Newsletter abonnieren

Aktuelle Nachrichten zu den Entwicklungen im GaLa-Bau erfahren Sie in unserem Newsletter.

Aktuelle Nachrichten zu den Entwicklungen im GaLa-Bau erfahren Sie in unserem Newsletter.

Newsletter Anmeldung
B_Igalabau

Radinfrastruktur im Einklang mit dem Baumbestand

Schleswig-Holstein gilt als Fahrradland – und als Land der Alleen, Knicks und alten Baumbestände. Genau dort, wo Radwege durch gewachsene Landschaften führen, treffen zwei Interessen unmittelbar aufeinander: sichere, komfortable Infrastruktur und der Schutz gewachsener Vegetation. Neu erschienen ist dazu nun die Broschüre „Handlungsempfehlung für Sanierungsmaßnahmen an Radwegen mit Wurzeleinwuchs“ des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH).

Baumschutz und Radwegebau: Handlungsempfehlung zu Wurzeleinwuchs in Schleswig-Holstein
Radweg im Bestand: Zwischen gewachsenen Straßenbäumen und bestehender Infrastruktur wird der Nutzungskonflikt sichtbar. | Foto: furaxe / Pixabay

Wurzeleinwuchs in Radwegen ist dabei kein Randproblem, sondern Ausdruck eines Zielkonflikts. Wurzeln suchen sich ihren Weg – oft dorthin, wo Feuchtigkeit und Porenvolumen günstig sind: zwischen Trag- und Deckschicht. Die Folge sind Aufwölbungen, Risse und Sicherheitsrisiken. Die einfachste Lösung – Baumfällung und Neuaufbau – kommt für die Beteiligten jedoch nur als letzte Option infrage.

Mit der „Handlungsempfehlung für Sanierungsmaßnahmen an Radwegen mit Wurzeleinwuchs“ legt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) nun erstmals einen Leitfaden vor, der Technik und Naturschutz systematisch zusammendenkt.

Interdisziplinärer Ansatz statt reiner Baupraxis

Ausgangspunkt war die 2020 beschlossene Radstrategie 2030. Im Zuge der Qualitätssteigerung des Radwegenetzes wurde deutlich, dass Wurzelaufbrüche landesweit ein wiederkehrendes Schadensbild darstellen.

2021 gründete das Land deshalb eine Arbeitsgemeinschaft Wurzelaufbrüche. Bemerkenswert: Neben dem LBV.SH und Ministerien saßen auch Umweltverbände, der ADFC, der NABU, der BUND und weitere Akteure mit am Tisch. Ziel war keine rein technische Lösung, sondern eine Vereinbarung, die Umweltbelange ausdrücklich berücksichtigt.

Frank Bullerkist vom LBV.SH vor der Außenstelle in Kiel – der Landesbetrieb hat die neue Handlungsempfehlung herausgegeben. | Foto: B_I MEDIEN/mj
Frank Bullerkist vom LBV.SH vor der Außenstelle in Kiel – der Landesbetrieb hat die neue Handlungsempfehlung herausgegeben. | Foto: B_I MEDIEN/mj

Frank Bullerkist vom LBV.SH betont im Gespräch, man habe bewusst darauf verzichtet, pauschale Rezepte festzuschreiben. Vielmehr sei ein differenzierter Maßnahmenkatalog entstanden, der Standort, Baumzustand, rechtliche Rahmenbedingungen und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen berücksichtigt.

Grundsatz: Der Wurzelraum bleibt schützenswert

Zentrales Leitmotiv der Broschüre ist der Erhalt des Baumbestands. Das Dokument stellt klar: Der Wurzelraum soll grundsätzlich unangetastet bleiben. Tiefgründige Fräsarbeiten im Wurzelbereich gelten als ungeeignet, da sie das Wurzelsystem erheblich schädigen können.

Wenn Eingriffe unvermeidlich sind, sind baumpflegerische Begleitung und die Einhaltung einschlägiger Regelwerke – von DIN 18920 über die Richtlinien zum Schutz von Bäumen bei Baumaßnahmen bis zu den ZTV-Baumpflege – ausdrücklich empfohlen.

Auch Wurzelrückschnitte werden nur als Ausnahme unter fachlicher Begleitung und unter Berücksichtigung der Standsicherheit betrachtet. Sicherheitsgefährdende Fällungen sind nur nach Abwägung und Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde vorgesehen.

„Natürlich kann man sagen: alles weg und neu“, so Bullerkist sinngemäß. „Aber das will keiner.“

Technik als Schutzinstrument: Wurzeln überbauen statt kappen

Im Mittelpunkt vieler vorgestellter Maßnahmen steht die Idee, Wurzeln nicht zu entfernen, sondern zu überbauen oder ihnen alternative Wachstumsräume zu bieten.

Wurzelbrücke aus Stahl schafft einen Hohlraum zwischen Tragkonstruktion und gewachsenem Boden | Foto: LBV.SH
Wurzelbrücke aus Stahl schafft einen Hohlraum zwischen Tragkonstruktion und gewachsenem Boden | Foto: LBV.SH

Wurzelbrücken – aus Beton oder Stahl – schaffen einen Hohlraum zwischen Wurzel und Deckschicht. Der Wurzelraum bleibt erhalten, Verdichtungen werden vermieden, das Dickenwachstum kann stattfinden, ohne die Oberfläche anzuheben.

Eingebaute Geozellen stabilisieren den Untergrund und verteilen Lasten, ohne den Wurzelraum zu verdichten. | Foto: LBV.SH
Eingebaute Geozellen stabilisieren den Untergrund und verteilen Lasten, ohne den Wurzelraum zu verdichten. | Foto: LBV.SH

Auch lastverteilende Systeme wie Geozellen oder Bodengitter verfolgen dieses Prinzip. Sie reduzieren punktuelle Druckbelastungen und ermöglichen es, vorhandenen Oberboden weitgehend zu erhalten. Besonders im urbanen Raum können sie in Kombination mit Baumstandortsanierungen eingesetzt werden.

Ein weiterer Ansatz ist die sogenannte Heidger-Methode: Eine grobporige, luftführende Tragschicht aus Grobschotter sorgt dafür, dass unterhalb der Asphaltdecke keine für Wurzeln attraktiven Bedingungen entstehen. Gleichzeitig bleibt das natürliche Bodengefüge erhalten.

Baumstandortsanierung und Belüftung: Wurzeln umlenken statt bekämpfen

Ein besonders interessanter Aspekt für den Garten- und Landschaftsbau ist die Wurzelumbettung mit Belüftungsmaßnahmen. Ziel ist es, den Wurzeln durch Tiefen- oder Flächenbelüftung alternative, durchwurzelbare Zonen anzubieten – weg von der Oberfläche.

Druckluftlanzen lockern den Boden punktuell, schaffen neue Porenräume und verbessern die Sauerstoffversorgung. Das kann die Vitalität der Bäume erhöhen und das Wurzelwachstum in tiefere Bereiche lenken.

Diese Maßnahmen sind vor allem bei schützenswerten Einzelbäumen, historischen Alleen oder im urbanen Raum relevant. Voraussetzung ist eine fachkundige Ausführung durch erfahrene Baumfachbetriebe.

Kritische Bewertung von Wurzelsperren

Auch Wurzelsperren werden im Leitfaden behandelt – allerdings differenziert. Vertikale Sperren können bei Neupflanzungen sinnvoll sein, gelten jedoch bei bestehendem Baumbestand als problematisch, da sie Wurzeln kappen würden.

Horizontale Geotextilien dienen primär als Filter- und Trennschicht, bieten aber keinen langfristigen Schutz vor seitlichem Einwuchs. Der Leitfaden macht deutlich, dass solche Maßnahmen allein keine nachhaltige Lösung darstellen.

Neue Pflanzungen: Vorausschauende Planung statt späterer Konflikte

Ein weiterer Umweltaspekt betrifft Neupflanzungen im Straßenraum. Die Broschüre empfiehlt, Baumarten und Wuchsformen frühzeitig zu berücksichtigen. Flachwurzler benötigen seitlich großzügige Pflanzräume, Tiefwurzler ebenfalls ausreichende Abstände zu befestigten Flächen.

Lastverteilende Plattenkonstruktion als alternative Bauweise im sensiblen Wurzelbereich | Foto: LBV.SH
Lastverteilende Plattenkonstruktion als alternative Bauweise im sensiblen Wurzelbereich | Foto: LBV.SH

Standortoptimierungen, ausreichend dimensionierte Pflanzgruben und Belüftungssysteme sind entscheidend, um spätere Konflikte zwischen Wurzelraum und Radweg zu vermeiden. Problematische Arten mit stark ausgeprägten Flachwurzeln sollten möglichst nicht im unmittelbaren Straßenraum eingesetzt werden.

Praxisnahe Entscheidungshilfe für Kommunen und Planer

Kern der Handlungsempfehlung ist eine grafische Entscheidungshilfe, die unterschiedliche Szenarien – Neubau, Sanierung mit oder ohne Baumbestand – strukturiert abbildet.

Vorbereitung des Radwegunterbaus mit Trenn- und Schutzlage entlang einer bestehenden Allee | Foto: LBV.SH
Vorbereitung des Radwegunterbaus mit Trenn- und Schutzlage entlang einer bestehenden Allee | Foto: LBV.SH

Dabei wird klar: Es gibt keine Einheitslösung. Ein Radweg kann abschnittsweise unterschiedliche Bauweisen erfordern. Auf 90 Prozent der Strecke mag Asphalt ausreichend sein, an sensiblen Stellen mit starkem Wurzelaufkommen seien Sonderkonstruktionen sinnvoll, so Bullerkist.

Die Handlungsempfehlung ist bewusst kein Regelwerk. Sie soll Planern, Kommunen und Baulastträgern eine Arbeitshilfe an die Hand geben – offen für Weiterentwicklung und Rückmeldungen aus der Praxis.

Fazit: Naturschutz als integraler Bestandteil der Infrastruktur

Die Broschüre zeigt, dass Radwegebau und Baumschutz kein Widerspruch sein müssen. Im Gegenteil: Eine nachhaltige Sanierung berücksichtigt Boden, Wurzelraum, Baumvitalität und langfristige Unterhaltungskosten gleichermaßen.

Für den Garten- und Landschaftsbau eröffnet das Dokument neue Anknüpfungspunkte. Baumfachliche Begleitung, Standortoptimierung, Belüftungssysteme und bodenschonende Bauweisen werden zu integralen Bestandteilen von Infrastrukturprojekten.

Gedeiht die grüne Branche?

Aktuelle Nachrichten zu den Entwicklungen im GaLa-Bau erfahren Sie in unserem Newsletter.

Hier abonnieren!

Ich akzeptiere die Datenschutz-Bestimmungen.
Newsletter Anmeldung
Newsletter Anmeldung

Statt Wurzeln als Störfaktor zu betrachten, versteht die Handlungsempfehlung sie als gegebenen Rahmen. Die Aufgabe lautet nicht, Natur zu verdrängen – sondern Technik so einzusetzen, dass sie sich in gewachsene Strukturen einfügt.

Neueste Beiträge:

Weitere Beiträge

1
2
3

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie eine Leistungsart, die Sie interessiert.

Bauleistungen
Bauleistungen

Bau

Dienstleistungen
Dienstleistungen

Dienst­leistung

Lieferleistungen
Lieferleistungen

Lieferung

Jetzt Ausschreibungen finden

Wählen Sie passende Bundesländer aus.

Ausschreibungs-Radar
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Verwandte Bau-Stichworte:

Jetzt zum Newsletter anmelden:

Werden Sie Experte im Garten- und Landschaftsbau. Plus: Kommunaltechnik.