Fachwissen, Praxis und Herausforderungen im Leitungsbau
Zum 17. Mal trafen sich die Fachaufsichten und weitere Fachleute der HDD-Industrie zu dieser Fortbildungsveranstaltung. Gemäß DVGW GW 329 muss jede verantwortliche Fachaufsicht eines nach DVGW GW 302 in der Gruppe GN 2 zertifizierten Unternehmens, innerhalb der Laufzeit des DVGW-Zertifikats, eine solche Fortbildungsveranstaltung besuchen.

Die Veranstaltung wurde wie bisher vom Rohrleitungsbauverband e.V. (rbv) in Kooperation mit dem DCA ausgerichtet und fand am 10.12.2025, mit 120 Teilnehmern sehr gut besucht, wieder in Kassel statt. Die fachliche Leitung lag bei DCA-Vize-Präsident Marco Reinhard.
Gyroskopische Rohrleitungskartierung im Fokus
Nach der Eröffnung der Veranstaltung und Begrüßung durch Christoph Kreutz (rbv) folgte der erste Fachbeitrag von Valentin Schwarz, B. Sc., Produktmanager der L-Team X-Tools GmbH & Co. KG. Die gyroskopische Rohrleitungskartierung war hier das Thema. Mit dieser Kreiselkompass-Technik zur unabhängigen Bestimmung der Lage unterirdisch verlegter Leitungen wird ein 3D-Profil im gewählten Datenformat erzeugt. Die Lage kann bei Versorgungsleitungen, -kanälen und Leerrohrsystemen mit Innendurchmessern von 30 mm bis 1.000 mm sehr exakt bestimmt werden. Die Messtoleranzen liegen bei 5 cm und es können Leitungslängen bis 1.500 m befahren werden. Das Verfahren wird durch elektrische Felder nicht gestört, ist unabhängig von der Tiefe und vom Rohrmaterial, bietet eine Auswertung direkt vor Ort und kann schnell sowie kostengünstig durchgeführt werden. Insbesondere für das „Nachkreiseln“ zahlreicher HDD-Bohrungen auf den aktuell zu realisierenden Stromtrassen kann diese Technik sehr effizient eingesetzt werden.
Herausforderungen und Streitfälle bei HDD-Bohrungen
Anschließend referierten in der Expertenrunde die beiden ö. b. u. v. Sachverständigen Dipl.-Ing. (FH) Marc Schnau, Geschäftsführer der x-plan schnau engineering GmbH & Co. KG, und Dipl.-Ing. Jörg Himmerich, Geschäftsführer der Dr.-Ing. Veenker Ingenieurgesellschaft GmbH. Sie berichteten von zahlreichen gutachterlichen Stellungnahmen in Bezug auf HDD-Bohrungen. Viele vor Gericht behandelte Fälle wurden aufgezeigt und mit dem Publikum diskutiert.
In ihren gutachterlichen Stellungnahmen wiederholten sich insbesondere die Themen Beschädigung von Bestandsleitungen, der fehlende Einsatz von sogenanntem Schleppgestänge, verlorene Bohrwerkzeuge sowie Fragestellungen zu den richtigen Pumpraten und Bohrgeschwindigkeiten. Das Publikum folgte den spannenden Ausführungen sehr aufmerksam, insbesondere auch deswegen, weil die meisten der anwesenden Fachleute (das ergaben Unterhaltungen im Anschluss an die Expertenrunde) bereits gleiche oder zumindest ähnliche Erfahrungen mit den angesprochenen Themen gemacht hatten. Zum Schluss wurde noch stark über die Frage diskutiert, wie sichergestellt werden kann, dass HDD-Bohrunternehmen sicher und fachgerecht arbeiten.
Zertifizierung im Leitungsbau und die Schlüsselrolle des BMS
Diese Diskussion bildete eine sehr passende Überleitung zum nächsten Fachbeitrag von Dipl.-Geoökol. Jan Feldhaus von der DVGW Cert GmbH über die Zertifizierung im Leitungsbau und die Bedeutung des betrieblichen Managementsystems BMS. Durch die Auswahl von zertifizierten Unternehmen dürfen Auftraggeber vermuten/erwarten, dass diese Unternehmen dann auch mit erhöhter Wahrscheinlichkeit sicher und fachgerecht ausführen. Jan Feldhaus verwies darauf, dass das DVGW-Regelwerk als allgemein anerkannte Regel der Technik gilt. Schwerpunkt des Fachvortrages war das betriebliche Managementsystem BMS, welches einen gemeinsamen Kern aller Zertifizierungsverfahren im Leitungsbau darstellt. Es dient dazu, Nichteinhaltungen von Anforderungen frühzeitig zu erkennen und nachzuverfolgen, Ursachen und Folgen zu ermitteln sowie Korrekturmaßnahmen vorzunehmen. BMS ist nicht gleichzusetzen mit QMS, sondern ist in diesem integriert. Wesentliche Bestandteile eines BMS sind u.a. die Unternehmensorganisation/-führung, Personalwesen, Ablauf-/Baustellenplanung und die Baustellenkoordination. Jan Feldhaus brachte das Fazit, dass ein BMS im Fall der Fälle der entscheidende Faktor ist, um nachtzuweisen, dass ein Unternehmen seinen Pflichten nachgekommen ist.

Komplexes HDD-Großprojekt im urbanen Leitungsbau
Es folgte nach der Mittagspause der Vortrag von Dipl.-Ing. (FH) Edgar Mrotzek, Fachgebietsleiter HDD bei Bohlen & Doyen Bau GmbH, über ein spannendes Leitungsbau-Projekt: den Ersatzneubau zweier Mittelspannungssysteme in der Großstadt Bremen. Der HDD-Anteil dieser 2,6 km langen Trasse betrug 2,3 km. Sechs Leerrohre DA 125 mm mussten bei den insgesamt 14 HDDs mit bis zu 240 m Bohrlänge eingezogen werden.
Die Genehmigungsdauer war sehr kurz und die Ausführungsplanung und Abstimmung mit Leitungsträgern und Behörden war insbesondere wegen der hohen Bestandsleitungsdichte, der Verkehrssituation und engen Platzverhältnissen sehr fordernd. Die Spannung im Raum war zu spüren, als Edgar Mrotzek die Ausführung der ersten HDDs in diesem schwierigen Baufeld präsentierte. Es kam bereits bei der ersten Bohrung zu einem Leitungsschaden, was allerdings bei dieser Dichte an Fremdleitungen nicht verwunderte. Alle Bohrungen wiesen durchgehend geringe und meistens kombinierte Biegeradien auf und wurden mit Walk-Over-Ortungsverfahren durchgeführt. Eine stark befahrene Kreuzung wurde auf Wunsch des Hauptauftraggebers dreimal in verschiedenen Achsen unterbohrt, um auf zukünftige Anforderungen an die Stromversorgung eingehen zu können.
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Sehr ausführlich und transparent stellte der Referent die Kosten für die komplette Entsorgung der Bohrspülung dem möglichen Einsatz und Aufwand von Recycling-Technik gegenüber, was zu Gunsten der Entsorgung entschieden wurde. Der Vortrag hat gezeigt, wie komplex und technisch anspruchsvoll HDD-Projekte auch mit sogenannter Kleinbohrtechnik sein können.
Umgang mit Bohrspülungsaustritten bei HDD-Bohrungen
„Ausbläser, was tun…?“ war das Thema des letzten Vortrages von Dipl.-Ing. (FH) Ernst Fengler, Geschäftsführer LMR Drilling GmbH. Diese berüchtigten, übertägigen Spülungsaustritte erscheinen häufig ungeplant und dort, wo man sie nicht unbedingt erwarten würde. Durch einen für den Boden zu hohen Spülungsdruck (insbesondere bei „nahe“ zur Bohrung liegendem Gelände) oder Störzonen wird die Bohrspülung ungewollt zutage gefördert. Ernst Fengler referierte auch über Spülungsverluste im Bohrloch, die sich sukzessive, steigernd oder schlagartig zeigen können, und berichtete von beeindruckenden Mengen an Spülungsverlusten in aktuellen Projekten. Ernst Fengler empfahl Maßnahmen zur Vermeidung von Bohrspülungsaustritten bereits während der Planung, u.a. durch Baugrundgutachten, Bohrlinienplanung und Spülungsdruck-Berechnungen sowie Maßnahmen vor der Bauausführung wie Mitarbeiterschulungen, Havarie-Konzepte und an den Baugrund angepasste Bohrprogramme. Als Maßnahmen während der Bauausführung wurden u.a. genannt: Casing-Rohre, Spülungsüberwachung und Druckmesssonden. In seinem Fazit sprach er davon, dass es sehr wichtig sei die Risiken zu kennen, diese zu bewerten und nach Möglichkeit zu reduzieren nach dem Motto „Gefahr erkannt – Gefahr gebannt“.
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