Schachtsanierung
Minimalinvasives Verfahren nach dem 3D-Scan

Komplexe Geometrien und enge Zeitfenster erschweren die Sanierung alter Abwasserschächte. Das modulare Schacht-in-Schacht-Verfahren von Rehau ermöglicht eine minimalinvasive Bauweise: Auf Basis exakter 3D-Scans werden passgenaue Bauteile vorgefertigt und in kleinerer Nennweite in den Altschacht eingesetzt. Zwei Praxisbeispiele demonstrieren den Ablauf unter erschwerten Bedingungen.

Grabenlos, hygienisch, effizient: SaniTube erhält KTW-BWGL-Zertifikat
Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine Herausforderung: Neben der technischen Erneuerung spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
Wenn Abwasserschächte in großen Tiefen oder unter sensibler Infrastruktur saniert werden müssen, bedeuten klassische Ersatzneubauten meist wochenlange Straßensperrungen und massive Erdarbeiten. Eine Alternative bietet eine grabenlose, minimalinvasive Herangehensweise, wie etwa das Rehau Schacht-in-Schacht-Verfahren. Hierbei wird ein Schacht der nächstkleineren Nennweite werkseitig vorgefertigt und in das bestehende Bauwerk integriert. Der Altschacht verbleibt als verlorener Verbau im Boden.
Das beschädigte Gerinne wird ausgestemmt und durch ein vorgefertigtes Modul ersetzt, das mittels Absperrblasen ausgerichtet wird. Im Ergebnis entsteht ein statisch belastbarer und dichter Aufbau. Der wesentliche Vorteil für Planungsbüros und ausschreibende Stellen liegt in der hohen Anpassungsfähigkeit: Zuläufe, Übergänge und Schachtgeometrien lassen sich exakt auf die Bestandssituation abstimmen.

Projekt Freiburg: Präzision unter aktiven Straßenbahngleisen
In Freiburg im Breisgau erforderte ein sanierungsbedürftiger Beton-Hauptsammler (DN 1500) in rund sechs Metern Tiefe eine passgenaue Lösung. Die Herausforderung: Der Schacht lag direkt unter einer Straßenbahntrasse mit aktiver Oberleitung. Hinzu kamen drückendes Grundwasser und eine anspruchsvolle Anschlussgeometrie, da die Zuläufe DN 1100 und DN 700 sehr dicht beieinander lagen. Diese mussten im neuen, kleineren Querschnitt exakt an ihrer ursprünglichen Position aufgenommen werden.

Die Grundlage bildete eine millimetergenaue 3D-Bestandsaufnahme während der nächtlichen Betriebsruhe der Straßenbahn. Das drückende Grundwasser wurde vorab mit Spezialmörtel abgedichtet. Auf Basis des 3D-Scans entwickelte REHAU einen maßgeschneiderten Schachtboden (DN 1400), der aus massivem Polypropylen (PP)-Blockmaterial gefräst wurde. Um Überschneidungen der großen Zuläufe im neuen Schachtkörper zu verhindern, wurden diese in einer ovalen Sondergeometrie ausgeführt und über spezielle Packer an den Bestand angebunden. Zusätzlich wurden weitere Zuläufe (DN 300 und DN 600) integriert.
Der weitere Aufbau erfolgte über ein Wickelrohr (DN 1300) und einen Standardschacht (DN 1000) inklusive Konus-Übergang. Der Einbau des Grundkörpers und des Steigrohrs konnte innerhalb eines Tages abgeschlossen werden, sodass Arbeiten an der Oberleitung während der Maßnahme nicht erforderlich waren.

Projekt Reichenbach: Ersatzneubau in der Kreuzungsmitte abgewendet
Eine noch komplexere Ausgangslage fand sich im sächsischen Reichenbach. Inmitten einer stark befahrenen Kreuzung war ein sieben Meter tiefer, rechteckiger Klinkerschacht teilweise eingestürzt. Unter dem Schacht verlief ein Eiprofilgerinne (1500/1300 mm) mit sechs Zuläufen, das neben Mischwasser auch Bachwasser abführt. Die Betriebssicherheit musste jederzeit gewährleistet bleiben. Ein ursprünglich geplanter Ersatzneubau (mindestens DN 2000) hätte eine 8 x 7 Meter große und sieben Meter tiefe Baugrube sowie riskante Arbeiten nahe benachbarter Gas- und Trinkwasserleitungen erfordert.
Um diesen massiven Eingriff in den Baugrund zu umgehen, wurde gezielt eine individuelle Schacht-in-Schacht-Lösung entwickelt, die den vorhandenen Baukörper weiternutzt. Auch hier lieferte ein hochpräziser 3D-Laserscan die Datengrundlage, um die historische Geometrie exakt nachzubilden.

Technische Umsetzung: Frästechnik, 3D-Druck und Wickelrohr im Verbund
Um die komplexe Geometrie in Reichenbach vollständig abzubilden, kombinierte REHAU drei Fertigungstechnologien: Der individuelle Schachtboden wurde aus PP-Vollblöcken gefräst und durch ein zusätzlich 3D-gedrucktes Bauteil ergänzt. Für den Schachtaufstieg kam ein PP-Wickelrohr (DN 1500) mit vorkonfektionierter Voute zum Einsatz. Speziell gefertigte Ei-Profil-Passstücke stellten den sauberen Übergang zum geklinkerten Hauptkanal her.
Während die detaillierte Planung und Konstruktion rund sieben Monate und die Fertigung sechs Wochen in Anspruch nahmen, dauerte das Zusammenfügen und Verschweißen der Komponenten auf der Baustelle lediglich einen Tag. Die Praxisbeispiele belegen, dass durch eine intensive digitale Vorplanung und den Einsatz von CNC-Frästechnik sowie 3D-Druck auch hochkomplexe Sanierungsvorhaben im Tiefbau innerhalb kürzester Sperrzeiten umgesetzt werden können.
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Quelle: Rehau
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