Brückenbau
Echterhoff bewältigt schwierigen Spezialtiefbau an Berliner Bahntrasse

Vier Brücken im laufenden Bahnbetrieb zu ersetzen, verlangt präzise Taktung. An der EÜ Wiltbergstraße in Berlin-Buch zwangen unerwartete Bodenverhältnisse die Ingenieure zur Umplanung: Statt Spundwänden kamen Bohrpfähle und eine Giken-Presse zum Einsatz. Die Bauausführenden überzeugen mit technischer Flexibilität im Bestand.

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Im Auftrag der DB Infrago AG erneuert die Gebr. Echterhoff GmbH & Co. KG zusammen mit dem ARGE-Partner SBN die Eisenbahnüberführung Wiltbergstraße im Norden Berlins. Das Vorhaben ist Teil des Infrastrukturprogramms an der S-Bahn-Linie S2 Nord und umfasst den Austausch von vier Brückentragwerken für den S-Bahn- und Fernbahnverkehr. Neben den Ingenieurbauwerken erfordert das Projekt Anpassungen an Gleisen, Oberleitungen, Straßen und Kabeltrassen. Das Netto-Auftragsvolumen liegt bei rund 14,4 Millionen Euro, wovon etwa 12,2 Millionen Euro auf Echterhoff entfallen.
Anpassung der Gründung für die Hilfsbrücken
Die unerwarteten Randbedingungen machten eine vollständige Überarbeitung der Entwurfsplanung erforderlich. Betroffen waren insbesondere der Verbau und die Gründung der für den Bau benötigten Hilfsbrücken. Anstatt der ursprünglich vorgesehenen Spundwandgründung stellte das Bauteam die Planung auf eine Gründung mit Bohrpfählen um. Dieser Schritt war notwendig, um den Verbau und die Gründung der Hilfsbrücken an die tatsächlichen Gegebenheiten des Baugrunds anzupassen.
Erschütterungsfreies Einbringen des Verbaus

Auch das ursprünglich vorgesehene Verfahren für die verbleibenden Verbauten musste wegen der angrenzenden Bebauung nochmals angepasst werden. Um Erschütterungen im Umfeld zu minimieren, werden die Spundbohlen nun mit einer Giken-Presse erschütterungsfrei in den Boden eingebracht. Zusätzlich zum ursprünglich geplanten Leistungsumfang entstehen im Zuge der Umplanungen zwei weitere Stützwände sowie eine Treppenanlage im Baubereich.
Das Prinzip der Giken-Presse
Eine Giken-Presse (auch „Silent Piler“) bringt Spundbohlen erschütterungsfrei und nahezu geräuschlos in den Boden ein. Im Gegensatz zu klassischen Ramm- oder Vibrationshämmern arbeitet die Maschine nicht mit Schlägen, sondern mit rein statischem Druck. Die Presse klammert sich hydraulisch an bereits installierten Spundbohlen im Boden fest. Aus diesem Halt zieht sie die Gegenkraft, um die nächste Bohle per Hydraulikzylinder in das Erdreich einzupressen. Ist eine Bohle eingebracht, löst sich die Presse, zieht sich hydraulisch selbst nach vorn und setzt sich auf den neuen Bohlenkopf auf. Sie wandert so eigenständig an der Verbaulinie entlang.
Drei Hilfsbrücken sichern den Bahnverkehr

Eine zentrale Rolle im Bauablauf spielen die temporären Hilfsbrücken. Ursprünglich waren nur zwei Behelfsbrücken vorgesehen, tatsächlich wurden jedoch drei Hilfsbrücken vom Typ ZH31 mit einer Stützweite von jeweils 29,8 Metern eingebaut. Sie übernehmen während der Bauzeit vorübergehend die Funktion der Bestandsbauwerke und schaffen damit eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der Bahnbetrieb während der Arbeiten weitgehend aufrechterhalten werden kann. Mit den Hilfsbrücken wurde zugleich das Fundament für die nächsten Bauphasen und die anstehenden Arbeiten an den neuen Widerlagern geschaffen.
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Koordinationsaufwand im Leitungsbau
Bevor die eigentlichen Brückenarbeiten vollständig umgesetzt werden können, müssen zunächst zahlreiche vorhandene Versorgungsleitungen aus dem Baufeld verlegt werden. Die erforderlichen Umverlegungen durch die jeweiligen Leitungsträger sollen im November abgeschlossen sein. Dieses Vorhaben zeigt, wie komplex das Bauen im innerstädtischen Bestand ist, wo Brückenbau, Bahnverkehr, Straßenraum, Versorgungsinfrastruktur und angrenzende Bebauung aufeinander abgestimmt werden müssen. Entsprechend wichtig ist eine präzise Koordination aller Gewerke und Beteiligten.
Fertigstellung der Brückenbauwerke bis 2028

Der Einbau von drei neuen Überbauten durch den Partner SBN sowie der Rückbau der Hilfskonstruktionen sind für Oktober geplant. Daran schließt sich bis August der Rückbau und die Erneuerung des vierten Bestandsüberbaus an. Wegen der Baugrundänderungen, der Zusatzleistungen und der erforderlichen Umplanungen verschob sich der ursprüngliche Fertigstellungstermin von Februar 2024 auf Ende 2028. Für das Team um Bauleiter Johannes Tiedtke stand und steht die schrittweise Integration der neuen Gründungsmethoden in den vorgegebenen Bahntakt im Mittelpunkt der Ausführung.
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