Grabenlose Sanierung
Qualität und Nachhaltigkeit im Schlauchlining

Die Marina Rünthe war mal wieder Treffpunkt der grabenlosen Sanierungsbranche. Beim 6. Bergkamener Linertag der RS Technik AG standen nicht nur technische Entwicklungen beim Schlauchlining im Mittelpunkt. Die vier Fachvorträge zeigten vielmehr, wie eng Planung, Ausschreibung, Qualitätssicherung, Zulassung und nachhaltige Rohstoffstrategien inzwischen miteinander verbunden sind.

Regenwasserbewirtschaftung mit dem AquaFlowManager planen
Der AquaFlowManager von Funke unterstützt die Planung der Regenwasserbewirtschaftung von der Bemessung bis zur Produktauswahl.
Christoph Turk, Geschäftsleiter der RS Technik AG, und Dr. Susanne Leddig-Bahls, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Grabenlos und technische Geschäftsführerin der IQS Engineering AG, eröffneten die Veranstaltung. Einen roten Faden bildete dabei die Frage, wie Investitionen in die unterirdische Infrastruktur langfristig abgesichert werden können.
Planung als Grundlage für Qualität und Vertragssicherheit
Den fachlichen Auftakt übernahm Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel (Vogel Beratung). Unter dem Titel „ZTV Schlauchlining aktualisiert - Planung als Basis der Ausschreibung“ erläuterte er die Konsequenzen aktualisierter Anforderungen. Vogel machte deutlich, dass UV-Licht den chemischen Härtungsprozess zwar initiiert, der erfolgreiche Reaktionsverlauf jedoch von den tatsächlichen Randbedingungen abhängt. Ein zentrales Ergebnis: Die Prüfung der Materialkennwerte allein ersetzt keinen vollständigen Prozessnachweis.
Eine Probe kann wichtige Eigenschaften des eingebauten Liners bestätigen. Sie dokumentiert jedoch nicht automatisch, ob der gesamte Härtungsprozess über die komplette Haltung hinweg unter den erforderlichen Bedingungen abgelaufen ist. Auch bei thermisch härtenden Linern müsse nachgewiesen werden, welche Temperatur tatsächlich an der Außenseite erreicht werde, da kühlendes Grund- oder Schichtenwasser den Verlauf maßgeblich beeinflussen kann.

Entscheidend seien deshalb eine objektspezifische Festlegung der Härtungsparameter und eine nachvollziehbare Aufzeichnung der Prozessdaten. Vogel warnte zugleich vor pauschalen technischen Vorgaben. Es gebe weder eine Standardlösung für jeden Einbaufall noch eine grundsätzlich zu bevorzugende Härtungsart.
Bei anstehendem Grundwasserdruck biete beispielsweise die Warmwasserhärtung Vorteile. Bei Schichtenwasser seien unter bestimmten Voraussetzungen auch Dampf- oder UV-Härtung möglich. Unterbögen stellen besondere Anforderungen an die Kondensatableitung bei Dampfhärtung, während starke Sohlhöhenunterschiede bei Warmwasserhärtung eine Grenze setzen. Die Auswahl müsse immer anhand der tatsächlichen Bedingungen im Kanal begründet werden. Seine Kernforderung lautete daher: Es braucht eine baustellentaugliche Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung.
Nachhaltigkeit als Wertungskriterium bei öffentlichen Vergaben
Phil Olbrisch (Tiefbauamt Stadt Bochum) zeigte auf, wie Nachhaltigkeitsziele in den Bereichen Tiefbau und Kanalunterhaltung schrittweise in Ausschreibungen integriert werden können. Die Stadt Bochum unterscheidet drei wesentliche Handlungsfelder: den eingesetzten Werkstoff (inkl. Umweltproduktdeklarationen/EPD), die Planungs- und Verfahrensebene (Vergleich von CO₂-Fußabdrücken) und nachhaltig agierende Unternehmen. Künftig könnten neben dem Preis (z. B. 50 bis 80 Prozent) auch Nachhaltigkeitskriterien (20 bis 50 Prozent) in die Wertung einfließen.
Bemerkenswert offen berichtete Olbrisch über die Grenzen eines ersten Bochumer Ansatzes. Die Pilotprojekte hätten gezeigt, dass eine ausschließlich projektbezogene Bewertung der Bauausführung bei Sanierungsmaßnahmen oft zu kurz greift. Häufig liege der größere Nachhaltigkeitshebel bereits beim eingesetzten Werkstoff und bei den Entscheidungen in der Planungsphase.

Als mögliche Alternative stellte Olbrisch die aus den Niederlanden stammende „CO₂ Leiter“ vor, die Unternehmen in Nachhaltigkeitsstufen einordnet und fiktive Rabatte gewährt. Für die Bochumer Vergabekriterien steht ein möglichst einfacher Ansatz im Vordergrund, der bereits bestehende Nachweise wie Zertifizierungen oder produktbezogene CO₂-Bilanzen nutzt, ohne neue Dokumentationspflichten aufzubauen.
DIBt-Zulassung als kontinuierlicher Qualitätsnachweis
Andreas Haacker (Siebert+Knipschild) beschäftigte sich mit der Frage, wie Normen, Zulassungen und unabhängige Fremdüberwachung ineinandergreifen. Eine DIBt-Zulassung ist nach Haackers Darstellung weit mehr als eine einmalige Produktprüfung. Sie stellt einen nationalen Verwendbarkeitsnachweis für einen definierten Einsatzbereich dar und betrachtet Materialien, Produktaufbau, Leistungsmerkmale und Einbauverfahren. Für Auftraggeber bedeutet dies vor allem Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit.
Nach Haackers Ausführungen fehlen in der bestehenden Norm für das Schlauchlining (DIN EN ISO 11296-4) noch vollständige Konformitätsmechanismen. So werden die Anforderungen an die Abrieb- und Hochdruckspülbeständigkeit dort derzeit nicht beschrieben. Die Prüfung des Wandaufbaus, der Laminatdichtheit und der chemischen Beständigkeit sei in den nationalen DIBt-Vorgaben weitreichender. Eine Europäische Technische Bewertung (ETA) ermögliche zwar eine europäische Bewertung, ersetze nationale Anforderungen an Planung und Einbau jedoch nicht automatisch vollständig.

Mittelfristig ist eine normative Harmonisierung zu erwarten (ISO 11300-2). Bis vollständige europäische Bewertungsverfahren verfügbar sind, bleibt die DIBt-Zulassung ein zentraler Qualitäts- und Verwendbarkeitsnachweis in Deutschland.
Nachhaltige Rohstoffe und längere Nutzungsdauer
Bastian Meermann (IQS Engineering) spannte den Bogen zu Zukunftsstrategien bei Nadelfilzlinern und Epoxidharzsystemen. Grabenlose Verfahren bringen systembedingt Vorteile mit sich: Tiefbauarbeiten und Bauzeiten werden reduziert, CO₂-Emissionen verringert. Neben dem Verzicht auf offene Baugruben ist jedoch auch die erreichte Nutzungsdauer entscheidend. Schlauchlining ist auf mindestens 50 Jahre ausgelegt, wobei Untersuchungen andeuten, dass unter geeigneten Bedingungen weitaus längere Nutzungsdauern möglich sind.
Besonders großes Potenzial zur Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks sieht Meermann bei den Rohstoffen. In den Nadelfilzlinern der RS Technik AG werden laut Vortrag bereits bis zu 90 Prozent PET-Regeneratfasern eingesetzt.
Auch bei den Epoxidharzsystemen bestehen Optimierungsmöglichkeiten. Beim RS CityLiner®-System kommt in der Harzkomponente MaxPox 15 bereits ein 20-Prozent-Anteil biobasierten Rohstoffs zum Einsatz. Für das RS MaxLiner®-System wurde mit MaxPox Eco ein SVHC-freies Epoxidharzsystem vorgestellt, bei dem das CO₂-Äquivalent um 10 Prozent gesenkt wurde. In Verbindung mit der nachgewiesenen Hinterwanderungsfreiheit könne das System unter geeigneten Bedingungen zudem ohne Preliner eingebaut werden.
Nachhaltigkeit beginnt dort, wo Unternehmen selbst konkrete Veränderungen umsetzen, so Meermann. Gleichzeitig müsse berücksichtigt werden, dass biobasierte Komponenten teilweise noch teurer seien.

Technik zum Anfassen und gemeinsamer Austausch
Die vier Fachbeiträge zeigten eine gemeinsame Botschaft: Nachhaltige Kanalsanierung ist das Ergebnis einer durchgängigen Kette – von der Planung über den Werkstoff bis zur vollständigen Dokumentation.
Dass diese Qualitätsanforderungen nicht allein in der Theorie bestehen, zeigten die Live-Vorführungen von Pipetronics und JT-elektronik mit moderner Inspektionstechnik im praktischen Einsatz. Die IQS Engineering AG zeigte zudem ein Installationsmuster ihres Testkonzepts zum Nachweis der hinterwanderungsfreien Anbindung, was gerade bei offenen Linerenden technische Betriebssicherheit bringt.
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Quelle: RS Technik
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