Sanierung am Ochsenkopf
Außergewöhnliche Baustellen verlangen flexible Lösungen

Harz, Liner, Kalibrierschlauch und Verfahren müssen auf der Baustelle als System funktionieren. Die Bodenbender Group bündelt deshalb zunehmend Entwicklung und Fertigung zentraler Komponenten innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe. Ein aktuelles Projekt am Ochsenkopf zeigt, welchen Unterschied dieses Zusammenspiel unter anspruchsvollen Bedingungen machen kann.
In der grabenlosen Kanalsanierung entscheidet selten eine einzelne Komponente über den Erfolg einer Maßnahme. Liner, Harzsystem, Kalibrierschlauch, Einbau- und Aushärtungsverfahren müssen aufeinander abgestimmt sein – und gleichzeitig genügend Spielraum bieten, um auf die tatsächlichen Bedingungen vor Ort reagieren zu können.
Genau hier setzt die Entwicklung der Bodenbender Group an. In den vergangenen Jahren wurden gezielt Kompetenzen entlang der Sanierungskette in die Unternehmensgruppe integriert. Mit der IPA Bauchemische Produkte GmbH gehört die Entwicklung und Herstellung von Harzsystemen zur Gruppe. SewerTex Innovations erweitert die Kompetenz im Bereich technischer Textilien und Linerlösungen. Mit der Seibatex GmbH, ehemals Swarotex Seiba, kam 2026 ein weiterer Spezialist für technische Textilien hinzu. Dort wird unter anderem der Airbagliner gefertigt.
Damit liegen wichtige Entwicklungs- und Fertigungsschritte innerhalb einer Unternehmensgruppe. Das ermöglicht kurze Abstimmungswege, eine engere Qualitätskontrolle und vor allem die Möglichkeit, einzelne Komponenten bereits in der Entwicklung auf ihre spätere gemeinsame Anwendung abzustimmen.
Die Baustelle bestimmt das System

Wie wichtig diese Flexibilität ist, zeigt eine aktuelle Sanierungsmaßnahme am Ochsenkopf im Fichtelgebirge. Mit 1.024 Metern ist er der zweithöchste Berg des Fichtelgebirges und eines der bekanntesten touristischen Ziele Nordbayerns.
Die exponierte Lage war dabei nur eine der Herausforderungen. Kleine Schächte, ein Dimensionswechsel, unterschiedliche Einbaulängen und hohe Sommertemperaturen stellten besondere Anforderungen an Material und Ausführung.
Mit den Arbeiten wurde die Drechsler Umweltschutz GmbH & Co. KG beauftragt. Insgesamt waren rund 92 Meter Leitung zu sanieren, verteilt auf drei Abschnitte mit 22, 54 und 16 Metern Länge. Zum Einsatz kamen Nadelfilzliner in Kombination mit Epoxidharzsystemen und dem wiederverwendbaren Airbagliner.
Auf Wunsch des Auftraggebers wurde ein Zwischenschacht mit dem Liner durchfahren. Dadurch konnten zwei ursprünglich getrennte Haltungen zu einer durchgängig sanierten Strecke verbunden werden. Die gesamte Maßnahme wurde innerhalb von vier Tagen umgesetzt.

Enge Schächte und wechselnde Dimensionen
Besonders anspruchsvoll war der Endbereich der Leitung. Der dortige Schacht hatte lediglich einen Durchmesser von 60 Zentimetern und bot durch seine Geometrie kaum Arbeitsraum. Hinzu kam ein Dimensionswechsel von DN 150 auf DN 125.
Der erste Nadelfilzliner wurde deshalb mit offenem Ende eingebaut und mithilfe des Airbagliner und einer Dampfbox ausgehärtet.
Auch beim zweiten Abschnitt wurde mit offenem Ende gearbeitet. Dabei wurden die 54 und 16 Meter langen Haltungen über einen Zwischenschacht hinweg miteinander verbunden. Der Liner wurde durch den Schacht geführt und bildete anschließend eine durchgängige sanierte Leitung – ohne zusätzliche Aufgrabung.

34 Grad und ein Eisbad für das Harz
Eine weitere Herausforderung brachte das Wetter. Am Tag des längsten Linereinbaus wurden am Ochsenkopf 34 Grad Celsius gemessen. Bei reaktiven Epoxidharzen verkürzt sich mit steigender Temperatur die verfügbare Verarbeitungszeit – bei einer Einbaulänge von insgesamt 70 Metern ein relevanter Faktor.
Für diesen Abschnitt kam das Epoxidharzsystem EP 170 zum Einsatz. Um ausreichend Verarbeitungszeit sicherzustellen, wurde das Harz vor dem Einbau in einem Eisbad gekühlt. Der lange Liner konnte dadurch kontrolliert installiert werden.
Für den verbleibenden 22-Meter-Abschnitt waren die Temperaturen moderater. Hier wurde mit dem EP 60 gearbeitet und die Sanierung abgeschlossen.
Das Beispiel zeigt, wie eng Materialauswahl und Ausführung miteinander verbunden sind. Harzreaktion, Liner, Einbaulänge, Außentemperatur und Aushärtung müssen gemeinsam betrachtet werden. Starre Standardlösungen helfen unter solchen Bedingungen nur begrenzt.
Entwicklung näher an der Baustelle
Für Bodenbender liegt genau darin ein wesentlicher Vorteil der gewachsenen Gruppenstruktur. Erkenntnisse aus der Anwendung können unmittelbar in die jeweiligen Fachbereiche zurückgespielt werden. Anforderungen an Harzsysteme treffen auf die Entwicklungskompetenz der IPA Bauchemie, Erfahrungen mit textilen Komponenten auf SewerTex Innovations und Seibatex. Anwendungstechnik, Produktauswahl und Schulung werden durch die Bodenbender GmbH ergänzt.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, ausschließlich Komponenten aus eigener Fertigung einzusetzen. Externe Partner und Produkte bleiben Teil des Portfolios. Entscheidend ist vielmehr, bei strategisch wichtigen Komponenten selbst über das notwendige Entwicklungs- und Fertigungswissen zu verfügen und deren Zusammenspiel gezielt beeinflussen zu können.
Diese Nähe zwischen Baustelle, Anwendungstechnik und Produktion schafft gleichzeitig mehr Kontrolle über Qualität und ermöglicht kürzere Entwicklungswege.
Vom Berggipfel bis zum UNESCO-Welterbe

Dass außergewöhnliche Rahmenbedingungen in der grabenlosen Sanierung keine Seltenheit sind, zeigte bereits ein Projekt im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel. Im UNESCO-Welterbe mussten vor einigen Jahren mehrere Kilometer Entwässerungsleitungen saniert werden, ohne historische Anlagen, geschützte Landschaftsflächen und teilweise jahrhundertealten Baumbestand durch umfangreiche Erdarbeiten zu beeinträchtigen.
Die Swietelsky-Faber Kanalsanierung GmbH setzte dabei unter anderem Schlauchliner und Harzsysteme von Bodenbender ein. Je nach Zustand, Nennweite, Bögen und Dimensionswechseln wurden die Systeme an die jeweiligen Leitungsabschnitte angepasst.
Bergpark Wilhelmshöhe und Ochsenkopf stellen völlig unterschiedliche Anforderungen. Das Grundprinzip ist jedoch dasselbe: Nicht die Baustelle sollte sich an ein starres System anpassen müssen. Das System muss auf die Baustelle reagieren können.
Mit der wachsenden Bodenbender Group werden dafür immer mehr Kompetenzen miteinander verzahnt – von Harzsystemen und technischen Textilien über den Airbagliner bis zur Anwendungstechnik. Denn in der Praxis entscheidet nicht die Leistungsfähigkeit einer einzelnen Komponente. Entscheidend ist, wie zuverlässig das gesamte System zusammenspielt.
Quelle: Bodenbender GmbH
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