung zu den bekannten Hinterachsen übernehmen passende Gelenkwellen. Damit steht der eArocs 400 dem Bauklassiker Mercedes Arocs bei Geländegängigkeit kaum nach. Zudem hat der Fahrer beim Tritt aufs Fahrpedal sofort ein hohes Drehmoment anliegen und kann nach Belieben per Drehschalter Längs- und Quersperren aktivieren.

612 PS und Batterieturm statt Unterflur-Akku

Im Turm hinter dem M-Fahrerhaus stapeln sich die beiden Fahrakkus mit 414 kWh Gesamtkapazität übereinander. | Foto: B_I MEDIEN
Im Turm hinter dem M-Fahrerhaus stapeln sich die beiden Fahrakkus mit 414 kWh Gesamtkapazität übereinander. | Foto: B_I MEDIEN

Power besitzt der Vierachs-Betonmischer mehr als genug. Mit einer Dauerleistung von üppigen 380 kW (517 PS) und einer Spitzenleistung von 450 kW (612 PS) muss sich der zentral positionierte Elektromotor des Bau-Stromers vor den klassischen Diesel-Pendants nicht verstecken. In Verbindung mit der robusten Tandem-Hinterachse in Hypoid-Ausführung samt Längs- und Quersperren sorgt er für hohe Durchzugskraft, leichte Geländegängigkeit und viel Bodenfreiheit. Immerhin misst der Abstand von Hinterachse zur Fahrbahn fast 30 cm. Selbst der tiefste Punkt am Stabi kann noch mit gut 27 cm aufwarten.

Möglich machen diese Werte die Position der Fahrbatterie. Anders als beim eActros sind die zwei LFP-Akkus mit je 207 kWh Kapazität nicht zwischen den Achsen tief am Rahmen montiert, sondern in Form eines Batterieturms hinter dem Fahrerhaus aufgestapelt. Von den 414 kWh Bruttokapazität geben die beiden Energiespeicher immerhin rund 400 kWh frei. Das macht im Straßenbetrieb theoretisch rund 400 km Reichweite bis zum nächsten Nachladen.

Reichweite und schnelles Laden

Das Aufladen der Akkus an der Ladesäule ist serienmäßig auf beiden Seiten des eArocs möglich. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX
Das Aufladen der Akkus an der Ladesäule ist serienmäßig auf beiden Seiten des eArocs möglich. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX

Da für Geländefahrten aber mehr Energie nötig ist und auch die Mischertrommel ihren Tribut fordert, gibt der Hersteller als Reichweite nur rund 200 km an. Als Kipper soll der eArocs immerhin 240 km ohne Nachladen schaffen. Das sollte für die meisten Tagestouren der Vierachser dennoch ausreichen. Wer mehr braucht, kann schnell nachladen. Das installierte 800-V-Bordspannungssystem erlaubt ein Aufladen der Akkus mit bis zu 400 kW über CCS2-Ladebuchsen, die serienmäßig an beiden Fahrzeugseiten verbaut sind. Laut Hersteller seien die beiden Akkupakete innerhalb von 45 min in der Pause von 20 auf 80% geladen.

Cockpit: Digitale Anzeigen für den E-Betrieb adaptiert

Die digitalen Primär- und Sekundärbildschirme im Cockpit sind scharf und blendfrei abzulesen. Das Lenkrad griffig. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX
Die digitalen Primär- und Sekundärbildschirme im Cockpit sind scharf und blendfrei abzulesen. Das Lenkrad griffig. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX

Ein Laden für die Testfahrt über Land- und Bundesstraße ist nicht nötig. Der Sekundärbildschirm des Multimedia Cockpit Interactive 2 zeigt 80% gefüllte Batterien und 330 km Restreichweite an. Wahlweise sind Dienste wie Klima, Navigation, Telefonie, Infotainment, Licht und mehr per Touchscreen oder Direktwahltasten schnell und weitgehend intuitiv abrufbar. Ohnehin ist der Fahrerplatz gestandenen Arocs-Fahrern geläufig. Multifunktionslenkrad, elektrisch unterstützte Lenkung, digitales Fahrerdisplay, vorausschauender GPS-Tempomat, elektrische Feststellbremse, Mirror-Cam – alles wie gehabt.

Die digitalen Instrumente liefern gestochen scharfe Bilder und sind für den Elektroantrieb adaptiert. Ladestand der Batterie und Restreichweite sind auch im Fahrerdisplay immer im Blick. Im Powermeter ist ablesbar, ob gerade Energie verbraucht oder durch Rekuperation gewonnen wird. Wie beim eActros 600 lassen sich die drei Fahrmodi „Economy“, „Range“ und „Power“ per Tastendruck am Lenkstockhebel einstellen. Über den gleichen Hebel lassen sich die drei Rekuperationsstufen anwählen. Bei Bedarf ist ein „Boost“ zu bekommen, was dem Kickdown entspricht und dem Truck kurzzeitig zusätzliche Power beschert.

Fahreindruck: Starke Beschleunigung, Einschnitte bei der Nutzlast

Mercedes-Fahrer müssen sich in Sachen Bedienung kaum umgewöhnen. Alle Schalter und Hebel sind am gewohnten Platz. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX
Mercedes-Fahrer müssen sich in Sachen Bedienung kaum umgewöhnen. Alle Schalter und Hebel sind am gewohnten Platz. | Foto: Frank Hausmann / QUATEX

Das Anfahren erfolgt im zweiten Gang. Nur bei voller Beladung, beim Anfahren am Berg und im Gelände nutzt der eArocs kurzzeitig die erste Fahrstufe. Ab 40 km/h wechselt der E-Lkw in den dritten Gang. Die Leistungsentfaltung und die Beschleunigung sind – wie bei E-Antrieben üblich – einfach phänomenal. Die Leistungselektronik arbeitet kaum hörbar und gut abgeschirmt unter dem Fahrerhaus. Anfangs meldet sich auch der Zentralantrieb in Mitte des Fahrzeugs nur wenig.

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Mit zunehmender Geschwindigkeit ändert sich die Klangkulisse. Auf der Schnellstraße mit Tempo 85 macht sich der Antrieb in Verbindung mit den üblichen Abrollgeräuschen der Reifen durch ein konstant dumpfes Brummen deutlicher bemerkbar. Am Ohr des Fahrers schlägt das Messgerät bis 70 dB(A) aus. Da ist so mancher Verbrenner-Lkw leiser unterwegs. Mag sein, dass die Serienmodelle durch entsprechenden Feinschliff etwas weniger Lärm entwickeln werden. Da in Wohngebieten, Innenstädten mit Zufahrtsbeschränkungen oder auf nächtlichen Baustellen kaum so schnell gefahren wird, dürfte der dortige Einsatz aber ohne Lärm- und Emissionsbelästigung gesichert sein.

Kompromisse bei Aufbaulänge und Nutzlast

Mit Kompromissen müssen Kunden auch bei der Aufbaulänge und der Nutzlast rechnen. Der Batterieturm hinter dem Fahrerhaus fordert seinen Bauraum, der nur durch mehr Gesamtlänge, verlängerten Radständen und größeren Wendekreisen erkauft werden kann. Hinzu kommt, dass die Akkus selbst gut und gerne bis zu 3,0 t wiegen, was die Nutzlast gegenüber einem vergleichbaren Diesel-Arocs in 8x4-Ausführung um rund 2,5 bis 2,7 t reduziert. Anders als bei den E-Sattelzügen mit bis zu 42 t Gesamtzuggewicht zum Ausgleich für die schweren Akkus bekommen die elektrisch betriebenen 32-Tonner aktuell noch keinen Elektroantriebsbonus zugeschrieben und müssen ihr Gewicht halten – bis die Politik anders entscheidet.
Wegen des Akkuturms hinterm Fahrerhaus müssen Radstand und Gesamtlänge am eArocs häufig mitwachsen. | Foto: Daimler Truck
Wegen des Akkuturms hinterm Fahrerhaus müssen Radstand und Gesamtlänge am eArocs häufig mitwachsen. | Foto: Daimler Truck

Technische Daten im Überblick

Technische Daten

Mercedes-Benz eArocs 400 8x4/4

Fahrerhaus

Typ

M-Fahrerhaus Classic-Space

Breite

2.300 mm

Antrieb

Bauart

Elektro-Zentralantrieb ZF CeTrax mit integriertem Dreigang-Getriebe, Frontbox unterm Fahrerhaus

Betriebsspannung

800 V

Dauerleistung

380 kW/517 PS ab 0/min

Maximalleistung

450 kW/ 612 PS ab 0/min

Nebenabtrieb

ePTO bis 90 kW / mPTO bis 70 kW

Energiespeicher

Antriebsbatterien

Lithium-Eisenphosphat-Akkus von CAT

Anzahl

2 x LFP-Batteriepakete

Position

Batterieturm hinter dem M-Fahrerhaus

Batteriekapazität brutto

414 kWh

Max. Ladeleistung

400 kW

Ladedauer (CCS2)

ca. 45 min von 20 bis 80%

Reichweite

bis 200 km (bis 240 km bei Kipper-Modellen)

Achsen

Vorderachsen

Faustachsen, 4-Blatt-Stahlfedern, Achslast: 9 t

Hinterachsen

Hypoidachsen, 4-Blatt-Stahlfedern, Achslast: 10 t (alternativ verfügbar: alle Hypoid- und Außenplanetenachsen aus Mercedes Arocs-Programm)

Übersetzung

i=4,33

Differenzialsperren

Längssperre / 2 Quersperren

Reifen

Lenkachse

Bridgestone Ecopia H-Steer 002 – 385/65 R 22.5

Antriebsachse

Bridgestone Duravis R-Drive 002 – 315/80 R 22.5

Fahrgestell

Rahmen

Parallel-Leiterrahmen

Bremsen

vorn und hinten Scheibenbremsen

Aufbau

Hersteller

Liebherr

Typ

HTM 905F L

Nennfüllung

9,0 m3

Maße und Gewichte

Länge/Breite/Höhe

9.290/2.550/3.350 mm

Radstand

4.550 mm (alternativ: 4.850/5.150/5.450 mm)

Leergewicht mit Aufbau

13.900 kg (Mehrgewicht zum Diesel: ca. 2,5 t)

Nutzlast

18.100 kg

Zul. Gesamtgewicht

32.000 kg

Technisches Gesamtgewicht

44.000 kg (alternativ: 37.000 kg)

Messwerte

Einstiegsstufenhöhen

540/950/1.340 mm

Höhe Fahrerhausboden

1.720 mm

Höhe Motortunnel

170 mm

Bodenfreiheit vorn / hinten

322 / 299 mm

Bodenfreiheit tiefster Punkt

274 mm

Lenkraddurchmesser

450 mm

Innengeräusch bei 65/85 km/h

63/70 dB(A)

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