Geothermie-Ausbau
Skalierung für die Wärmeversorgung

Auf dem Geothermiekongress 2026 in Potsdam diskutierte die Branche die praktische Umsetzung geothermischer Projekte. Im Fokus standen die Skalierung der Erdwärme als grundlastfähige Energiequelle sowie das geplante Wärmenetzpaket des Bundes, das wichtige Weichen für eine resiliente Wärmeversorgung in der Fläche stellt.

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Um geothermische Projekte flächendeckend umzusetzen, muss der Ausbau der Erdwärme skaliert werden. Darauf verwies Leonhard Thien, Vizepräsident des Bundesverbandes Geothermie (BVG), in Potsdam und stieg so ins Thema ein: der Aufbau einer resilienten geothermischen Wärmeversorgung.
Als grundlastfähige und regionale Energiequelle leiste die Technologie einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung, betonte Brandenburgs Energieministerin Martina Klement. Sie verringere die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und sichere langfristig die Attraktivität von Wirtschaftsstandorten. „Eine sichere und bezahlbare Wärmeversorgung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Energiepolitik für Brandenburg. Dabei gewinnt die Geothermie zunehmend an Bedeutung."
Wärmenetzpaket als Weichensteller für Infrastrukturprojekte
Für die Umsetzung in der Praxis spielt der politische Rahmen eine entscheidende Rolle. Das geplante Wärmenetzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums gilt laut Abteilungsleiterin Stephanie von Ahlefeldt als zentraler Weichensteller für die Energiepolitik. Dies soll die Basis schaffen, damit Forschungsergebnisse als nachhaltige Nachfolgetechnologie der Kohle bei Kommunen und Unternehmen ankommen. Auch internationale Kooperationen, etwa mit dem Partnerland Ungarn, unterstützen die Branche bei diesem Strukturwandel.
Skalierung des Ausbaus der Erdwärme:
Es geht hierbei um den Übergang von teuren, isolierten Einzel- oder Leuchtturm-Pilotprojekten hin zur routinierten, industriellen Massenanwendung. Für die Bau- und Planungspraxis umfasst dies drei zentrale Handlungsfelder:
- Infrastruktur-Ausbau: Die Erdwärme erfordert einen massiven, flächendeckenden Bau von Nah- und Fernwärmenetzen, um ganze Quartiere statt nur Einzelgebäude an die Wärmequellen anzuschließen.
- Standardisierung: Um Planungs- und Bauzeiten zu verkürzen, müssen Genehmigungsverfahren sowie Bohr- und Anlagentechniken standardisiert werden, statt für jedes Projekt individuelle Einzellösungen zu entwickeln.
- Risikominimierung: Etablierung verlässlicher Fördermodelle, die das sogenannte Fündigkeitsrisiko (finanzielle Verluste durch erfolglose Bohrungen) für Investorinnen und Investoren sowie Kommunen planbar abfedern.
Nachwuchsförderung und Auszeichnungen für Reservoirforschung
Der Ausbau der Geothermie erfordert laut Prof. Dr. Ingo Sass vom Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) zwingend junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In diesem Rahmen zeichnete der Verband Dr. Laura Spitzmüller vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für ihre Forschung zur Charakterisierung geothermischer Reservoirsysteme als „Jungwissenschaftlerin des Jahres“ aus. Den Sonderpreis erhielt Ullrich Bruchmann, Referent des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWK), für sein langjähriges Branchenengagement.
Die Patricius-Medaille ging an Prof. Dr. Rolf Bracke, Institutsleiter des Fraunhofer IEG, für die Entwicklung von Roadmaps zur tiefen und oberflächennahen Geothermie.
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Quelle: Bundesverband Geothermie
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