Flüssigboden
Schonende Verfüllung in beengter Altstadt

Zur Verbesserung der Versorgungssicherheit werden in der Adlergasse in der Stadt Staufen (Breisgau) bis Ende 2027 Arbeiten an den Ver- und Entsorgungsleitungen durchgeführt. Dabei kam die Flüssigbodentechnologie nach RAL GZ 507 zum Einsatz – aus mehreren guten Gründen.

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Die Stadtwerke Müllheim-Staufen sind der Hauptauftraggeberin dieses Bauvorhabens, das im Herbst 2026 begonnen hat. Zur Verbesserung der Versorgungssicherheit sind bis Ende 2027 Arbeiten an den Ver- und Entsorgungsleitungen in der Adlergasse im Abschnitt Kirchstraße bis Mühlegasse erforderlich. Hier werden neue Wasser- und Erdgasversorgungsleitungen in Zusammenarbeit mit der Badenova Netze, einem großen Netzbetreiber in Südbaden, verlegt. Zudem erfolgt im Auftrag der Stadt Staufen der Einbau eines neuen Regen- und Schmutzwasserkanals mit an- und abschließendem Straßenbau. Geplant vom Ingenieurbüro Himmelsbach + Scheurer hat das Tiefbauunternehmen Oskar Vogel Straßenbau den Zuschlag für die Arbeiten erhalten.
Innerstädtischer Tiefbau: Flüssigbodentechnologie schützt historische Bausubstanz
Das Bauvorhaben ist komplex: Durch die beengte Altstadtlage (schmale Gasse, enge Bebauung, historische Gebäude, viel Gewerbe) kann mit herkömmlichen Tiefbauverfahren nicht gearbeitet werden. Daher hat die Stadt bei der Ausschreibung auf die Flüssigboden-Technologie bestanden, sodass zur Bodenverdichtung keine Rüttelplatte eingesetzt werden muss. Wegen der physischen Lärmbelästigung und der Vibration, die zu Bauschäden an den umliegenden Gebäuden führen könnte, ist der Einsatz solcher Geräte von der Stadtverwaltung nicht gewünscht.

Das Tiefbauunternehmen Oskar Vogel Straßenbau beschreibt es in einer Mitteilung im Internet so: „Unter stark beengten Verhältnissen kommt in Staufen Flüssigboden nach RAL-GZ 507 zum Einsatz. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und früherer Belastungen des Untergrunds war eine besonders schonende Bauweise gefragt." Und weiter heißt es: „Der Baustoff aus dem örtlichen Bodenaushub bietet hierfür einen entscheidenden Vorteil: Im Vergleich zu konventionellen Einbauverfahren lässt sich die Verfüllung mit deutlich geringerer Belastung und Erschütterung des Umfelds umsetzen.“
Selbstverdichtendes Verfüllmaterial: Bodenaushub nachhaltig als Wertstoff nutzen

Flüssigboden-Technologie nach dem RAL-GZ 507 bezeichnet ein zeitweise fließfähiges, selbstverdichtendes Verfüllmaterial, dass im Tief-, Kanal- und Leitungsbau eingesetzt wird. Das Besondere an diesem standardisierten Verfahren ist, dass der anfallende Bodenaushub direkt vor Ort oder in einer zentralen Anlage aufbereitet wird, indem er mit Wasser, speziellen Zusatzstoffen (wie Tonmineralen) und Bindemitteln vermischt wird. Dadurch erhält der Boden für den Einbau eine flüssige Konsistenz, wodurch er selbst schwer zugängliche Gräben und Hohlräume lückenlos und ohne mechanische Verdichtung ausfüllt, bevor er nach einer definierten Zeit materialspezifisch fest wird und seine ursprünglichen Bodeneigenschaften weitgehend zurückerhält.

In der Adlergasse in Staufen spielt besonders der Aspekt von Flüssigboden als selbstverdichtendes Verfüllmaterial eine große Rolle. Im Verfestigungsprozess kann der Flüssigboden die bauphysikalischen Eigenschaften des ursprünglichen Bodens wieder annehmen oder gezielt modifiziert werden. Das macht ihn besonders geeignet für Anwendungen, bei denen eine hohe Setzungssicherheit, Wiederverfüllbarkeit oder schonende Einbettung von Leitungen erforderlich ist.
Die physikalische Selbstverdichtung von Flüssigboden erfolgt unmittelbar während des Einbaus, da das flüssige Material allein durch die Schwerkraft hohlraumfrei in jede Ecke und um jedes Rohr fließt.

Phasen der Selbstverdichtung:
- Einbau & Verdichtung (sofort): Das Material fließt hohlraumfrei ein. Der physikalische Vorgang der Selbstverdichtung ist mit dem Abschluss des Einfüllens beendet.
- Erste Verfestigung (ca. 8 bis 16 Stunden): Der Flüssigboden verliert seine Fließfähigkeit und geht in den festen Zustand über. Nach dieser Zeit ist die Oberfläche meist bereits wieder begehbar.
- Endfestigkeit (Tage bis Wochen): Der Boden erreicht über die folgenden Tage seine finale, bodenähnliche Stabilität, bleibt dabei jedoch (gemäß RAL-Gütezeichen 507- max. EADF von max 0,3 N/mm² nach 112 Tagen mit Nachweis) so rezeptiert, dass er bei späteren Tiefbauarbeiten wieder leicht ausgehoben werden kann.
Wichtig ist der Stadt seit Planungsbeginn, dass anliegende Geschäfte während der Bauarbeiten für die Menschen erreichbar bleiben. „Ja, eine Baustelle direkt vor der Tür ist nervig. Das verstehen wir. In der Adlergasse wird aktuell aber einiges bewegt", kommunizierten die Stadtwerke über Social Media. Und weiter: „Während unter der Straße gearbeitet wird, geht das Leben neben der Baustelle weiter. (...) Lasst euch von Bagger und Absperrung nicht abschrecken und schaut trotzdem mal vorbei!“
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Quelle: RAL GG Flüssigboden
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