Erfahrungsaustausch
Neue Normen auf dem Nürnberger Branchen-Treff

Am 19. März 2026 trafen sich rund 180 Fachleute aus der Baubranche zum 19. Informations- und Erfahrungsaustausch zum Rohrvortrieb in Nürnberg. Im Fokus der restlos ausgebuchten Veranstaltung standen neue Regelwerke zur grabenlosen Rohrverlegung in geschlossener Bauweise sowie anspruchsvolle Praxisbeispiele – von Bahnquerungen bis hin zu komplexen Unterquerungen von Flüssen.

Vom Kalibrierschlauch zum Werkzeug in der grabenlosen Sanierung
Der AIRBAGLINER® von Bodenbender hat sich vom klassischen Kalibrierschlauch zu einem festen Bestandteil moderner Sanierungssysteme entwickelt.
Im vergrößerten Franken-Saal der TÜV Rheinland Akademie in Nürnberg informierten sich Vertreter von Bauunternehmen und ausschreibenden Stellen über den Stand der Normung. Dr. Gregor Nieder und Michael Hentrich von der DWA-Unterarbeitsgruppe präsentierten die geplante Aufteilung des Arbeitsblattes A 125 in zwei Dokumente. Diese Anpassung dient der Implementierung der europäischen Norm DIN EN 12889 (2022). Die Referenten veranschaulichten die theoriebasierten Neuerungen durch Beispiele aus der Praxis. Konkrete Beschlüsse stehen aktuell noch aus, die fachliche Ausrichtung ist jedoch festgelegt.
Bahnquerungen: Nachweispflichten bei dynamischer Belastung
Ein weiteres zentrales Thema bildeten die Änderungen der Bahnvorschrift RiL 836.4501. Stephan Tolkmitt vom Güteschutz Kanalbau erläuterte die prozessualen Erleichterungen für die Herstellung von Bahnquerungen für Ver- und Entsorgungsleitungen. Da Schutzrohre unter Gleisen im inneren Druckbereich ständigen dynamischen Belastungen ausgesetzt sind, ist ein Ermüdungsnachweis zwingend erforderlich. Dieser setzt die Kenntnis der Schwingbreite des Rohrmaterials voraus – eine Herausforderung für die Hersteller von Kunststoffrohren, während die Werte für genormte Stahlrohre durchgehend vorliegen. Tolkmitt belegte anhand von Beispielen den erfolgreichen Einbau beider Materialklassen.
Datengetriebene Praxis: Rhein- und Allerquerung
Wie sich anspruchsvolle Rohrvortriebe umsetzen lassen, zeigten detaillierte Praxisberichte. Jonathan Trosdorff (Baufirma Sonntag) stellte den Bau eines Medientunnels unter dem Rhein in Köln vor. Hier wurden zwei Stahlbeton-Rohrstränge (DN 2000 und DN 3200) im Vollschnitt-Verfahren unter Druckluft auf einer Länge von 940 Metern vorgetrieben. Aus 11,4 Meter tiefen Baugruben heraus ermöglichten in Echtzeit aufgezeichnete Daten sowie eine durchgehende WLAN-Verbindung im Tunnel die präzise und geologieabhängige Steuerung der Maschine.
Ebenso datengetrieben verlief die Unterquerung der Aller bei Verden, präsentiert von Malin Günther und Ralph Küsters. Bei den zwei 1.100 Meter langen Rohrvortrieben (DN 2000) verkürzte die Kombination aus über- und unterirdischen Echtzeitdaten die Bauzeit messbar, da durchgehend „just in time“ gesteuert wurde. Zudem stellte die Überwachungstechnik die geforderte Deichsicherheit im FFH-Gebiet sicher.
Konstruktive Herausforderungen bei Bohrpfahlwänden
Spezifische Herausforderungen beim Bau von Start- und Zielbaugruben behandelte Thilo Dicke (Max Bögl Stiftung & Co. KG). Bei Bohrpfahlwänden schwächen die notwendigen Ein- und Ausfahröffnungen für die Vortriebsmaschine den Druckring. In Verbindung mit anstehendem Grundwasser erfordert dies spezielle druckdichte Lösungen. Dicke zeigte entsprechende Praxisansätze und gab einen Ausblick auf künftige Entwicklungen im Eurocode sowie im Bereich BIM.
Stephan Tolkmitt griff das Thema Grundwasser ergänzend auf. Er beleuchtete den Rohrvortrieb mit offenem Schild unter Druckluft. Aufgrund des hohen personellen, gerätetechnischen und genehmigungsrechtlichen Aufwands sowie strenger medizinischer Vorgaben meiden ausführende Firmen dieses kostenintensive Verfahren zunehmend.
Personalwechsel nach zwölf Jahren
Der Nürnberger Branchentreff der LGA, der in diesem Jahr aufgrund der hohen Nachfrage mit einer Warteliste operierte, endete mit einer personellen Zäsur: Dieter Walter vom Güteschutz Kanalbau, der die Veranstaltung über zwölf Jahre moderierte, ging in den Ruhestand. Stefan Zahradnik (TÜV Rheinland Akademie) und Markus Maletz (LGA) dankten ihm für seine langjährige Arbeit.

Das 20. Vortriebsseminar ist für den 11. März 2027 terminiert.
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