30. DCA-Jahrestagung
Quo vadis HDD?

Was kann die HDD-Branche von der Erfolgsgeschichte Roms und des römischen Reiches lernen, um erfolgreich zu bleiben? Die Frage stand ebenso im Mittelpunkt der 30. DCA-Jahrestagung in der ewigen Stadt wie interaktive Workshops zu wichtigen HDD-Themen. Mit 292 Teilnehmern war das Interesse an einer DCA-Jahrestagung so groß wie nie zuvor.

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Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine Herausforderung: Neben der technischen Erneuerung spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
Wasser spielt seit Jahrtausenden eine bedeutende Rolle in Rom. Noch heute sieht man 2.500 kleine Trinkwasserbrunnen in der belebten Stadt, die eines der ältesten und größten Wasserleitungssysteme Europas besitzt. Der Bau von Aquädukten – das älteste Roms stammt von 312 v.Chr. – gilt als menschliche Meisterleistung.
Für die Erfolgsgeschichte des römischen Reiches war die Versorgung mit Wasser und Getreide ganz entscheidend, wie Historikerin Sandrina Bokhorst im Eröffnungsvortrag beschrieb. Die hervorragende Ingenieurskunst, die man zum Teil heute noch sieht, der Bau der oberirdischen und vor allem auch unterirdischen Infrastruktur sowie deren erfolgreicher Betrieb basierte auf einer gut funktionierenden Vernetzung. Die damaligen Lieferketten seien mit den heutigen vergleichbar. Im Wesentlichen sei es auf die einzelnen Knotenpunkte innerhalb der Vernetzung angekommen, so Bokhorst. Ebenso sei für die Aufrechterhaltung des funktionierenden Systems die Kommunikation und Interaktion der Menschen wichtig gewesen. Ferner hätten Anpassungsfähigkeit, der Mut neue Wege zu gehen sowie die Bereitschaft von anderen zu lernen zur Beständigkeit des römischen Reiches beigetragen.


Interaktive Workshops zu wichtigen HDD-Themen
Im Fokus standen dieses Jahr interaktive Workshops zu den Themen „Baugrund“, „Steuerung/Ortung“, „Spülungsverluste und Ausbläser“ sowie „Bohrgestänge- und Bohrwerkzeugbrüche“. Die Gruppenleiter sprachen verschiedene Szenarien und technische Herausforderungen an und stellten offene Fragen, um mit den Teilnehmern zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

„Alles hängt vom Baugrund ab“, begann Dr. Christoph Donié zusammen mit Philipp Dick und Jaqueline Farias Ewald im ersten Workshop. Eine 100-prozentige Sicherheit zum Baugrund gebe es nicht, vielmehr gehe es darum, Unsicherheiten zu kommunizieren und zu managen. Eine Abstimmung zu unvorhergesehenen Spülungsverlusten trotz geologischen Modells zeigte, dass es nicht eine einzige richtige Möglichkeit gibt, zu reagieren.
Im zweiten Workshop (Steuerung/Ortung) gingen Marco Reinhard, Leonhard Weiss GmbH & Co. KG, und Dan Billig, Sharewell HDD BV, mit den Teilnehmern verschiedene problematische Situationen durch. Es wurden Vor- und Nachteile von Walk-Over- und Wire-Line-Systemen herausgestellt. Zudem kam eine interessante Frage auf: Warum gibt es eigentlich keine Zertifikate für die Ortung/Steuerung? Zusätzliche Schulungen und Zertifizierungen hält Marco Reinhard für sinnvoll und stieß im Publikum auf gemischte Reaktionen.

Den dritten Workshop (Spülungsverluste) leiteten Ronald Siebel, TenneT TSO GmbH, Ernst Fengler, LMR Drilling GmbH, und Timo Mücke, Beermann Bohrtechnik GmbH. Anhand einer fiktiven Flussquerung durch verschiedene geologische Schichten wurden mit den Teilnehmern unerwartete Rückflussreduzierungen bzw. -ausfälle besprochen; Lösungen wurden gefunden. In jedem Fall sollen Ausbläser wenn möglich vermieden werden. Sollten sie trotzdem entstehen, sollte die Kommunikation mit dem Auftraggeber bei Spülungsproblemen unbedingt aufgenommen werden und transparent sein.


Anspruchsvolle HDD-Praxiseinsätze

Der Baugrund spielte auch bei einer Bohrung im Festgestein eine Rolle, über die Maciej Geborys, HDI, berichtete. Die schnell wechselnden geologischen Schichten erforderten ständige Anpassungen und eine Modellierung des Bohrpfades. Nachdem der Rohreinzug große Probleme bereitete, bildete eine 3D-Analyse die Grundlage für die neue Strategie.
Welche Herausforderungen die Strömungsgeschwindigkeit in einem Fluss mit sich bringen kann, zeigte François Gandard von der Firma Optimum, zusammen mit Francois Coquart von SAS Coquart. Und Timo Mücke, Beermann Bohrtechnik GmbH, und Jan-Henrik Kupfernagel, TenneT TSO GmbH, präsentierten mit der Unterquerung der Nordsee-Insel Baltrum ein insbesondere in logistischer Hinsicht anspruchsvolles Projekt.

Schließlich wurden noch ein neues Anwendungsfeld für HDD sowie ein neues Produkt vorgestellt. HDD bietet im Vergleich zur offenen Bauweise Vorteile bei der Installation von Erdungssystemen –gerade vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung der elektrischen Infrastruktur ein interessanter Aspekt. Philipp Schrage, Tracto-Technik, und Tim McClure, Trenchless Grounding Infrastructure Design Solutions, verwiesen vor allem auf die Möglichkeit der schnellen und effizienten grabenlosen Installation während des Netzbetriebs, die relativ geringen Materialkosten sowie Schonung der Erdoberfläche.

Die Entwicklungen bei dem sogenannten Walk Over-Verfahren gehen momentan bei allen Lieferanten sehr schnell. Die amerikanische Firma Digital Control Inc. (DCI) hat ein KI-gestütztes Ortungssystem entwickelt, bestehend aus dem Ortungsgerät „DigiTrak Ares“ und dem Multifunktionssender „Supercore“. Wie Renzo Chirulli, DCI, beschrieb, scannt und analysiert das System die Baustelle in Echtzeit und bietet einige moderne Features. Mit nur einem Klick kann die Ausrüstung via Bluetooth kalibriert werden. Tests hätten ergeben, dass das System weniger anfällig sei für Signalstörungen als herkömmliche Systeme.
Rahmenprogramm und Ausblick
Am ersten Veranstaltungstag (Mittwoch) konnten die Teilnehmer in mehreren deutsch- und englischsprachigen Gruppen bei zwei unterschiedlichen Stadtführungen die Geschichte Roms im Hinblick auf die dortigen Wasserbauwerke erleben. Am Abend des ersten Kongresstages (Donnerstag) lud der DCA ins historische Landhaus „La Corte di Arenaro“ ein, wo die Teilnehmer in einer angenehmen Atmosphäre und bei sommerlichen Temperaturen sich drinnen wie draußen über Privates und Fachliches austauschen konnten.

Um Austausch ging es auch beim Frauen-Netzwerk „Women empowering HDD“, kurz „We-HDD“, das in Rom zum nunmehr dritten Mal auf einer Tagung bei einem Get-together zusammenkam. Es zeigte sich, dass immer mehr Frauen aus unterschiedlichen Berufen in der Spezialtiefbau-Branche vertreten sind. Nach einer gemeinsamen Vorstellungsrunde, in der jede Teilnehmerin kurz über ihren Beruf und Werdegang sprechen konnte, gab es untereinander einen konstruktiven Austausch. Für kommendes Jahr ist natürlich schon das 4. We-HDD-Get-together beim nächsten DCA-Kongress geplant.
Insgesamt bot der 30. DCA-Kongress einen guten Mix aus Erfahrungsaustausch, Networking und interessanten Erkenntnissen – zum Beispiel, dass die HDD-Branche einiges von der Erfolgsgeschichte Roms lernen kann, damit das Erreichte beständig bleibt. Sicher ist: Die nächste Jahrestagung wird vom 6. bis 8. Oktober 2027 im schönen Ostseebad Warnemünde bei Rostock stattfinden.
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