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Rohrvortrieb/

Stromnetzausbau England: Europas größte Schachtabsenkanlage für Themse-Kabeltunnel

Netzausbau in England

Schlüsselprojekt mit Europas größter Schachtabsenkanlage

25.05.2026, 00:00
SCHWANAU
Stromnetzausbau England: Europas größte Schachtabsenkanlage für Themse-Kabeltunnel
Grain to Tilbury – der Mixschild wird in den Startschacht in Tilbury gehoben. | Foto: Herrenknecht

National Grid, der Betreiber des Übertragungsnetzes in England und Wales, baut sein Hochspannungsnetz im Rahmen des Projekts „The Great Grid Upgrade“ aus. Ein Schlüsselprojekt ist ein 2.200 Meter langer Kabeltunnel unter der Themse von Gravesend nach Tilbury. Start- und Zielschacht für den Tunnel werden mit Europas größter Schachtabsenkanlage erstellt.


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Das „Great Grid Upgrade“ von National Grid ist die größte Modernisierung des Stromnetzes seit Generationen und trägt dazu bei, die Energiesicherheit zu stärken, indem mehr Energie aus inländischen, kostengünstigeren Quellen eingespeist wird. Es wird erwartet, dass der Strombedarf erheblich steigen und sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird, da Haushalte, Unternehmen, öffentliche Versorgungseinrichtungen, der Verkehrssektor und die Industrie zunehmend auf Strom umsteigen.

Für ein Schlüsselprojekt des Netzausbaus hat Herrenknecht die Maschinentechnologie geliefert. Nachdem eine Schachtabsenkanlage von Herrenknecht den Startschacht erstellt hatte, erfolgte Anfang Mai der Bohrstart für den 2.200 Meter langen Kabeltunnel für das 400-kV-Hochspannungskabel.

Speziell auf das Projekt zugeschnittene Tunnelbohrmaschine

Herrenknecht hat vom Joint Venture Ferrovial Bemo den Auftrag für eine speziell auf die Projektanforderungen ausgerichtete Tunnelbohrmaschine (TBM) erhalten. Die TBM vom Typ Mixschild hat 4.730 mm Durchmesser, ist 108 m lang und wiegt insgesamt 464 to. Unter der Themse trifft die TBM voraussichtlich auf einen Mischboden aus Kreide mit Feuerstein, mit Gesteinshärten von bis zu 1.000 MPA. Herausfordernd ist auch der hohe Wasserdruck unter der Themse. Die Baustelle liegt im Mündungsbereich des Flusses in die Nordsee. Dementsprechend ist die TBM, auch wegen des Tidenhubs, auf einen Wasserdruck von 4,5 bar ausgelegt.

TBM im Startschacht für den Themse-Kabeltunnel | Foto: Herrenknecht
TBM im Startschacht für den Themse-Kabeltunnel | Foto: Herrenknecht
Während an der Ortsbrust der Wasser- und Erddruck herrscht, wird der Rest der Maschine unter atmosphärischem Druck gehalten. Der hochkomplexe Mixschild, eine von Herrenknecht entwickelte Technologie, bietet dank präziser Stützung der Ortsbrust maximale Sicherheit beim Tunnelbau. Die TBM ist gegen den Wasserdruck 41 Meter unter der Themse mit einem mehrfachen Dichtungssystem abgedichtet. Für Arbeiten an der Ortsbrust, beispielsweise für einen Werkzeugwechsel am Schneidrad, verfügt der Mixschild über eine Personenschleuse, mit der sich Mitarbeiter schrittweise – ähnlich wie bei einem Tauchgang – an die unterschiedlichen Druckverhältnisse anpassen können.

Tunnelvortrieb und Dimensionen: TBM-Ausbau mit Tübbingen

Die TBM baut den Tunnel mit Tübbingen aus. Der Tunnel wird einen Innendurchmesser von 4 m und einen Außendurchmesser von 4,50 m haben. Mit einem hydraulischen Überschneider kann der Bohrdurchmesser vergrößert werden. Dies ermöglicht Kurvenfahrten und vereinfacht Korrekturen bei der Steuerung. Der Kurvenradius des Tunnels beträgt 350 m.

Aufgrund der komplexen Geologie ist der Mixschild zusätzlich als „Minigripper“ ausgelegt und verfügt über sogenannte Verrollflossen. Damit kann die Maschine festgesetzt werden, damit das Schneidrad nötigenfalls zurückgezogen werden kann. Zusätzlich ist der Mixschild mit einem Bohrgerät zur Vorauserkundung und einer Teleskopkamera ausgestattet, sodass die Ortsbrust inspiziert werden kann, ohne dass das Personal unter Überdruck arbeiten muss. So können Hindernisse im Gestein rechtzeitig erkannt und die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden.

Zum Lieferpaket für den Tunnelbau gehören eine Separationsanlage, Vermessungstechnik des Herrenknecht-Tochterunternehmens VMT und MultiService-Fahrzeuge, die die Tübbinge vom Startschacht zur TBM in den Tunnel transportieren.

Europas größte Schachtabsenkungsanlage teuft Start- und Zielschacht ab

Vertical Shaft Sinking Machine (VSM) während des Baus des Zielschachts für den Themse-Kabeltunnel | Foto: Herrenknecht
Vertical Shaft Sinking Machine (VSM) während des Baus des Zielschachts für den Themse-Kabeltunnel | Foto: Herrenknecht
Beim Bau von Start- und Zielschacht kommt Europas größte Schachtabsenkanlage (VSM für Vertical Shaft Sinking Machine) mit einem Durchmesser von 15.900 mm zum Einsatz. Den 45 Meter tiefen Startschacht in Gravesend am Südufer der Themse teufte die VSM von Herrenknecht in nur vier Wochen von Mitte November bis Mitte Dezember 2025 ab. Die VSM-Technologie eignet sich besonders für weiche Böden mit hohem Grundwasserspiegel, da sie ohne kostspielige Grundwasserabsenkung auskommt. Durch das gleichzeitige Abteufen der Schachtwand und den Ringbau sind Abteufgeschwindigkeiten von bis zu 2,7 Metern pro Tag möglich. Diese Methode verkürzt die Bauzeit, minimiert die Umweltbelastung und erhöht die Sicherheit, da kein Personal im Schacht benötigt wird und alle Arbeiten vollständig von der Oberfläche aus gesteuert werden.

Herrenknecht liefert für den Schachtbau ein umfassendes Ausrüstungspaket: neben der VSM eine leistungsstarke Trennanlage zur Aufbereitung des Aushubmaterials und Segmentformen für den Ringbau. Dazu kommen umfangreiche Dienstleistungen von der Logistik bis zur Unterstützung vor Ort.

Nach dem Bau des Startschachts in Gravesend wurde die VSM demontiert und zur Baustelle des Zielschachts in Tilbury transportiert. Dort erstellte sie von Mitte März bis Anfang Mai den 48 Meter tiefen Zielschacht. Die Tunnelbohrmaschine wird die Schachtwand an einer vordefinierten, armierungsfreien Stelle durchbrechen.

Quelle: Herrenknecht


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