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Aktionsplan Baukosten: Hubertz stellt 13 Maßnahmen gegen die Krise vor

Aktionsplan Baukosten: Hubertz stellt 13 Maßnahmen gegen die Krise vor
Die Verlängerung der zinsverbilligten KfW-Förderung für den Standard EH 55 soll den aktuellen Bauüberhang noch vor dem Jahresende aktivieren. | Foto: Wienerberger GmbH/Jens Krüger

Bundesbauministerin Verena Hubertz hat einen Aktionsplan zur Senkung der Baukosten vorgelegt. Zuvor gab das Ministerium bereits die Verlängerung der zinsverbilligten KfW-Förderung für das Effizienzhaus 55 bekannt. Das Baugewerbe begrüßt die Schritte, warnt jedoch vor einer herannahenden Förderlücke noch in diesem Jahr.


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Die Bundesregierung versucht, mit einer Doppel-Offensive den anhaltenden Stillstand im Wohnungsbau zu brechen. Am Nachmittag des 19. Juni 2026 stellten Bauministerin Verena Hubertz und Finanzminister Lars Klingbeil auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main einen 13 Punkte umfassenden Aktionsplan vor. Das Ziel: Kostentreiber im Hochbau systematisch zu reduzieren und Investitionen wieder rentabel zu machen. Zu den Kernpunkten gehören die verbindliche Einführung des digitalen Bauantrags bis 2028 sowie eine drastische Verkürzung von Planverfahren durch einen neuen „Planungstakt“ von 15 auf nur noch zwei Jahre. Zudem soll eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft gegründet werden, damit der Bund künftig selbst Wohnungen im großen Stil bauen kann.

Die 13 Maßnahmen zur Baukostensenkung

  • Verkürzung der Planungsverfahren: Einführung eines neuen „Planungstaktes“, der die Dauer von Planverfahren von bisher 15 auf zwei Jahre reduzieren soll.
  • Verbindliche Digitalisierung: Bundesweit flächendeckende Einführung des digitalen Bauantrags bis spätestens 2028.
  • Bautempo-Bonus: Etablierung eines staatlichen Bonussystems, das verkürzte Bauzeiten und reduzierte Baukosten belohnt.
  • Einführung des Gebäudetyps E: Schaffung eines klaren Rechtsrahmens für einfacheres und damit kostengünstigeres Bauen abseits teurer Komfortstandards.
  • Neues Zentralprogramm ab 2027: Bündelung und Vereinfachung der bisherigen, zersplitterten Bundesförderprogramme in einer zentralen Säule für den Neubau.
  • Mobilisierung von Privatkapital: Einrichtung eines speziellen Wohnungsbaumoduls im neuen „Deutschlandfonds“, um institutionelle Investoren zu gewinnen.
  • Verbesserte steuerliche Anreize: Verlängerung und Schärfung steuerlicher Abschreibungsmodelle wie der degressiven Abschreibung.
  • Rechtssicheres Baustoff-Recycling: Erleichterung und rechtliche Absicherung für den verstärkten Einsatz von Recycling-Materialien (RC-Material).

EH55-Verlängerung: Atempause ohne frisches Geld

Bereits am Mittag hatte das Bauministerium (BMWSB) eine vermeintliche Beruhigungspille für die Branche verkündet: Die am 30. Juni auslaufende, zinsverbilligte „Effizienzhaus 55-Plus-Förderung“ (EH 55) der KfW wird verlängert. Anträge können weiterhin gestellt werden, bis die Fördermittel vollständig aufgebraucht sind – längstens jedoch bis zum Jahresende. Bis Mitte Juni wurden über das Programm bereits 33.700 Wohneinheiten mit einem Kreditvolumen von 3,2 Milliarden Euro gefördert.

Das Problem: Eine Aufstockung des Budgets schloss Hubertz explizit aus. Es stehen aktuell nur noch rund 343 Millionen Euro zur Verfügung. Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Nachfrage warnt die Branche, dass dieser Fördertopf weit vor dem Jahresende leerlaufen wird.

ZDB: "Kein wirksamer Finanzierungsimpuls für das laufende Jahr"

Genau an dieser Schnittstelle zwischen der KfW-Meldung und dem Aktionsplan setzt die Kritik des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) an. Der Verband bewertet den Fokus auf die Baukostensenkung zwar positiv, vermisst jedoch den sofortigen finanziellen Hebel. „Viele Vorschläge des Aktionsplans gehen in die richtige Richtung, aber wir brauchen deutlich mehr Tempo und Ehrgeiz“, kommentiert ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Die Kapazitäten in den Betrieben seien da, die Auftragsbücher jedoch leer.

Der ZDB kritisiert, dass der Aktionsplan den dringend benötigten Finanzierungsimpuls für das laufende Jahr schuldig bleibt. Die geplante Bündelung der Wohnungsbauförderung in einem neuen, zentralen Programm soll erst 2027 starten. Die Verlängerung der EH-55-Mittel ohne Aufstockung fängt den aktuellen Einbruch nicht ab. Pakleppa rechnet vor, dass allein eine modifizierte, dauerhaft gesicherte Sonder-AfA mit Kopplung an den EH-55-Standard jährlich rund 30.000 zusätzliche Wohnungen aus dem bestehenden Bauüberhang von über 430.000 Projekten aktivieren könnte.

Zweifel an Modulbau und Bauturbo

Die Regierungspläne für ein staatliches Bonussystem bei verkürzten Bauzeiten sieht das Baugewerbe skeptisch. Da rund 85 Prozent des Wohnungsbaus von privaten Investoren und Häuslebauern beauftragt werden, würde ein staatliches Bonussystem nur einen Bruchteil des Marktes erreichen. Auch das serielle und modulare Bauen sei im engen, innerstädtischen Raum zur Nachverdichtung ungeeignet und derzeit wirtschaftlich noch nicht günstiger als konventionelle Methoden.

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Ebenso verweist der ZDB auf den stockenden Gesetzgebungsprozess beim kostengünstigeren Gebäudetyp E. Hier habe die Politik bereits über ein Jahr verloren, ohne einen konkreten Gesetzentwurf vorzulegen.

Hoffnungsschimmer beim Baustoff-Recycling

Ausdrücklich positiv bewertet das Baugewerbe hingegen das im Aktionsplan verankerte Bekenntnis zum verstärkten Einsatz von Recycling-Materialien (RC-Material). Der ZDB fordert in diesem Zuge die sofortige Neudefinition des Abfallstatus in der Ersatzbaustoffverordnung, um aufbereitete Baustoffe rechtssicher nutzen zu können. Eine entsprechende Verordnung zum Produktstatus von RC-Material steht bereits zum dritten Mal im Koalitionsvertrag. Hier erwarte das Baugewerbe nun endlich konkrete Schritte des Gesetzgebers.


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